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GOOD MOVIES FOR BAD PEOPLE
Bedevilled

Bedevilled

OT: Kim-bok-nam Sal-in-sa-eui Jeon-mal
RACHEDRAMA: KOR, 2010
Regie: Jang Cheol-so
Darsteller: Min-ho Hwang, Min Je, Lee Ji-eun-i

STORY:

Seit die junge Bankangestellte Hae-won wurde in Seoul zufällig Augenzeugin eines Mordes wurde, leidet sie unter Verfolgungswahn. Als sie kurze Zeit später ihren Job verliert, kehrt sie zurück auf eine abgelegene Insel, auf der sie als Kind unbeschwerte Tage verbracht hatte. Doch die vermeintliche Idylle entpuppt sich als Refugium eines beinahe vorzivilisatorischen Patriarchats, unter dem besonders ihre Jugendfreundin Bok-nam zu leiden hat. Bok-nam will raus aus der Hölle von Demütigungen, Vergewaltigungen und häuslicher Gewalt. Doch die Flucht misslingt und macht ihre Lage noch schlimmer. Doch eines Tages wird sich Bok-nam an ihren Peinigern rächen …

KRITIK:

Nach längerer Durststrecke lässt das koreanische Kino wieder die Muskeln spielen. I SAW THE DEVIL kreuzte den Serienkiller-Flick einigermaßen eindringlich mit Torture-Porn-Elementen und sorgte für Aufsehen, wo immer er gezeigt wurde.

BEDEVILLED ist das Regiedebüt von Kim Ki-Diks ehemaligen Regie-Assistenten Jang Cheol-So. Während Kim seine parabelhaften Geschichten stets kühl, emotional distanziert und eingepackt in poetische Bilder erzählt, setzt auf Cheol-Soo auf knallharten Realismus.

Der Film lässt zwei Welten aufeinander prallen: Die attraktive Bankangestellte Hae-won steht für das urbane, moderne, vordergründig selbstbewusste Korea. Sie trifft auf eine vor-industrielle, unaufgeklärte Gesellschaft, von deren Existenz sie nicht einmal ahnte. Und deren archaische Lebensweise sie mit gutem Grund als Bedrohung wahrnimmt.

Wer nun die asiatische Variante eines Backwood-Slashers erwartet, liegt nur bedingt richtig. Die ersten 60 Minuten seiner Laufzeit nützt der Film, um die Charaktere zu etablieren.

Dabei verschiebt sich der erzählerische Fokus. Die anfängliche Hauptfigur Hae-won verschwindet aus dem Blickfeld, wird quasi selbst zum passiven Zuseher, und die zweiten Frauenfigur, die Inselbewohnerin Bok-nam, rückt ins Zentrum der Geschichte.

Und das ist keine schöne Geschichte. Wie diese Frau von ihrer derangierten Sippe gemobbt, gedemütigt und terrorisiert wird, und das systematisch und jahrelang, bewegt sich wahrlich hart an der Grenze des Erträglichen.

Bis hierher folgt der Film der klassischen Dramaturgie asiatischer Rache-Dramen. Und doch geht er in vielerlei Hinsicht weiter als die Konkurrenz. So drastisch das Gezeigte auch sein mag, so scheint es niemals übertrieben, ausbeuterisch oder selbstzweckhaft. Die Gewaltdarstellung wirkt hier nicht "stylish" oder sexy, sondern schmerzhaft realistisch. Der Vergleich mit Gaspar Noe mag vielleicht hinken, aber die unerträgliche Intensität, mit der Jang Cheol-Soo den Leidensweg einer geschundenen Frau illustriert, hat mich unangenehm an IRREVERSIBEL erinnert. Und auch an BREATHLESS, ein weiterer koreanischer Film zum Thema häusliche Gewalt.

Und dann schaltet der Regisseur noch einen Gang höher. Und lässt die Geschichte mit einem großen Knall enden. Dass asiatische Rache-Dramen das finale Blutbad als Schlag in die Magengrube des Zusehers inszenieren, ist man ja gewohnt. Und auch BEDEVILLED enttäuscht derartige Erwartungshaltungen keineswegs.

Aber angesichts der absolut seriösen und gerade deshalb so niederschmetternden ersten Hälfte stellt sich die Frage, ob dieses Over-the-Top-Massaker am Ende dem Film nicht mehr schadet als nützt. Ob weniger nicht mehr gewesen wäre. Warum ein aufwühlendes Drama als Takashi Miike-artige Splatter-Oper, noch dazu mit unfreiwilligem Humor, enden muss.

Schade eigentlich.

BEDEVILLED ist in der Störkanal-Edition erschienen. Wie bei allen DVDs der Reihe gibt's ein Booklet mit einem ausführlichen Essay zum Film sowie ein Interview mit dem Regisseur.

Bedevilled Bild 1
Bedevilled Bild 2
Bedevilled Bild 3
Bedevilled Bild 4
Bedevilled Bild 5
FAZIT:

So sehen also koreanische Rache-Filme anno 2011 aus: Aufwühlendes und provokatives Drama einer geschundenen Frau in der ersten Hälfte (Wertung: 9/10), überdrehtes Splatter-Spektakel in der zweiten (Wertung: 7/10). Ergibt unterm Strich aber immer noch starke

WERTUNG: 8 von 10 frisch geschliffene Messer
Dein Kommentar >>
Federico | 24.05.2011 14:48
Das klingt nach einem FIlm für mich :)Weiß jemand, was denn der lange Originaltitel wortwörtlich übersetzt bedeutet?
Jules | 24.05.2011 15:40
habe es mal irgendwo gelesen, kann mich aber nicht mehr zu 100% erinnern und finde es auch nicht mehr...aber sinngemäß heisst es in etwa "bericht über den mordfall bok-nam".
Federico | 26.05.2011 08:49
hui, okay, danke! :)
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