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Beyond the Black Rainbow

Beyond the Black Rainbow

SCI-FI/NEO-MIDNIGHT MOVIE/EXPERIMENTALFILM: Kanada, 2010
Regie: Panos Cosmatos
Darsteller: Michael Rodgers, Eva Allan, Scott Hylands, Marilyn Norry

STORY:

Die junge Elena (Eva Allan) wird von Dr. Barry Nyle (Michael Rogers) in dessen futuristischen Forschungsstation gefangen gehalten. Nyle will Elenas übernatürliche Fähigkeiten erkunden, während Elena nur fliehen will...

KRITIK:

Der aus dem Jahre 2010 stammende Science-Fiction-Film BEYOND THE BLACK RAINBOW ist das Spielfilmdebüt von Panos Cosmatos. Doch wenn ich hier ganz locker und wie selbstverständlich das Genre dieses unbeschreiblichen Films nenne, dann ist das eigentlich schon ein wenig dreist. Der in Kanada lebende Regisseur ist der Sohn eines griechischen Regisseurs und einer schwedischen Experimentalkünstlerin und BEYOND THE BLACK RAINBOW ist eine völlig wahnsinnige Kreation, die eine betörende visuelle Schönheit, gähnende Langeweile und einen sensationell hohen WTF-Faktor miteinander vereint.

BEYOND THE BLACK RAINBOW zeichnet eine Handlung aus, die nur rudimentär und zugleich noch reichlich schwammig ist. Genau genommen fühlt es sich so an, als ob in diesem Film fast gar nichts passiert. Dass ist bei einer Laufzeit von 110 Minuten natürlich relativ wenig. Und wäre der Film 30 Minuten kürzer, so wäre er weiterhin verdammt langsam. Doch dies ist kein Unterhaltungsfilm, sondern ein abseitiges und experimentelles Kunstwerk, das nur für hartgesottene Freunde des wirklich Ungewöhnlichen geschaffen ist. Es ist die Art von Film, die sich wunderbar dazu eignet, sie bei einer Party von fanatischen Filmfreaks oder sonstigen abartigen Abweichlern mit dem Beamer auf eine Wand zu projizieren.

BEYOND THE BLACK RAINBOW ist Teil eines neuen Mini-Trends, der klassische Genrefilme der 70er und 80er-Jahre mit Kunst- und Experimentalfilmen kreuzt. Der erste Filmbastard dieser Art war wohl der belgische Kunst-Giallo AMER (2009). Drei Jahre später folgte Peter Stricklands faszinierende Giallo-Fulci-Lynch-Hommage BERBERIAN SOUND STUDIO (2011), die aktuell sogar in deutschsprachigen Landen im Kino zu sehen ist. Dazwischen erschien weitestgehend unbemerkt Panos Cosmatos kurios-kosmischer Trip BEYOND THE BLACK RAINBOW, auf den der Verfasser dieser Zeilen erst durch eine auf Facebook kursierende Liste obskurer Filme gestoßen ist.

Panos Cosmatos siedelt die kaum vorhandene Handlung im Jahre 1983 an, das allerdings mehr nach 1973 aussieht. BEYOND THE BLACK RAINBOW ist ein Retro-Science-Fiction-Film, der von seinem Setdesign und von der ganzen Art her, wie er gefilmt ist so aussieht, als sei er bereits zu jener Zeit entstanden. Dieser Eindruck wird akustisch noch durch einen passenden analogen Synthesizer-Score unterstützt. Das wirkt zunächst einmal so, als hätte sich Panos Cosmatos visuell insbesondere an 2001 - ODYSSEE IM WELTRAUM (1968) und an THX 1138 (1971) orientiert und das ganze mit einem John-Carpenter-Soundtrack gewürzt.

Doch damit ist es noch nicht getan: Die grelle Farbigkeit und die starke Stilisierung erweisen dem Werk Mario Bavas und Dario Argentos SUSPIRIA (1977) ihre Referenz. Das Ganze schmeckt Panos Cosmatos noch mit einer kräftigen Dosis Jodorowsky und ganz allgemeinen Irrsinn ab. Wer also all die Hypes um den nächsten angeblich völlig neuen und völlig andersartigen Film einmal so richtig satt hat, für den ist dieses Neo-Midnight-Movie eine echte Alternative: Der Fiebertraum von einem Midnight Movie, von jemanden, der einmal das verfilmen wollte, was er sich damals in den Videotheken beim Anblick der Cover bestimmter obskurer Film zusammenphantasiert hatte!

Beyond the Black Rainbow Bild 1
Beyond the Black Rainbow Bild 2
Beyond the Black Rainbow Bild 3
Beyond the Black Rainbow Bild 4
Beyond the Black Rainbow Bild 5
Beyond the Black Rainbow Bild 6
FAZIT:

BEYOND THE BLACK RAINBOW ist ein völlig wahnsinniger Retro-Science-Fiction-Neo-Midnight-Movie-Bastard. Absolut faszinierend und inspirierend, wirklich wunderschön und wundersam, extrem zäh und streng genommen fast unerträglich.

WERTUNG: 7 von 10 WTFs
Gastreview von GT
Dein Kommentar >>
Ricardo Gaße | 28.05.2015 15:35
Ein audiovisuelles Meisterwerk!
>> antworten
Pat Bateman | 07.10.2013 13:58

Verliert zwar in den letzten Minuten etwas den Faden (welchen Faden?), insgesamt aber hat mir Cosmatos´ stylistische Fingerübung irgendwo zwischen Kubrick und Argento gut gefallen.

8 von 10 Arboria-Werbrefilmen
>> antworten
Harald | 02.10.2013 12:59
Hmmm ... Letztes Jahr am /slash gesehen. Im Grunde kann ich deiner Review nix hinzufügen. Visuell extrem interessant, keine Frage. Aber die völlige Abwesenheit irgendwelcher - ich will jetzt gar nicht Handlung schreiben - Ereignisse hat mich schon extrem genervt. Als Visuals auf einer Party sicher groß, aber als "Film" imho gescheitert. Trotzdem finde ich es schön, dass es so etwas gibt und auch ein Publikum findet. Keine Wertung.
Gregor | 02.10.2013 16:46
Stimmt schon... ;-)
Chris | 02.10.2013 20:22
Ja, endlich wieder Filme so richtig abseits der Pfade. Sehr schön,
dass du mich daran erinnerst, dass ich mich irgendwann auch mal
wieder auf die Suche nach dem Kuriosen, Raren und Übersehenen
machen muss. Dieser Film ging völlig an mir vorbei.
Deine Review hat aber mein Interesse geweckt. Wenn mir das
nächste Mal der Sinn nach artifiziellen, schickigen Müßiggang steht,
werde ich wohl zuschlagen müssen. : )
Gregor | 02.10.2013 20:31
Da ich das Gängige jetzt oft woanders bespreche, kann ich mich hier wieder auf das Wesentliche konzentrieren. Denke, dass die Entdeckung übersehener Perlen auch die größte Stärke von Filmtipps ist.
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