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Blutjunge Verfhrerinnen

Blutjunge Verführerinnen

SEXFILM: CH/D, 1971
Regie: Erwin C. Dietrich
Darsteller: Rena Bergen, Margret Cicek, Claus Jurichs, Herbert Kluever

STORY:

Der Hausfrauenreport eines Schmuddelmagazins bringt nicht mehr die gewünschte Auflage. Also setzt sich das Redaktionsteam - sehr progressiv, immerhin mit einer Frau in ihren Reihen - zusammen und überlegt sich ein neues Thema. Blutjunge Verführerinnen soll es sein - sogleich erzählen sie sich Schmuddelgeschichten die man drucken könnte.

KRITIK:

Kann ein Film schlecht sein, dessen Titelvorspann über einer extremen Nahaufnahme eines weiblichen Urwaldes läuft, und der von Manfred Gregor geschrieben wurde – was, wie wir alle wissen, das Drehbuch-Pseudonym unseres allseits geliebten Schmuddelfilm-Papstes Onkel Erwin (C. Dietrich) ist? Die Frage ist eher rhetorisch zu verstehen, denn die Antwort kann sowieso nur "Nein" lauten.

Ganz der Geschäftsmann, der Dietrich eben auch immer war, wollte er natürlich auf der, gerade durch den ein Jahr zuvor erschienenen SCHULMÄDCHEN REPORT befeuerten, Sexreport-Welle mitschwimmen und brachte so 1971 seine BLUTJUNGEn VERFÜHRERINNEN in die schweizerischen und bundesdeutschen Kinos. Nach einigen Querelen mit der Justiz, die damals gegen – heutzutage eher harmlosen – Schmuddelkram in den Kinos vorzugehen pflegte, und einigen Schnitten um das Wohlbefinden der Zensoren zu befördern, landete Onkel Erwin mit seinen Verführerinnen einen veritablen Hit. Zwei Fortsetzungen folgten.

Die eher beiläufige Rahmenhandlung ist der Rede kaum wert, aber dennoch effektiv genug die einzelnen Episoden stimmig zusammen zu halten. Überdies ist es einfach herrlich zu sehen, wie die schlecht frisierten Kerle – und eine Frau – sich Schmuddelgeschichten erzählen, wie Pfadfinder untereinander im Sommerlager Horrorgeschichten austauschen. Und das Ganze dann noch dreist als Redaktionssitzung tarnen – so als würde man sich in der Firma im Besprechungsraum treffen und auf dem Beamer PornHub anschmeißen.

Die einzelnen Geschichten sind dabei von unterschiedlicher Länge und vor allem unterschiedlicher Qualität. Von erotisch über frivol bis schmierig ist alles dabei, sogar ein wenig Klamauk, wenn auch deutlich weniger als, unter anderem, in den Jahre später entstandenen SCHWEDINNEN-Filmen. Ein paar der Episoden sollen hier im Einzelnen erwähnt werden.

So zum Beispiel gleich die erste Geschichte um eine sexgeile Fremdsprachenkorrespondentin, die gar nicht Mal unerotisch fotografiert ist und nicht direkt in die Vollen geht. Während mancher Kinogänger gleich zu Beginn vielleicht befürchtete, es handele sich in dieser Geschichte gar nicht um eine blutjunge Verführerin, wurde er per Rahmenhandlung gleich eines besseren belehrt – die Fremdsprachenkorrespondentin ist in Wirklichkeit eine Schülerin, die bei ihrem Alter geschummelt hat.

Wirklich schmierig geht es weiter mit der Geschichte um eine Tankstelle, die nicht mit Bonuspunkten um Stammkundschaft wirbt, sondern mit einer Generalinspektion an einer netten allzeit bereiten Dame, die in der Garage auf ihre Kundschaft wartet. Dass die nicht ganz so freudig bei der Sache zu sein scheint, verleiht der ganzen Episode dabei eine etwas unangenehme Grimmigkeit.

In Zeiten der medialen #metoo-Hexenjagd, bekommt eine der nächsten Episoden traurige Relevanz. Eine Schülerin, die aus purer Langeweile meint ihren Lehrer verführen zu müssen, rächt sich bitterlich, als der nicht auf ihr plumpes Werben eingeht. Sie bezichtigt ihn des sexuellen Missbrauchs und zerstört so sein Leben, denn ihr glauben alle, ihm keiner.

Die abschließende Episode um eine Gruppe mittelalter Sportler, sie sich ihre lahme Feier im Heuschuppen per Frauenquote aufpeppen, verströmt zunächst den miefigen Duft einer Horde Kerle die sich über ein Mädel hermachen wollen, endet aber in einem feucht-fröhlichen Tanz und der Erkenntnis, dass die Dame entweder total Bock drauf hat, oder zumindest ihren Lebensunterhalt mit sowas verdient – schaut man sich die Kerle mal so aus der Nähe an, vermutlich eher letzteres.

Und mit dem Finale der Rahmenhandlung rutscht BLUTJUNGE VERFÜHRERINNEN sogar noch in die Meta-Ebene, als die Sekretärin des Chefredakteurs ihn unter einem Vorwand aus der Besprechung lockt und sich ganz im Stile der zuvor erzählten Sex-Geschichten ihrer Kleider entledigt – was dem Chefredakteur nur die lässige Erwiderung entlockt, dass die Hausfrauen-Geschichten doch gerade auslaufen, und die blutjungen Verführerinnen jetzt an der Reihe wären. Kino Poesie pur.

In diesem Sinne: "Wie soll man denn da seinen Body builden, wenn man ständig gestört wird?!"

Blutjunge Verführerinnen Bild 1
Blutjunge Verführerinnen Bild 2
Blutjunge Verführerinnen Bild 3
Blutjunge Verführerinnen Bild 4
FAZIT:

BLUTJUNGE VERFÜHRERINNEN ist ein unterhaltsames Sexfilmchen, im Stile der Reportfilme, aus der Feder des leider inzwischen verstorbenen Schmuddelfilm-Papstes Erwin C. Dietrich. Die einzelnen Episoden sind dabei von wechselnder Qualität, alle aber mindestens kurzweilig und teilweise sogar ganz ansprechend inszeniert. Von frivol über schmierig bis klamaukig ist so ziemlich alles dabei, um für 75 Minuten - fast unbeschwerte - Unterhaltung zu sorgen.

WERTUNG: 8 von 10 vorbeugenden Batteriewechseln.
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