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Cabin of the Dead

Cabin of the Dead

OT: Wither
HORROR: Schweden, 2012
Regie: Sonny Laguna, Tommy Wiklund
Darsteller: Patrik Almkvist, Lisa Henni, Amanda Renberg, Johannes Brost

STORY:

Wieder einmal fasst eine Gruppe junger Leute den fatalen Entschluss, das Wochenende in einer einsamen Waldhütte zu verbringen. Und wo so etwas stets endet - nämlich bei Zombies, Verhackstückungen und Blutwurst -, wissen wir spätestens seit dem TANZ DER TEUFEL...

KRITIK:

Bevor wir jedoch zur Review kommen, gibt's zum Frühstück erst einmal einen gesalzenen Anschiss für die Marketing- und Titelschmiedenabteilungen mancher deutscher DVD-Labels. Betreffend diese unsägliche Unart, dass man jeden Film, in dem nur annährend ein Zombie oder zombieähnlicher Dämon herumschlurft (oder auch nicht herumschlurft), seinen andersgelagerten Originaltitel stiehlt und durch eine abgedroschene Phrase mit einer "OF THE DEAD" oder "WALKING DEAD" oder "LIVING DEAD"-Endung ersetzt.

Dieser Zusatz war einst Markenzeichen der Romero'schen Zombiefilme und bürgte für eine gewisse Qualität. Bei der lustigen Zombiefilm-Hommage der Jungs um Edgar Wright, Simon Pegg und Nick Frost ging auch das SHAUN OF THE DEAD völlig in Ordnung, da ein wirklich witziges Wortspiel. Aber dann brachen alle "OF THE DEAD"-Dämme und die Titelschmiede titulierten munter skrupellos inflationär einfach jeden Untoten-Flick, egal ob mit Zombie, Dämon oder Vampir; egal ob erst-, zweit- oder letztklassig mit {Irgendwas} OF THE DEAD.

Und falls sich ein eigentlich guter, aber definitiv zombieloser Film wie etwa der Horrorwestern-Geheimtipp THE BURROWERS unter seinem Originaltitel nicht an den Mann bringen ließ, wurde er kurzerhand mit neuem Cover und neuem Titel als DAWN OF THE UNDEAD noch einmal auf den Markt geschmissen. Und nur so nebenbei: MESSIAS DES BÖSEN ist zwar ein garstig-schauriges Nightmare Movie, aber ganz sicher kein "Zombie-Schocker" wie es im Klappentext vorgegaukelt wird. Gnädigerweise hat man den MESSIAH OF EVIL allerdings nicht in einen MESSIAH OF THE DEAD oder gar einen MESSIAH OF THE NIGHT OF THE LIVING DEAD IN THE LAND OF THE DEAD FROM DUSK TILL DAWN OF THE DEAD umgetauft.

Jüngstes Opfer der Marketing-"Spezialisten" des Horrorfilm-Business wurde die vorliegende Independent-Splatterei WITHER (aka VITTRA) aus Schweden. Der Film, welcher 96 Minuten lang dem Raimi-Klassiker THE EVIL DEAD und dessen Remake Tribut zollt, ist nun äußerst phantasievoll als CABIN OF THE DEAD in den deutschen, österreichischen und schweizerischen Verkaufsregalen aufgetaucht. Ja, ja. Mission accomplished. Ich so doof wie jeder andere Horrorfilmfan auch bin im Saturn über die Blu-ray gestolpert und meine primitiven Hirnsynapsen haben bei diesem Titel natürlich sofort die Assoziation (THE) CABIN (IN THE WOODS) und (DAWN) OF THE DEAD hergestellt. Was mich natürlich umgehend den Geldbeutel zücken, die Scheibe ergreifen und zur Kasse spurten ließ.

Auch wenn ich die miesen Machenschaften der deutschen Titelschmiede längst durchschaut habe, bin ich eben doch ein hoffnungsloser Fall, ein Sklave meiner Triebe... Nur meine unerschütterlicher Liebe zum Zombie-/Dämonenflick und der übermächtige Eindruck des zuvor beim EVIL DEAD-Remake genossenen Vollblutbades verhinderten den Boykott. Weil langsam, aber sicher kotzen mich die vielen irgendwie unwürdigen "OF THE DEADs" auf den Cover-Rücken in meinem Filmregal donnergottmäßig an. Einerseits weil viel Müll dadurch subtil in Klassiker-Nähe gerückt wird, andererseits weil an sich brauchbare Filme (mit teils wirklich netten Originaltitel) zu plumpen Epigonenschrott degradiert werden.

Ich jedenfalls werde drei Kreuze an dem Tag machen, an dem den Filmtitelveramschern die Hauptworte ausgehen, die sie vor ein "OF THE DEAD" klatschen können...

So, Kamm zwar immer noch geschwollen, aber genug des Rapports. Kommen wir endlich zum Film:

Während das überraschend zünftige EVIL DEAD-Remake (zumindest Stand heute Anfang Juni und in Karlsruhe) seine Waldhütte immer noch vor Kinopublikum mit Hektolitern an Gore, Schleim und Kotze einsauen darf, stehen die kostengünstigeren Rip-Offs schon in den Startlöchern für den geneigten Heim(kino)werker.

WITHER (hierzulande mangels Phantasie und Fingerspitzengefühl CABIN OF THE DEAD genannt) hat 300.000 schwedische Kronen gekostet und wurde letzten Jahres im Land der Wikinger, des Göteborg-Death Metals und der coolen Retrorockbands abgedreht.

Die beiden Regisseure Tommy Wiklund und Sonny Laguna scheinen den originalen TANZ DER TEUFEL genauso zu mögen wie ich und haben augenscheinlich auch der Vorpremiere des Remakes beigewohnt. Déjà-Vu-Galore: Die Schweden haben außer Kettensäge und Necronomicon so ziemlich alles aus den Vorbildern übernommen, was nicht niet- und nagelfest gewesen ist. Abgelegenes Wochenenddomizil mitten im finsteren Wäldchen, Dämonenseuche, Zombies, Äxte und eine gehörige Buddel voll Gore.

Ein sehr viel preiswerterer, aber nicht unzünftiger EVIL DEAD-Ausflug, der dem Klassiker natürlich nie das Wasser (respektive das Buch der Toten) reichen kann, aber unter der großen Schar seiner Mit-Epigonen nicht die schlechteste Figur macht. Denn auch wenn alles nach den bekannten Schemata abläuft, entwickelt dieses kleine, schwedische Indie-Schlachtfest irgendwann nach der etwas zu lang geratenen Exposition seiner Klischeefiguren eine beachtliche Dynamik. Dann beginnt sich die Kompromisslosigkeit der ganzen Zombifizierungen sowie des anschließenden Hauen und Stechen und Kehlenaufbeißens auszuzahlen.

Für einen Film seines Budget-Rahmens kann WITHER durchaus ordentliche Dämonenmasken und amtliches Gekröse vorzeigen. Die schauspielerischen Leistungen sind natürlich nicht oscarreif, aber im Rahmen der Preisklasse durchaus akzeptabel und allesamt weit über dem Laienniveau, welches uns häufig in hiesigen Goreproduktionen begegnet.

Noch einmal zurück zum Goregehalt: Zwischen WITHER und dem ungleich heftiger spratzelnden EVIL DEAD-Remake liegen zwar mindestens zwei Kunstblut-Ozeane, aber es geht schon überraschend blutig und zeigefreudig zur Sache. Deshalb überrascht (und erfreut) zugleich, dass die FSK hier die sonst so locker sitzenden Schnittauflagen im Halfter gelassen hat. 

Cabin of the Dead Bild 1
Cabin of the Dead Bild 2
Cabin of the Dead Bild 3
Cabin of the Dead Bild 4
Cabin of the Dead Bild 5
Cabin of the Dead Bild 6
Cabin of the Dead Bild 7
FAZIT:

Schwedischer Independent-Horrorflick, der nicht ungorig (und überraschenderweise in deutschen Landen ungeschnitten) dem mächtigen TANZ DER TEUFEL die Ehre erweist und die Wartezeit bis zur Heimkinoauswertung des zünftigen EVIL DEAD-Remake angenehm verkürzt. Auch wenn das Budget lediglich 300.000 schwedische Kronen betrug; die Dämonenmasken gehen völlig in Ordnung und das Grobe-Rote ist amtlich und gegen Ende sogar zunehmend dynamisch und intensiv. Kann seinem großen Vorbild und dessen aktuellem Remake erwartungsgemäß zwar nicht das Wasser (bzw. die Kettensäge) reichen, macht aber unter den zahllosen EVIL DEAD-Epigonen sicherlich nicht die allerschlechteste Figur. 

WERTUNG: 6 von 10 abgerissenen Oberlippen
TEXT © Christian Ade
Dein Kommentar >>
a-l-e-x | 12.06.2013 09:20
He Christian, wenn du eh schon vor Wut kochst, dann leg ich doch
gerade noch einen drauf, schon "Zona Mrtvih" gesehen?

Besser bekannt als
"Apocalypse of the living Dead" oder "Zone of the Dead"

Rezept unter:
filmtipps.at/kritiken/Apocalypse_of_the_living_Dead/
Harald | 12.06.2013 10:20
Ok, Alex of the Dead, heute abend wird sie freigeschaltet. LG aus dem Totenreich, Harald
a-l-e-x | 12.06.2013 11:24
Lieber Harald of the Dead - mach dir bitte keinen Stress!
War wirklich keine Anspielung, sondern einfach nur sehr passend!

Aber ich muss schon sagen die exzessive Verwendung der "of the
Dead" Endungen hat was. Immer weiter so...
Chris | 12.06.2013 19:23
@ a-l-e-x
Nee, der fehlt mir noch in meiner Sammlung. Aber ansonsten ist
meine "OF THE DEAD"-Legion fast komplett. : ))
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Harald of the Dead | 12.06.2013 06:18
Hehe, heiliger Zorn. Aber berechtigt. Und schöne Review, btw.
Dead Chris | 12.06.2013 19:26
Heiliger Zorn wäre wohl etwas zu hoch gegriffen. Eher leichter Unmut.
Aber danke! : )
ghostdog | 11.11.2013 15:11
Dieser brutale Schwedenhappen ist eine echte Überraschung! Hier wird gesplattert, als gäbe es kein morgen. Mit relativ kleinem Budget und unbekannten Darstellern wurde hier ein Horrorfilm auf die Beine gestellt, der sich wirklich sehen lassen kann und die meisten internationalen Produktionen in Sachen grafischer Härte, Splatter & Gore locker in den Schatten stellt.

Sicher, die Story ist nahezu 1:1 identisch mit "Evil Dead",
anschauen sollte man "Cabin of the Dead" aber weniger, weil man eine neue, innovative Geschichte erwartet, sondern weil man eben einen Splatterfilm sehen will, der diesen Namen auch verdient.

"Cabin of the Dead" ist definitiv einer der härtesten und blutigsten Splatterfilme der letzten Jahre und hat mich kutzweilig und sehr blutig unterhalten! 8/10
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