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Das Boot: Staffel 1

Das Boot: Staffel 1

KRIEGSSERIE: D, 2018
Regie: Andreas Prochaska
Darsteller: Rick Okon, Vicky Krieps, Tom Wlaschiha, August Wittgenstein, Lizzy Caplan, Leonard Scheicher, Klaus Steinbacher, Thierry Frémont

STORY:

La Rochelle, Herbst 1942: Ein Jahr nach dem spektakulären Ende des Unterseebootes 96 läuft das U-Boot 612 zunächst zu einer ganz normalen Feindfahrt in den Atlantik aus. Kommandant ist Kapitänleutnant (Kaleu) Klaus Hoffmann, der mit U612 sein erstes Kommando bekommen hat. Dessen Vater war ebenfalls U-Boot-Kommandant, Kriegsheld und schrieb auch eine sehr berühmte U-Boot-Fibel. Die Mannschaft weiß das und nimmt an, dass Hoffmann nur aufgrund seines populären Vaters den Posten bekommen hat. Vor allem der 1WO (1. Wachoffizier, stellv. Kommandant) Oberleutnant Tennstedt, selbst erfahrener U-Boot-Fahrer, hatte auf ein eigenes Kommando spekuliert und ist von Hoffmann überhaupt nicht angetan. Die Situation zwischen beiden spannt sich auf See mehr und mehr an. Besonders, als das Boot zu einem Spezialauftrag abberufen wird, verhärten sich die Fronten an Bord.

Mittendrin ist Frank Strasser, der eigentlich Funker auf dem Festland ist und durch einen Zwischenfall überraschend auf U612 eingesetzt wird und seine Position zwischen den Fronten an Bord noch finden muss. Zur selben Zeit versucht Simone Strasser, Schwester von Frank, aufgewachsen zweisprachig im Elsaß, als Übersetzerin unauffällig ihren Dienst zu verrichten. Ihre anfängliche Loyalität dem deutschen Reich gegenüber wird sehr auf die Probe gestellt, als sie an die französische Résistance und somit immer weiter zwischen die Fronten gerät.

KRITIK:

Der Österreicher Andreas Prochaska (IN 3 TAGEN BIST DU TOT, DAS FINSTERE TAL) nimmt sich des Stoffes von Lothar-Günther Buchheim erneut an, seine beiden Bücher "Das Boot" und "Die Festung" fließen als Vorlage ein, und natürlich wird sich auch teilweise des schon verfilmten Stoffes in DAS BOOT bedient, allein das musikalische Hauptthema wurde etwas verändert übernommen. Inhaltliche Bezüge zum Film von Wolfgang Petersen gibt es keine, es werden weder Szenen wiederverwendet noch nachträglich Bezug auf die Handlung genommen, man muss also den Film von 1981 nicht gesehen haben. Alle Figuren sind komplett neu erschaffen worden.

Tom Wlaschiha, weltbekannt geworden durch seine Rolle in Game of Thrones, als Kriminalrat Forster und die Luxemburgerin Vicky Krieps (WER IST HANNA?) als Simone Strasser stechen in der Handlung in La Rochelle heraus. Ebenfalls Gegenspieler sind der Franzose Thierry Frémont als von der Naziregierung eingesetzter französischer Polizist Duval und die Amerikanerin Lizzy Caplan (CLOVERFIELD) als Kopf der Résistance. An Bord von U612 macht Rick Okon als Kaleu Hoffmann durchaus eine gute Figur, ebenso sein Widersacher August Wittgenstein als 1WO, für beide ist es die erste Hauptrolle in einer großen Serie. Zu erwähnen wäre noch Robert Stadlober, in D durchaus kein Unbekannter, in der hier etwas gewöhnungsbedürftigen Rolle als Smut und Sani zugleich, die zumindest postentechnisch im Gegensatz zum Vorgänger Neuland ist.

Der Trailer zur Serie DAS BOOT war für mich ein zweischneidiges Schwert: Auf der einen Seite war ich begeistert, dass es endlich eine Fortsetzung gibt, auf der anderen Seite erahnte ich schon im Trailer, dass mich die Serie wohl nicht so packen wird wie das Original, zu wenig überzeugten mich die gezeigten Szenen. Ich sollte aber nur teilweise Recht behalten.

Die Handlung spielt diesmal, im Gegensatz zum Filmvorgänger, an zwei Orten, nämlich im U-Boot 612 selbst und in La Rochelle. Die besseren Schauspieler und die bessere Handlung finden für mich in La Rochelle statt und die Ereignisse/Figuren sind dort einfach spannender. Durch die beiden Geschwister Frank und Vicky gibt es zwar eine Überschneidung, jedoch sind die Handlungen größtenteils unabhängiger voneinander.

An Bord von U612 mag keine richtige U-Boot Stimmung entstehen, dieses beklemmende Gefühl voll von engen Gängen, schweißigen Schlafkojen und zuvielen Männern auf einem Raum vermag nur der Kinofilm DAS BOOT richtig einzufangen. In der Serie hätte die Handlung genauso gut auf einem normalen Kriegsschiff stattfinden können, richtige Klaustrophobie kommt nicht auf, selbst als Wasserbomben zum Einsatz kommen, wartete ich lieber wie es mit Forster und Simone Strasser weitergeht, auch die richtig harten und teilweise verstörenden Szenen kommen in La Rochelle und nicht an Bord vor.

Die Serie Das Boot ist zwar kein Remake des gleichnamigen Filmes, trotzdem kommt man an manchen Stellen nicht um einen Vergleich rum. Ginge es nur um die Geschehnisse auf U612, würde ich eine erneute Sichtung des Kinofilmes um U96 vorziehen, die eigentlich zweitrangige Handlung in Frankreich bringt neuen Wind und unverbrauchten Stoff rein und macht einiges an Boden wieder gut. Bitte nicht falsch verstehen, die Geschichte um U612 und seine Besatzung ist durchaus interessant, etwas minimalistischer und intensiver wäre durchaus gut gewesen, manche Besatzungsmitglieder wie der LI (Leitender Ingenieur im Range eines Oberleutnant) und der 2WO (2. Wachoffizier im Range eines Leutnant) bleiben komplett blass, beide Posten wurden im Film wesentlich besser dargestellt. Dass einige Figuren die Staffel nicht überleben, ist in einer Kriegsserie auch wenig verwunderlich, und vermag zumindest dramaturgisch nichts zu retten.

Was ich etwas schade fand: Die Serie ist von Anfang bis Ende sehr ernst, gelacht wird kaum bis gar nicht, im Gegensatz zum Original, wo allein der 2WO auf einige Lacher kam. Geschadet hat das der Stimmung des Filmes damals nicht. Auch der nicht vorhandene Bezug zu U96 stößt wohl nicht überall auf Gegenliebe bei Fans, man wollte sicher etwas total Eigenständiges schaffen, was durchaus verständlich ist.

Das Boot: Staffel 1 Bild 1
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FAZIT:

Die Serie DAS BOOT braucht ein paar Folgen, um in Schwung zu kommen, auch um erst die ganzen Figuren einzuführen braucht es Zeit. Wirklich fesselnd ist sie erst ab der 3.-4. Folge. Eine gute Bes(a/e)tzung, ein packendes Kriegsdrama, dazu die alten Klänge von Klaus Doldinger, Sky hat hier wirklich einiges, wenn auch nicht alles richtig gemacht. Ich jedenfalls warte gespannt auf die 2. Staffel!

WERTUNG: 7 von 10 Geschichten vom Smut
Gastreview von Dominik Schreiter
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