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Der Elefantenmensch

Der Elefantenmensch

DRAMA: GB, 1980
Regie: David Lynch
Darsteller: John Hurt, Anthony Hopkins, Anne Bancroft, John Gielgud

STORY:England in den 80ern des 19. Jahrhunderts. Der krankheitsbedingt schwer am gesamten Körper verunstaltete John Merrick ist die Jahrmarktsensation des geldgierigen "Bytes" (Freddie Jones), der sein Anschauungsobjekt wie einen Sklaven hält. Eines Tages kommt der Arzt Frederick Treves (Anthony Hopkins) zu Besuch und lässt Merrick aufgrund einer Bronchitis in seine Klinik einliefern. Treves versucht Merrick in ein normales Leben zurückzuführen, ihm Mut zu machen, trotz seiner körperlichen Schäden und extremen Entstellungen, am öffentlichen Leben teilzunehmen. Jedoch haben einige Personen ganz andere Pläne mit dem Patienten...
KRITIK:

Der Elefantenmensch von David Lynch mag zwar aus heutiger Sicht technisch betrachtet etwas antiquiert wirken, hat jedoch nichts von seiner Faszination, sowie Aktualität bezogen auf das aufgearbeitete Thema verloren.

In vielerlei Hinsicht handelt es sich hierbei um einen durchaus bemerkenswerten Film. Zum einen weil es jene Arbeit ist die David Lynch in Folge nach Hollywood brachte. Zum anderen weil Produzent Mel Brooks zum ersten mal richtig zeigen konnte, dass er mehr als bloß ein talentierter Spaßvogel war. Und nicht zu vergessen die gerade eben erst angehenden Karrieren von Anthony Hopkins sowie John Hurt.

Der Elefantenmensch handelt von einer wahren Geschichte. Tatsächlich war John Merrick existent und tatsächlich waren seine körperlichen Deformationen so groß, dass er beispielsweise aufgrund des Umfanges seines Kopfes nicht auf dem Rücken schlafen konnte, da er ansonsten erstickt wäre.

Dieser Umstand wird auch von Lynch im Film thematisiert und lässt den Zuseher umso mehr am Schicksal des John Merrick teilhaben. Dieser ist von seinem Wesen her ein unglaublich bescheidener, stets höflicher Mensch, welcher sich nichts sehnlicher wünscht als von seiner Umwelt wie ein Mensch und eben nicht wie eine Jahrmarktsensation behandelt zu werden.

Und wie es auch im richtigen Leben ist, gibt es nun Menschen wie Treves welche Merrick dabei behilflich sind sein Leben zu meistern. Und eben auch Menschen der anderen Sorte, für die Merrick nichts weiter als ein seelenloses Monster ist aus dem sich Kapital schlagen lässt. (Manchmal im wahrsten Sinne des Wortes).

Das Faszinierende an Lynchs kleinem Meisterwerk ist die Parallele zur heutigen Zeit. Sind es heute keine Elefantenmenschen mehr, dann schon eher Menschen anderer Herkunft, Religionszugehörigkeit oder generell Andersdenkende welche unter so manch primitiven Pöbel zu leiden haben...

Der Name "Elefantenmensch" kommt von der Vermutung der Ärzte, wonach Merricks Mutter in der Schwangerschaft von einem wilden Elefanten attackiert und schwer verletzt wurde, worauf die körperlichen Deformationen zurückgeführt wurden.

Wie auch im Film, wurde der echte John Merrick im London Hospital behandelt, wo er schließlich auch verstarb... Freiwillig so wie es aussah, denn Merrick wurde am Rücken liegend aufgefunden. Diese Bereitschaft, nach dem Erlangen von ein bisschen Menschlichkeit und dem inneren Wunsch wie ein gewöhnlicher Mensch im Bett zu schlafen, in den Tod zu gehen und glücklich zu sterben, wurde von Lynch mit sehr viel Sensibilität inszeniert, ohne auch nur einen Moment in einen falschen, oder gar peinlichen Pathos zu verfallen.

Darüber hinaus sei neben John Hurt auch auf die schauspielerischen Leistungen der anderen Darsteller hingewiesen. Anthony Hopkins ist hier meiner Ansicht nach in seiner wohl besten Rolle zu sehen (und ja ich ahne schon viele werden wohl jetzt nach Das Schweigen der Lämmer schreien) , aber auch Anne Bancroft als rührende Operndiva besticht durchaus.

Die Kameraarbeit ist sehr solide, die Schnitte auf den verunstalteten Merrick zunächst etwas kurz gehalten, erst mit fortschreitender Handlung etwas länger, was wohl damit zu tun hat, dass Lynch dem Zuseher kaum Zeit geben möchte sich von der zunächst erschreckend wirkenden Gestalt von Merrick einvernehmen zu lassen.

Psychologisch betrachtet tut er damit (bei einem großen Teil der Zuseher) wahrscheinlich auch gut, denn die Maskenbildner haben für damalige Verhältnisse wirklich ganze Arbeit geleistet. Angeblich soll es sich bei der Maske übrigens sogar um den Original Gipsabdruck von John Merricks Kopf handeln. Was letztendlich von der Titelfigur bleibt ist der pure Mensch, welcher trotz seiner Entstellung menschlicher geblieben ist als alle anderen.

Der Elefantenmensch Bild 1
Der Elefantenmensch Bild 2
Der Elefantenmensch Bild 3
Der Elefantenmensch Bild 4
Der Elefantenmensch Bild 5
FAZIT:

Der Elefantenmensch ist das prominent besetzte, einfühlsame Portrait eines Menschen mit besonders schwerem Schicksal. Lynchs Film bietet viele Parallelen zur heutigen Zeit und zeigt in einfühlsam inszenierten Szenen, dass "Mensch sein" nichts mit Äußerlichkeiten zu tun haben muss.

WERTUNG: 9/10
TEXT © Bernhard König
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Dein Kommentar >>
tukstar | 05.12.2007 13:58
Endlich mal eine Kritik zu diesem doch wirklich wichtigen, guten Film!
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