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Der Fan

Der Fan

DEUTSCHPLOITATION: DEUTSCHLAND, 1982
Regie: Eckhart Schmidt
Darsteller: Désirée Nosbusch, Bodo Steiger, Simone Brahmann, Jonas Vischer

STORY:

Die Schülerin Simone ist nicht nur ein Fan des Neue Deutsche Welle-Star "R"; nein, sie vergöttert den Musiker und erklärt ihn zu ihrem einzigen Lebensinhalt. Vor einem Fernsehstudio trifft sie den Star endlich persönlich. Der sieht in dem Mädchen nur ein weiteres Groupie und nimmt es für den schnellen Fick mit nach Hause. Danach will er sie abservieren - was sich als fataler Fehler erweist! Denn Simone will "R" nicht nur für eine Nacht, sondern für immer...…-

KRITIK:

Seinerzeit 1982 hat DER FAN von Bild bis Spiegel für mächtigen Medienrummel gesorgt. Hauptdarstellerin Désirée Nosbusch hätte ihre Nacktszenen gerne unscharf oder besser überhaupt nicht gesehen und zog deshalb vor Gericht. Die Richter -pro nudity, contra Weichzeichner- schmetterten die Klage ab und Eckhart Schmidt durfte die nackte Désirée ganz legitim weiter in voller Bildschärfe zeigen. Ja, und dann war da noch die Sache mit dem Kannibalismus...…

Trotz aller Bedenken hat dies alles Nosbuschs Karriere nicht geschadet. Zwei Jahre nach dem FAN durfte sie den Grand Prix d`Eurovision de la Chanson moderieren und Deutschland ist sein kleiner, fieser Skandalfilm  in ungeschnittener Form erhalten geblieben. Patt und alle glücklich!

Gehen wir ans Tiefgefrorene: DER FAN von Eckhart ("Loft - Die neue Saat der Gewalt") Schmidt also. Ein eigentümlicher, garstiger Arthaus-Exploiter, der auch international Beachtung gefunden hat. Im britischen "DVD Delirium" vergleicht man DER FAN mit NEKROMANTIK 2 und einmal gar mit Takashi Miikes AUDITION. Zwar ist DER FAN bei weitem nicht so explizit und graphisch wie die genannten Filme, aber die Vergleiche hinken trotzdem nicht. Insbesonders in der letzten halben Stunde beschwören Schmidt und Nosbusch eine ähnlich kranke Atmosphäre herauf wie Buttgereit sie ein paar Jahre später noch extremer in seinen größten Taburüttlern kreieren wird.

Doch zunächst zeigt sich DER FAN im Gewand eines eisgekühlten Teenage Angst-Flicks, der minutiös alle Eskalationsstufen eines aus dem Ruder laufenden Starkults beschreibt. Die Psychokeule droht zwar schon vorher, aber sie wird erst gegen Ende ausgepackt. Was den Film wohl für all diejenigen disqualifiziert, die ihr Heimkino auf 4 bpm (Bodies per Minute) laufen haben. Geduldigeren Menschen kann'’s egal sein. Die bekommen einen Film geboten, der sich eine ausführliche, nüchterne, aber auch beklemmende Exposition seiner schwer gestörten Hauptfigur gönnt; die langsam, aber unaufhaltsam auf den einen makabren Höhepunkt zu kriecht.

Diese alptraumhafte Klimax wird im verstörenden Schlussdrittel dann aber regelrecht ausgekostet. Es wird minutenlang in einem psychotischen Szenario geschwelgt, das zwar vieles bei der Andeutung belässt, aber sich auch ohne Goregekübel einbrennt. Wenn in ruhigen, kalten Bildern die damals siebzehnjährige Désirée Nosbusch als nackte Kannibalin Blut von der Klinge eines elektrischen Küchenmessers leckt und Körperteile zu den Karotten in die Tiefkühltruhe packt, geht das auch so unter die Haut.

Und das sind die Momente, in denen die nicht unumstrittene Désirée Nosbusch über sich hinaus wächst. Überhaupt sollte man die Leistung der damals blutjungen Luxemburgerin nicht unterschätzen. Schließlich muss sie den Film quasi im Alleingang tragen. Zum einen, weil ihre Figur Dreh- und Angelpunkt der Handlung ist; zum anderen, weil sie von ihren schauspielernden Kolleginnen und Kollegen so ziemlich im Stich gelassen wird. Mit Abstrichen ist der Musiker Bodo Steiger, der den "R" darstellt, noch akzeptabel, doch alle anderen Mitwirkenden spielen derart laienhaft, dass sie mehr an Komparsen denn an echte Schauspieler erinnern.

Was übrigens auch die einstige Gefangene der TODESGÖTTIN DES LIEBESCAMPS Simone Brahmann mit einschließt, die als R’'s Sekretärin zu sehen ist und nur in ihrer kurzen Oben ohne-Szene zu überzeugen weiß. So ist es auch Nosbuschs Verdienst, dass die vielen unprofessionellen Darsteller den Film nicht ruinieren. Gerade weil sie ihre breit angelegte Schlüsselrolle intensiv spielt, kann sie den Film alleine tragen.

Doch DER FAN punktet auch mit seiner eigentümlichen Atmosphäre. Die ist vor allem das Resultat von Schmidts kühler wie nüchterner Inszenierung und der starken Einbindung der damals so angesagten Neuen Deutschen Welle mit deren Musikern, Melodien und Moden. Letztere wiederum zwingt die weniger Aufgeschlossenen dazu, sich mit gewöhnungsbedürftigen Menschen, Liedern und Frisuren auseinanderzusetzen. Das dürfte Leuten, die nicht in der Ära der Vokuhila aufgewachsenen sind, deutlich schwerer fallen als jenen die seinerzeit das Grauen einer Scheißfrisur am eigenen Kopf ertragen mussten.

Da der Verfasser dieser Zeilen jedoch kaum einen Zeitgeist vergangener Epochen fürchtet, ein angeborenes Herz für umstrittene Filmkost hat und es überhaupt viel zu wenig bemerkenswerte deutsche Exploitation gibt, halte ich in diesem Fall eine 7 (die sehenswert meint) für absolut angemessen. Und, liebe Freunde, falls euch der Film nicht zusagen sollte, könnt ihr mir das gerne schreiben, aber wenn jetzt einer kommt und die Ruhe dieser behaglichen Deutschploitation-Review mit etwas wie "INCEPTION, 7 Punkte und wie kann er nur?" stört, der kann sich alsbald die Karotten in meiner Tiefkühltruhe von unten ansehen!
See me twinkle & in diesem Sinne: "Ich werde dich wieder auf die Welt bringen!"

Der Fan Bild 1
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FAZIT:

Liebe und Starkult gehen eben doch durch den Magen! - Die Nacktszenen der damals blutjungen Désirée Nosbusch sorgten seinerzeit für Aufruhr und das verstörende Schlussdrittel zeigt heute noch Wirkung. Außerdem zählt DER FAN zu den wenigen Exponaten deutscher Exploitation, die sich auch im Ausland ein bisschen berüchtigt machen durften. Da der Prophet im eigenen Land nichts zählt, schätzt man Eckhart Schmidts kleinen Fiesling hierzulande weniger als in Übersee. Doch Désirée Nosbusch mimt überzeugend das psychotische Fangirlie und die Mischung aus Neue Deutsche Welle, Teenage Angst, Horrordrama und Tabubruch ist obsessiv, bizarr und sonderbar genug, um ein geneigtes Auge zu riskieren und über die abseits der Hauptdarstellerin auftretenden schauspielerischen Defizite gnädig hinwegzusehen.

WERTUNG: 7 von 10 TV-Auftritten bei Blacky Fuchsberger
TEXT © Christian Ade
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Dein Kommentar >>
Bernhard | 07.09.2010 17:39
Tolle Review und ein göttlicher letzter Absatz ;)
Chris | 07.09.2010 18:22
Vielen Dank! : )
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