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Eiskalte Engel

Eiskalte Engel

OT: Cruel Intentions
THRILLER: USA, 1999
Regie: Roger Kumble
Darsteller: Sarah Michelle Gellar, Ryan Phillippe, Reese Witherspoon, Selma Blair

STORY:

Basierend auf dem Roman Gefährliche Liebschaften von Pierre-Ambroise-François Choderlos de Laclos, erzählt EISKALTE ENGEL die Geschichte zweier durchtriebener Stiefgeschwister, die das Leben ihrer Mitmenschen zerstören wollen. Ihre bevorzugte Waffe - Sex. Dabei geraten sie in ein, mitunter gefährliches, Spiel der Intrigen.

KRITIK:

Ich greife jetzt einfach mal etwas vor und sage: Ja, EISKALTE ENGEL ist ein sehr guter Film. Aber ist das Wirklich der Grund warum wir uns den damals angesehen haben? Nee, nicht wirklich. Wenn wir ehrlich sind, haben wir uns den Film damals angesehen, weil Selma Blair und Sarah Michelle Gellar intensiv Mundhöhlenforschung mit ihren Zungen betrieben haben. Damals – anno 1999/2000 – war das noch ein kleiner Aufreger und etwas Besonderes. Daher hatte ich mir auch gleich das Video von meiner Schwester geliehen, nachdem ich von dem Film erfahren hatte.

Schon damals hatte mir EISKALTE ENGEL als spannend inszenierter Thriller an sich gefallen – die Kuss-Szene war quasi die Kirsche auf der Schlagsahne –, auch wenn ich mich kaum mit verzogenen, soziopathischen Teenies der Upper East Side identifizieren konnte. Ich hatte den Film bis vor kurzem gut 16 Jahre lang nicht mehr gesehen, und muss nach dem erneuten Vergnügen den Film zu sehen feststellen, dass ich mich immer noch nicht mit verzogenen, soziopathischen Teenies der Upper East Side identifizieren kann. Wenig verwunderlich.

Umso verwunderlicher ist es, wie gut EISKALTE ENGEL immer noch funktioniert. Klar, seine Herkunft aus den 90ern sieht man ihm gnadenlos an – allein schon die Handys und Computer verraten das Jahrzehnt. Dazu kommt eine gewisse 90er-Atomsphäre, die viele dieser „Teenie-Filme“ damals hatten – ICH WEISS WAS DU LETZTEN SOMMER GETAN HAST fühlt sich, für mich zumindest, von der Stimmung her genauso an. EISKALTE ENGEL ist sehr zeitgeistig – Sebastians Tagebuch und die Enthüllungen würden heutzutage vermutlich in 140 Zeichen auf Zwitscher geteilt werden, nicht im Ringhefter auf dem Schulhof.

Aber das alles steht niemals vor der Handlung und den Figuren, weswegen EISKALTE ENGEL seine Wirkung auch heute noch voll entfalten kann. Ich denke, es ist ein großer Vorteil, dass sich wohl die meisten von uns nicht mit den Problemen dieser Jugendlichen identifizieren können, was sowieso für eine gewisse Distanz sorgt. Ich möchte gar meinen, dass die Figuren einem nicht viel näher erscheinen, als jene in den vorlagengetreuen Umsetzungen, die vor mehr als zwei Jahrhunderten spielen.

Trotz dieser Distanz fesselt das verworrene Spiel der Intrigen, das sich um Kathryn und Sebastian entspinnt. Die Kaltschnäuzigkeit und Boshaftigkeit, mit der diese beiden ihre Umwelt manipulieren ist erschütternd und faszinierend zugleich. Es verwundert wenig, dass Regisseur Kumble, der inzwischen ins Fernsehfach gewechselt ist, für die Serie PRETTY LITTLE LIARS die perfiden Psychospielchen von A in Szene setzt.

Der große Twist am Ende ist solide gewerkelt und schlüssig – wenn auch kaum ein Kinnladenrunterklapper wie bei WILD THINGS – und plötzlich wird einem klar, dass man trotz der ganzen Arschlöcher die sich in diesem Film  tummeln für das ein oder andere davon doch Mitgefühl entwickelt hat – clever gemacht, Mr. Kumble.

Dabei brilliert Kumbles EISKALTE ENGEL, neben der gelungenen Handlungsführung, vor allem noch mit zwei Dingen – den ausgezeichneten Schauspielern und dem gelungen Soundtrack. Bis in die Nebenrollen ist EISKALTE ENGEL sehr passend und gelungen besetzt. Bei den Hauptdarstellern spielen Ryan Philippe und Sarah Michelle Gellar sehr überzeugend und Gellar sticht besonders heraus – sie ist zu jeder Zeit das intrigante, miese Biest mit den lockenden Reizen. Und dennoch – alle an die Wand spielt Selma Blair mit ihrer naiv-kindlichen Darbietung der Cecile. Und das obwohl sie während der Dreharbeiten einige Jahre älter war als die anderen Schauspieler, die ältere Figuren verkörperten.

Ich habe es eben schon angesprochen –  der Soundtrack von EISKALTE ENGEL ist super, auch wieder sehr in seiner Zeit verhaftet und bietet die volle Dröhnung 90er Popmusik. Fein ausgesucht und zusammengestellt, erzeugt er eine Atmosphäre die auch heute noch wirkt – gerade wenn am Ende die Klänge von Bittersweet Symphony erklingen.

In diesem Sinne: "E-Mails sind was für Verklemmte und Pädophile!"

Eiskalte Engel Bild 1
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FAZIT:

EISKALTE ENGEL ist eine clever inszenierte, exzellent gespielte und mit einem geschickt zusammengestellten Soundtrack unterlegte Tragödie im Gewand eines spannenden Teenie-Thrillers, die bis zum letzten Ende die Tragik seiner Figuren greifbar macht. Und das obwohl es sehr schwer fällt überhaupt eine Nähe oder gar Verständnis und Mitgefühl für die verkommenen Figuren aufzubauen. Zu fern sind diese enthobenen Soziopathen und ihre unwirkliche Glitzerwelt der Reichen – in der nichts glitzert. Stattdessen beherrscht Tristesse ihre traurigen, verkommenen Leben.

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Dein Kommentar >>
Marcel | 14.09.2016 23:05
Jawoll! Das war der Film, der meine Vorurteile über Teeniefilme aufgeräumt hat. Was für ein freches, ja geradezu subversives Teil. Dagegen sind alle anderen Verfilmungen von Gefährliche Liebschaften gerade zu musterschülerhaft brav.

Der Landsitz ist übrigens auch der Landsitz von James Mason in "Der unsichtbare Dritte" - und damit punktet jeder Film bei mir.
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