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Frankenstein's Army

Frankenstein's Army

HORROR: NL, USA, CZ, 2013
Regie: Richard Raaphorst
Darsteller: Joshua Sasse, Luke Newberry, Karel Roden, Alexander Mercury

STORY:

1945, kurz vor Ende des 2. Weltkrieges: Der Untergang des Deutschen Reiches steht kurz bevor, als ein kleiner russischer Aufklärungstrupp ins Feindesland eindringt. Die wenigen verbliebenen deutschen Stellungen sind schnell überwunden und so scheint sicher, dass die mitgeführte Kamera nichts anderes als den Sieg über die Nazis für Genosse Stalin und Mütterchen Russland dokumentieren wird. Doch sicher ist nur der Tod. Zwar wird Hitler tatsächlich besiegt, doch für unsere russischen Soldaten hält der Krieg noch einen ganz besonderen Alptraum in der Hinterhand. Ein Funkspruch lockt die Spezialeinheit in eine unheimliche Bunkeranlage, wo sie schon von FRANKENSTEIN'S ARMY erwartet wird...

KRITIK:

Der Nazi-Zombie ist nicht totzukriegen. Und das obwohl ihn schon Legenden wie Jean Rollin oder Jess Franco verzweifelt in die ewigen Jagdgründe zu dilettantieren versuchten. Fragt mal den geschätzten Kollegen Marcel nach der OASE DER ZOMBIES oder werft mal einen Blick in Rollins ZOMBIE LAKE, wo untote Wehrmachtssoldaten an den Gestaden eines französischen Baggersees barbusige Weiher-Nymphen terrorisieren... - Must be seen to be believed.

Erinnert ihr euch mit Grausen oder einem dicken Schmunzeln an die Sonnen(taucher)brillen der arisch-blonden Unterwasserzombies aus Cushings Klonfabrik in SHOCK WAVES - DIE AUS DER TIEFE KAMEN? Und gehört ihr auch zu den gerade mal knapp hundert Hanseln, die laut der Ofdb BLOOD CREEK gesehen haben? Jenem Film, in welchem der einst ehrenwerte Joel Schumacher im eisigen Karrierewinter Nazi-Nekromanten und Zombiepferde auf die Menschheit loslassen musste.

Vielleicht ist der kleine, norwegische Überraschungshit DEAD SNOW tatsächlich der bis dato beste Nazi-Zombie-Film; zumindest stellte er für seinen Regisseur Tommy Wirkola das Sprungbrett dar, welches diesen unlängst aus dem hohen Norden direkt nach Hollywood auf den Regiestuhl von HÄNSEL UND GRETEL HEXENJÄGER befördert hat. (Und ja, ich fand DEAD SNOW auch ganz lustig.)

Mit weit weniger Humor, einem vergleichbar überschaubaren Budget, doch mit mehr Phantasie in Sachen Creature-Design geht der neue Usurpator an der Nazi-Zombie-Front zu Werke.

Dabei rüttelt die hauptsächlich unter niederländischem Kommando stehende FRANKENSTEIN'S ARMY nicht nur an DEAD SNOW's Nazi-Zombie-Thron, sondern entpuppt sich auch als frische Brise im Bereich jener Horrorfilme, die auf das in letzter Zeit doch etwas überstrapazierte Found Footage-Prinzip setzen.

Handcam-Horrorfilme, die mit weit aufgerissenen, wackligen Kameraugen ihre Alpträume so (pseudo-)realistisch wie möglich an den Mann bringen wollen, gibt's mittlerweile viele. Und viele nerven. Doch manche Geschichten sind wie geschaffen für diese Methode. Ihr wollt Namen? [REC] fällt mir ein. Und TROLL HUNTER. Kürzlich der äußerst interessant gemachte V/H/S und aus der Pionierzeit natürlich die entsprechenden Passagen aus CANNIBAL HOLOCAUST. Auch FRANKENSTEIN'S ARMY steht das Found-Footage-Gewand. Es passt nicht nur inhaltlich, sondern wird auch recht effektiv eingesetzt.

Als eine kleiner russischer Aufklärungstrupp ins deutsche Feindesland vordringt, ist die Kamera immer dabei und läuft. Wir sind mittendrin, wenn verheerte Wälder und entvölkerte Dörfer durchquert werden. Oder beim Brandschatzen abgeschiedener Bauernhöfe. Was mitunter überraschend grimmige Momente generiert.

Dann ein Funkspruch. Es geht in eine unheimliche Bunkeranlage, die sich als Frankensteins weitläufige Monsterfabrik entpuppt. Die Inszenierung gleicht nun einer Geisterbahnfahrt. Oder einer Betriebsbesichtigung bei Willy Wonka. Nur sind wir hier bei Frankenstein und es gibt Leichenschlacke anstatt der Schokolade.

Aus jeder dunklen Ecke springen nun die bizarren Schöpfungen eines kranken Geistes. Sie attackieren sofort, sei es in engen Korridoren oder geräumigen Leichenhallen. Zwischen krudem Trash und echtem Grauen, unfreiwilliger Komik und monströser Genialität schwankt das Geschehen nun im Sekundentakt. Zombies, Roboter, Hakenkreuzbinden. Man fühlt sich manchmal in ein Videospiel der Marke Doom, Silent Hill oder Wolfenstein versetzt. Mit ähnlichem Blutzoll. Für so manchen Russen, aber auch ihren mitgeführten deutschen Gefangenen heißt es alsbald Game Over.

Es geht durch immer groteskere Areale mit immer absurderen Mutanten; bis man am Ende durch einen Blutbach gewatet und einen Leichenberg in Mount Everest-Größe erklommen hat und vor des wahnsinnigen Doktors Hauptlabor steht.

Was folgt ist der letzte Akt. Inklusive einer blutigen Lektion in Gehirnchirurgie.

Nein. Ein wirklicher Klassiker ist Regisseur Raaphorst nicht gelungen. Die handelnden menschlichen Figuren sind lediglich Kanonenfutter; zu keiner Zeit bekommt der Zuschauer einen Draht zu ihnen. Und letzten Endes ist der Film öfters krude als virtuos inszeniert, was natürlich auch der Handkamera-Optik und generell den nicht unbegrenzten Möglichkeiten eines überschaubaren Budgets geschuldet sein dürfte. Dennoch hat FRANKENSTEIN'S ARMY verdammt viele gute Ansätze. Und einige gelungene Schocks und Whatthefucks in petto.

Was mich an FRANKENSTEIN'S ARMY am meisten begeistert, ist, dass hier mal einer nicht nur mit ollen Zombies, maskierten Killern oder mit einer anderen hundertfach bemühten Horrorfilmfigur aufwartet, sondern die Phantasie hat spielen lassen. Auch wenn die Wesen oftmals recht grobschlächtig wirken, sind da doch einige herrlich groteske Augenweiden darunter. So mancher Soldat aus Frankensteins Retorte könnte auch aus dem Pandämonium eines Clive (HELLRAISER) Barker stammen. Oder aus der bizarren Menschmaschinenfabrik eines frühen Shin'ya (BODY HAMMER) Tsukamoto.

Da ist ein Niederländer -nämlich Spielfilmdebütant Richard Raaphorst- nach Tschechien gereist, hat eine alte Fabrikhalle gemietet, sie zu einem mechanisch-morbiden Leichenpalast umdekoriert und sie mit allerlei aus Leichen- und Metallteilen zusammengebastelten Monstrositäten bevölkert. Das ist nicht nur grotesk, sondern auch äußerst memorabel. Es gibt viel zu entdecken in der Nazizombie-Geisterbahn des Dr. Frankenstein; respektive in den düsteren Winkeln von Raaphorsts Schöpfungsgeist: Creature Design der denkwürdigen Art. Zombot-Freakshow mit Sahne. Und viel rote Soße...

Frankenstein's Army Bild 1
Frankenstein's Army Bild 2
Frankenstein's Army Bild 3
Frankenstein's Army Bild 4
Frankenstein's Army Bild 5
FAZIT:

Man exhumiere einen Found Footage-Leichnam aus seinem Innovationsgrab, peppelt ihn mit Frankenstein'scher Kreativität und pervertierten Technikverständnis auf, in dem man hier ein Gliedmaß mit einem Stachel, einer Säge oder einem Bohrer ersetzt und dort mal ein Leichenteil mit rotierenden Klingen pimpt. Dann haucht man dem grobschlächtigen Ding mit dem fauligen Odem eines Nazi-Zombieveteranen neues, untotes Leben ein. Erheben wird sich die etwas unentschieden zwischen krudem Trash und echter Grimmigkeit schwankende FRANKENSTEIN'S ARMY, die vielleicht nicht die Weltherrschaft übernehmen wird, aber eines ganz sicher im Sturmgepäck hat: Ein ganzes Arsenal an frischen, bizarren Monsterkreationen.

In diesem Sinne: "Nur die Nazis können sich so etwas ausdenken: Zusammengeflickte Leichen, mit Messern anstatt Händen..."

WERTUNG: 7 von 10 gut haftenden Schädeldecken
TEXT © Christian Ade
Dein Kommentar >>
ghostdog | 02.06.2014 08:38
Es gibt nur ganz wenige Filme, die nach dem Erwerb und folgendem Sichten nicht ins heimische DVD-Regal gestellt werden, sondern in den "Einmal-und-nie-wieder"-Schrank wandern. Dort liegen die DVDs und Blurays, die so wahnsinnig schlecht sind, daß ich sie einfach nicht mehr sehen will und kann.

Auf der nächsten Börse wird "Frankenstein´s Army", den ich mir aufgrund des ansprechenden Covers und der relativ guten ofdb-Reviews blind auf BD gekauft habe, für nen Zwickel oder so verramscht.

Der Film ist unterste Güte, schlechter als der übelste Amateurschundfilm, mit sagenhaft miesen FX, einer unsäglich nervigen Wackelkamera (okay, Found-Footage war noch nnie mein Ding!), einer einfallslosen Story und total unbegabten Darstellern. Daß sich Karel Roden für sowas hergibt, wundert mich eigentlich.

Zum Schluß der zähen 80 Min. war ich einfach nur froh, daß der Mist ein Ende hatte. Schade umd die 8,99, die ich für den Dreck ausgegeben habe!
1/10
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Fedi | 09.09.2013 08:42
Und aus welchen Gründen auch immer nicht auf dem
/slash 2013. Dann halt so.
>> antworten
Mindripper | 07.09.2013 22:57
Der Film, auf den ich mich am meisten freue ihn anzusehen. Die Monster, Kreationen aus Fleisch und Metall, strahlen für einen Body-Horror und Tetsuo: The Iron Man Fan wie mich eine morbide 'Schönheit' aus , vor allem die Kreatur auf den Stelzen mit langem Mantel und Gasmaske, die ist wirklich eine Kombination aus Dingen die ich mag. Ich hoffe auch dass meine lokale Videothek Poster vom Film anbietet, da das Coverartwork eines der schönsten ist, dass ich seit langer Zeit gesehen habe.
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