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Free Fire

Free Fire

PSYCHEDELISCHE ACTIONRANDALE: GB, 2016
Regie: Ben Wheatley
Darsteller: Brie Larson, Sam Riley, Cillian Murphy, Sharlto Copley, Michael Smiley

STORY:

Eine irische Gangstergruppe trifft die Waffenhändler ihres fehlenden Vertrauens in einer aufgelassenen Lagerhalle. Die raffinierte Justine (Brie Larson) hat den Deal eingefädelt. Zwischen den beiden Parteien gibt es gröbere geschäftliche und persönliche Differenzen. Die Lage eskaliert. Der Deal platzt. Die Waffen werden nicht verkauft, sondern gleich an Ort und Stelle eingesetzt ...

KRITIK:

Nach der (für meinen Geschmack) grandiosen Retro-Sci-Fi-Groteske HIGH-RISE entführt uns Regisseur Ben Wheatley abermals in die wilden Siebziger. Die Pornoschnauzer, Sonnenbrillen und bunten Glockenhosen sitzen fast so gut wie kürzlich im lässigen THE NICE GUYS. Doch "nett" ist hier niemand, die Atmospäre ist angespannt, man traut einander nicht, tauscht zunehmend kreativere Beleidigungen aus. Es wird nicht lange dauern, bis die Frisuren zerstört, die Schulterpolster durchlöchert sind und unsere Gangsterfreunde blutüberströmt im Staub liegen.

Schießwütige Gangster. Ein isolierter Schauplatz. Und kein Entkommen. Man liegt nicht gänzlich falsch, wenn man sich bei FREE FIRE, den übrigens niemand Geringerer als Martin Scorsese koproduziert hat, an ein Frühwerk eines gewissen Herrn Tarantino erinnert fühlt.

Wobei man dazusagen muss: Es ist immer noch ein Ben Wheatley-Film. Der gänzlich unberechenbare britsche Filmemacher, der gerne grimmigen Sozialrealismus mit blankem Horror kollidieren lässt - ich sage nur: KILL LIST - mag seinen vordergründig kommerziellsten Film abgeliefert haben. Doch die Anhängerschaft ist - leider, muss man sagen - eine sehr kleine. An diesem Donnerstag Abend hatten sich gezählte drei Leute in den Kinosaal verirrt.

Ich bin mir auch nicht sicher, ob man dem sprichwörtlichen Durchschnittszuseher einen Film wie FREE FIRE wirklich empfehlen kann. Obwohl der Film praktisch aus einem einzigen Shootout in Quasi-Echtzeit besteht, wirkt er (gewollt) spröde und sperrig. Ein Anti-Actionfilm, wie der Kritiker der Tageszeitung Die Presse treffend bemerkt: Es wird unglaublich viel geschossen und gebrüllt, aber wenig getroffen. Wer jetzt genau warum auf wen schießt, ist nicht immer klar und irgendwie auch wurscht. Dramaturgie, Spannungsaufbau, Kampfchoreographie: Wheatley hat schlicht keine Lust drauf.

Andererseits verzichtet er - erfreulicherweise - auf CGI-Overkill, hektische Schnitte und andere modische Verirrungen des zeitgenössischen Actionkinos. Stattdessen serviert er schmerzhaften Realismus, beträchtliche Härten und genau das Maß an absurdem Humor, das man von einem Regisseur, der zum Zeitvertreib experimentelle Schwarz-Weiß-Ungetüme wie A FIELD IN ENGLAND dreht, auch erwarten darf.

Free Fire Bild 1
Free Fire Bild 2
Free Fire Bild 3
Free Fire Bild 4
Free Fire Bild 5
FAZIT:

A FIELD IN ENGLAND meets RESERVOIR DOGS: Ben Wheatley, seines Zeichens Englands unberechenbarster Filmemacher, überrascht mit einem bleihältigen Gangsterfilm im feschen Seventies-Retro-Look, der beachtliche Härten, schwarzen Humor und blankes Chaos unter einen Hut zu bringen versucht. Für die Mehrheit wohl zu spröde, rau und gegen den Strich gebürstet. Für Fans des Regisseurs führt an FREE FIRE natürlich kein Weg vorbei.

In diesem Sinne: "Hast du eine Kopfschmerztablette?" - "Ich habe Heroin."

WERTUNG: 7 von 10 John Denver-Kassetten im Autoradio
Dein Kommentar >>
Federico | 25.04.2017 15:31
Bei Comicverfilmungen und Kong Reboots ist es mir ja echt egal, aber einen Autorenfilm (und vor allem einen Wheatley!) hätte wenigstens ein Kino die O-Fassung zeigen können. So werd' auch ich auf den Kinobesuch verzichten und mir dann die BluRay mit englischer Tonspur in die Sammlung stellen. Schade, das wäre eines meiner Kinohighlights 2017 geworden...
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