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Hate O 2

Hate O 2

OT: O 2 odio
GIALLO/DRAMA/EXPERIMENTALFILM: ITALIEN, 2006
Regie: Alex Infascelli
Darsteller: Chiara Conti, Claire Falconer, Anapola Mushkadiz, Olga Shuvalova, Mandala Tayde

STORY:

Olivia (Chiara Conti) verbringt zusammen mit vier Freundinnen eine Fastenwoche in ihrem Ferienhaus auf einer einsamen kleinen Insel. Die Ernährung der fünf jungen Frauen besteht während dieser Zeit ausschließlich aus Wasser. Die Tage werden für alle Beteiligten zu einem wahren Selbsterlebnistrip. Dabei hat Olivia von allen am meisten zu kämpfen. Denn bei ihr bricht eine latente Schizophrenie aus, die direkt in eine heftige Psychose mündet...

KRITIK:

HATE O 2? Was für ein merkwürdiger Titel! Und dann erst dieses abstoßende DVD-Cover - ein potthäßliches Bild, irgendwo zwischen Naiver Kunst und Kindermalerei... So belegte dieser Titel auf meiner persönlichen Wunschliste für längere Zeit einen der hintersten Plätze. Doch nachdem ich die ersten beiden Filme des Regisseurs Alex Infascelli (ALMOST BLUE, THE VANITY SERUM) gesehen hatte, war ich dann doch sehr neugierig auf diesen, seinen dritten Film.

Und nach dessen Sichtung stehen für mich zwei Dinge unzweifelhaft fest: Dies ist eindeutig Alex Infascellis bisher bester und reifster Film Aber viele neue Fans wird er mit HATE O 2 trotzdem nicht hinzugewinnen ...

Der vom italienischen DVD-Label Raro-Video mitproduzierte Film kam gar nicht erst ins Kino, sondern ist eine Direct-to-Video-Produktion. Und nachdem schon Alex Infascellis zweiter Film THE VANITY SERUM einiges von der visuellen Brillianz seines Debüts ALMOST BLUE vermissen ließ, klingelten bei mir natürlich sofort die Alarmglocken, sobald ich von den näheren Entstehungsumständen von H 2 ODIO erfahren hatte.

Aber all diese Ängste erwiesen sich als absolut unbegründet. Denn egal, was man ansonsten von diesem äußerst sperrigen Filmchen halten mag: seine außergewöhnliche visuelle Virtuosität wird ganz sicher niemand in Frage stellen. Denn was der Regisseur Alex Infascelli hier zusammen mit dem Kameramann Arnaldo Catinari und dem Cutter Consuelo Catucci optisch auf die Beine gestellt hat, das ist ein einziges visuelles Feuerwerk, wie man es ansonsten fast nur aus den Bereichen des Experimentalfilms und der Videokunst kennt.

Doch wer nun an ein manisches Schnitt-Gewitter denkt, wie es zur Zeit gerade groß in Mode ist, der liegt vollkommen daneben. HATE 2 O ist ein Film, der eine ganz ungewöhnliche, meditative Ruhe verströmt. Wie die Inhaltsangabe bereits erahnen lässt, ist die Handlung auch denkbar unspektakulär. - Dabei ist es schon eine gewisse Übertreibung, hier überhaupt noch von einer echten Handlung zu sprechen. Dieser Film hat nur ein minimales, und an sich auch fast schon banales, Handlungsgerüst. Dafür bietet HATE 2 O aber jede Menge faszinierender Bilder, bei denen man oft nicht weiß, ob sie der Realität oder der (Wahn-)Vorstellung entspringen.

Es dauert fast schon quälend lange, bis hier überhaupt einmal etwas passiert. Irgendwann kommt es zwar zu einem wahren Inferno, dass auch dem Effekt-Künstler Sergio Stivaletti einiges an Arbeit bringt. Aber - und das ist wirklich erstaunlich - selbst inmitten des wüstesten, gialloesken Geschehens verliert dieser Film niemals seinen durchgehend ruhigen Ton. Das ist auf der einen Seite faszinierend, aber verdammt anstrengend ist es leider auch. Und so werden bei aller Begeisterung über die zum Teil wahnsinnig schönen Bilder, auch diese nur knapp 90 Minuten recht schnell ziemlich lang. Und wer sich für so eine Art von Film schon rein prinzipiell nicht erwärmen kann, für den ist HATE 2 O unter Garantie ganz einfach nur totlangweilig.

Hate O 2 Bild 1
Hate O 2 Bild 2
Hate O 2 Bild 3
Hate O 2 Bild 4
Hate O 2 Bild 5
FAZIT:

HATE 2 O bzw. H 2 ODIO ist der dritte Film von Alex Infascelli. Und dieser Regisseur ist zur Zeit immerhin eine der letzten großen Hoffnungen des italienischen (Genre-)Kinos. Dabei hat er den Genrefilm mit diesem Werk im Prinzip jedoch bereits hinter sich gelassen. Dieser so ruhige, wie sperrige Film ist eine ganz eigene Mischung aus einem Arthouse-Giallo, in der Art von Luigi Bazzonis FOOPRINTS (1975) und dem modernen Psycho-Drama REQUIEM FOR A DREAM (2001) von Darren Aronofsky.

Doch HATE 2 O geht noch wesentlich stärker in den Bereich des Kunst - und sogar den des Experimentalfilms und wirkt zum Teil, wie ein langes Stück außergewöhnlicher Videokunst. Das ist auf der einen Seite durchaus faszinierend. Doch bei dem absolut gedrosselten Tempo des Films, kann dieser beim Zuschauer ziemlich schnell zu gewissen Ermüdungserscheinungen führen...

WERTUNG: 8 von 10 pränatal absorbierte eineiige Zwillingsgeschwister
TEXT © Gregor Torinus
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Marcel | 09.08.2012 23:26
Ja, Footprints ist mir auch durch den Kopf gegangen. Kleines nettes Bonmot - mittendrin klingt eine elektronisch veränderte Version von Strawinskys Sacre du Printemps. Bleibt noch die Frage, was der Nachspann eigentlich erklärt. Wenn mir jemand mal ne PM mit der Übersetzung schickt, freue ich mich.
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