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GOOD MOVIES FOR BAD PEOPLE
JoJo Rabbit

JoJo Rabbit

ANTIFASCHISTISCHES MÄRCHEN: USA/CZ, 2019
Regie: Taika Waititi
Darsteller: Roman Griffin Davis, Thomasin McKenzie, Taika Waititi, Sam Rockwell, Scarlett Johansson, Rebel Wilson

STORY:

Der zehnjährige Johannes, genannt Jo-Jo, will einmal ein großer Nazi werden. Der Weg dorthin führt ins Camp der Hitlerjugend, wo spannende Unterrichtsgegenstände wie Handgranatenwurf, Bücherverbrennung und Judenverfolgung auf dem Programm stehen. Doch schon bei der ersten Mutprobe, einen Hasen zu töten, versagt der Bub. Als "Jo-Jo Rabbit" (auf Deutsch etwa: Hasenfuß) verhöhnt, bleibt ihm nur sein imaginärer Freund als Trost: Adolf Hitler persönlich. Als der "Führer" erfährt, dass die Mutter des Buben ein jüdisches Mädchen im Dachboden versteckt, schaut er ziemlich dumm aus der Nazi-Wäsche ...

KRITIK:

Ja dürfen's denn das das? Sich über Hitler lustig machen? Auch 80 Jahre nach Charlie Chaplins DER GROSSE DIKTATOR wird diese Frage im deutschen Sprachraum verlässlich gestellt. Die Frage müsste vielmehr lauten: Hitler als imaginärer Freund eines fanatischen zehnjährigen Nazi-Buben? Kann das als Komödie tatsächlich funktionieren?

Eine Gratwanderung ist es allemal, was der aus Neuseeland stammende Comedian, Autor und Regisseur Taika Waititi hier abliefert. Dass Waititi, der teils jüdische, teils Maori-Wurzeln hat, selbst den imaginären Führer spielt, ist eine besondere subversive Pointe. Nach der euphorisch aufgenommenen Vampir-Komödie WHAT WE DO IN THE SHADOWS und dem bizarren, knallbunten Marvel-Abendteuer THOR: RAGNAROK hat der Mann offensichtlich kreative Narrenfreiheit in Hollywood. Und es geht sich aus: JOJO RABBIT ist gleichermaßen witzig wie erschreckend. Zwischen bittersüßem Humor, groteskem Slapstick und erschütternder Tragödie liegen oft nur wenige Filmsekunden. Das Grauen des Nationalsozialismus bleibt auf beklemmende Weise stets spürbar, auch wenn Hitler als grotesker Clown durch die Szenerie stolpert.

Es ist diese spezielle Mischung aus durchaus brachialem, manchmal auch bewusst pubertärem Humor, berührenden Momenten und unerschütterlichem Humanismus, der die besten Filme des amerikanischen Komödien-Kinos auszeichnet. JOJO RABBIT macht da keine Ausnahme. Zusammengehalten werden die oftmals konträren Elemente des Films von tollen schauspielerischen Leistungen. JOJO RABBIT ist eine der seltenen Gelegenheiten, Scarlett Johansson außerhalb des Marvel-Universums zu sehen. Ihr gehört auch eine der stärksten Momente im Film. Wo sie dem Mädchen die Geschichte von Champagner-Nächten in Marokko und dem Auge des Löwen erzählt. So großartig. Das kann nur mit einer glamourösen Hollywood-Schauspielerin funktionieren. Aber seht selbst.

JoJo Rabbit Bild 1
JoJo Rabbit Bild 2
JoJo Rabbit Bild 3
JoJo Rabbit Bild 4
FAZIT:

Der neuseeländische Regisseur Taika Waititi WHAT WE DO IN THE SHADOWS, THOR: RAGNAROK schlüpft ins Hitler-Kostüm und kommt einem zehnjährigen Nazi-Buben als imaginärer Freund zu Hilfe. Klingt bizarr, erweist sich aber als bittersüßes antifaschistisches Märchen mit den Mitteln des Comic- und Komödienkinos.
Die unbedingt anzuratende OmU läuft im Filmcasino und Votivkino.
In diesem Sinne: "We'll all be kaputt!"

WERTUNG: 8 von 10 offenen Schuhbändern
Dein Kommentar >>
dokk | 18.02.2020 16:16
englisch sprechende nazideutsche kann ich mir einfach nicht ansehen . wenn man einen film über nazideutschland drehen will , muss man dazu deutsche schauspieler nehmen und die deutsch reden lassen , alles andere ist doch einfach nur absurd .
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