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Thor: Tag der Entscheidung

Thor: Tag der Entscheidung

OT: Thor: Ragnarok
KOMÖDIE: USA, 2017
Regie: Taika Waititi
Darsteller: Chris Hemsworth, Tom Hiddleston, Cate Blanchett, Jeff Goldblum, Tessa Thompson, Mark Ruffalo, Anthony Hopkins

STORY:

Auch ein nordischer Donnergott kann einmal einen richtig miesen Tag haben: Erst macht ihm die böse Schwester seinen Wunderwaffen-Hammer kaputt. Dann wird Thor auf einem Müllkippen-Planet ausgesetzt, von einer betrunkenen Walküre gekidnappt, seiner Haarpracht beraubt und als Gladiator verkauft. Und da wäre noch dringend die Heimat Asgard vor der Apokalypse zu bewahren ...

KRITIK:

Mit seiner allerorts gefeierten Vampirkomödie WHAT WE DO IN THE SHADOWS, bei uns verhaltenskreativ "5 Zimmer, Küche, Sarg" betitelt, hat Regisseur Taika Waititi sein Ticket nach Hollywood gelöst. Es ist ein durchaus ein sympathischer Zug der Marvel-Studios, ein Film-Franchise, dessen Budget dem Bruttoinlandsprodukt mittlerer Volkswirtschaften entspricht, in die Hände eines vergleichsweise unerfahrenen Independent-Regisseurs zu legen. Und dem Mann die Freiheit zu lassen, dem Film seinen künstlerischen Stempel aufzudrücken.

Das Resultat sieht aus wie ein 250 Millionen teurer Kifferwitz - und das ist bitteschön keineswegs abwertend gemeint. Die Kifferkomödie ist ja eine sträflich unterschätzte Gattung. Ein grundsätzlich subversives Genre, das keine Regeln kennt. In dem man fast nichts falsch machen kann, weil nahezu alles erlaubt ist.

Der neue THOR ist natürlich kein Kiffermovie. Aber er gibt sich redlich Mühe, so zu tun als ob. Allein das bizarre Figuren-Ensemble: Ein großmauliger Gottessohn im Wikinger-Outfit, der zwar keine Emails lesen kann ("Computer? Habe ich nicht - wozu auch?"), aber außerirdische Raumschiffe zielsicher durch den Orbit manövriert wie Luke Skywalker persönlich. Eine dramatisch geschminkte Todesgöttin (Cate Blanchett), die sich den animierten Riesenwolf aus TWILIGHT ausgeborgt hat. Ein Hulk. Ein - ähm - modebewußter - Diktator (Jeff Goldblum), der aussieht wie die Kreuzung aus Kaiser Nero auf LSD und den Village People. Und eine dem Hochprozentigen zugetane Walküre (Tessa Thompson), die mir in dem Moment das Herz gebrochen hat, als sie - der erste Eindruck zählt bekanntlich - betrunken von der Ladeluke ihres Raumgleiters plumpst.

Man sieht schon: Todernst war gestern. Selbstironie satt ist neuerdings angesagt im Marvel-Universum. Der Vorwurf der repektlosen Verblödelung, der in manchen Kritiken aufkam, muss allerdings zurückgewiesen werden. Ich meine: Wer, bei Odin, kann nordische Heldensagen tatsächlich ernst nehmen? Ein paar verwirrte Manowar-Fans vielleicht und ein paar verwirrte teutsche Burschenschafter. Aber sonst?

Apropos Burschenschafter: In einer der lässigsten Szenen wird - wohl unbeabsichtigt - der große Norbert Hofer zitiert. Hela (Cate Blanchett) hat eben Thors Hammer zerbröselt, als wäre er eine Ming-Vase in den Händen von Mr. Bean. Thor, fassungslos: "Das ist nicht möglich!" Hela grinst: "Schätzchen, du hast keine Ahnung, was alles möglich ist!"

Das ist auch ein schöner Schlusssatz für diesen grundsympathischen, kunterbunten Superhelden-Film, der trotz gigantomanischer Materialschlacht immer noch irgendwie den Eindruck erweckt, dass hier ein sympathischer Indie-Nerd seiner schrägen, von lustigen Rauchwaren erweiterten Fantasie freien Lauf gelassen hat.

Thor: Tag der Entscheidung Bild 1
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FAZIT:

Familienfestspiele im Hause Odin: Der Papa übersiedelt nach Valhalla. Die böse Schwester macht Thors Hammer kaputt und die Heimat Asgard gleich dazu. Aber Thor wird's schon richten, notfalls auch mit bloßen Händen. Nach THOR (2010) und THOR: THE DARK KINGDOM (2013) der dritte Solo-Auftritt des germanischen Gewittergotts, von WHAT WE DO IN THE SHADOWS-Regisseur Taika Waititi mit heiligem Unernst zelebriert. Gigantomanische Effekte, waffenscheinpflichtige Kostüme, kunterbunter Ausstattungspomp an der Grenze zum Augenkrebs. Mit anderen Worten: Hat mir getaugt.

WERTUNG: 7 von 10 Fluchtwege durch den Anus des Teufels
Dein Kommentar >>
Björn N | 19.11.2017 16:00
Ej, nichts gegen Manowar oder ich komme vorbei und du kriegst meinen Fellstiefel in den Hintern!
Harald | 19.11.2017 22:01
Schätzchen, woher weißt du, dass ich genau darauf stehe?
>> antworten
Jules | 15.11.2017 13:18
Der Norbert Hofer-Satz (also der in der Rezension) ist Weltklasse :) Danke, Harald!
Harald | 16.11.2017 21:20
Gerne!
Übrigens war ich der Einzige im Kino, der da gelacht hat.
>> antworten


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