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Magnolia

Magnolia

DRAMA: USA, 1999
Regie: Paul Thomas Anderson
Darsteller: Julianne Moore, William H. Macy, Tom Cruise, Philip Seymour Hoffman, Alfred Molina

STORY:

Neun außergewöhnliche Geschichten von neun außergewöhnlichen Menschen - erzählt in einem außergewöhnlichen Film von Boogie Nights-Regisseur P.T. Anderson.

KRITIK:

Magnolia "Vollkommen überambitioniert, aber Ambition ist im Hollywood der Gegenwart ohnehin viel zu selten" - das konnte man in der Tageszeitung "Die Presse" in einer Kurzkritik über "Magnolia" lesen. Seit der Film 1999 von der breiten Öffentlichkeit leider weitestgehend unbemerkt im Kino anlief, hat selten jemand diesen Film in einem Satz derart gut umschrieben. Und doch kann man dem Autor bestenfalls zum zweiten Teil seiner aufgestellten Behauptung uneingeschränkt recht geben.

Ohne Frage: Magnolia strotz nur so vor Ambition, denn wie üblich hat Paul Thomas Anderson nicht nur Regie geführt - er hat dieses 188-Minuten-Epos natürlich auch selbst geschrieben. Und man merkt dem Film in jeder Szene an, dass in Buch wie Regie das Herzblut Andersons steckt, dass er an jeder Szene bis ins kleinste Detail gefeilt hat.

Magnolia Daraus ergibt es sich erfreulicherweise, dass Magnolia in jeder Beziehung ein einzigartiger Film wurde. Denn auch wenn er seine Wurzeln (Short Cuts) nicht leugnen kann - und sie vermultich auch gar nicht leugnen will - hat Anderson dafür gesorgt, dass sein Film bestenfalls das Konzept des Episodenfilms mit seinen Vorbildern teilt. Alles andere ist nicht einfach nur neu, es ist schlicht revolutionär.

Dass Magnolia anders ist, wird daher auch gleich zu Beginn klipp und klar an den Mann (bzw. das Publikum) gebracht:

Drei kleine Geschichten eröffnen den Film, Urban Legends zwar, aber sie sind ideal für einen ersten Denkanstoss. Sie wirken deplatziert, manch einer wird sich noch gar nicht im Film wähnen, so unvermittelt tauchen sie auf der Leinwand auf.

Magnolia Doch dann wird man, das Gesehene noch nicht mal ansatzweise verarbeitet und in einen Zusammenhang gebracht, mitten in den Film gestoßen.

Und dieser legt gleich ein Tempo vor, das einen wie in einem Sog mit sich reißt - man wird in atemberaubender Geschwindigkeit kurz in die Charaktere eingeführt, die einem durch den Film begleiten wollen. Die Kameraführung ist rasant, der Schnitt kurz, die Szenenwechsel unüberschaubar zahlreich. Begleitet vom ausgezeichneten Soundtrack (Aimee Mann!) hat man vor lauter Informationsüberfluß die drei kleinen Filmchen zu Beginn auch schon wieder vergessen.

Magnolia Die restlichen 180 Minuten lässt der Film dann auch nicht mehr locker. Es geht bis zum Ende durch ein Wechselbad der Gefühle, man wird förmlich überhäuft mit Eindrücken, man weiß gar nicht mehr, was man zuerst bewundern soll. Die ausgefeilte Handlung, die durch die Bank schlicht sensationell besetzten Schauspieler, die visuell beeindruckende Regie und Kameraführung - oder ob man sich zu Aimee Manns Musik einfach zurücklehent und alles beiläufig auf sich wirken lässt.

Um nicht falsch verstanden zu werden: der Film gönnt durchaus dem Zuseher kurze Pausen, doch sind dies meistens die dramaturgisch besonders aufwühlenden Szenen, die eine Erholung vom Tempo des Films verunmöglichen. Die Geschwindigkeit, mit der Anderson die Handlung vorantreibt, drückt sich aber nicht nur in schnellen Schnitten aus - der Film wechselt seinen Stil ständig.

Magnolia So ist eine der druckvollsten Szenen eine, wo die Kamera den Darstellern für mehrere Minuten ohne einen einzigen Schnitt folgt. Nicht zuletzt greift Anderson zwischendurch auf absolut ungewöhnliche Szenen zurück - zum Beispiel als die Hauptcharaktere, jeweils für sich allein, einen der Songs von Aimee Mann anstimmen. In jedem anderen Film hätte man sich das Lachen nicht verkneifen können, wäre dies Kitsch pur gewesen. Doch in Magnolia bleibt man tief berührt zurück, man fühlt sich plötzlich allein im großen Kinosaal, man fühlt mit jedem einzelnen der Charaktere mit.

Es ist zutiefst erschütternd, wie sehr dieser Film auch in dieser Szene durch Mark und Bein geht. P.T. Anderson hat mit dieser Szene viel riskiert, sie hätte den Film ruinieren können.

Was bleibt zu sagen, ohne zu viel zu verraten - natürlich ist das große Finale ebenso außergewöhnlich wie der Rest des Films, natürlich hat man auch, oder viel eher besonders, hier es tunlichst vermieden, ein typisches Ende für einen Episodenfilm dieser Art zu finden. Auch hier Risiko total. Man braucht sich nicht zu schämen, wenn einem dann über dem Kopf ein dickes, fettes "WTF???" geschrieben steht - wer behauptet, er wäre nicht auch zumindest für einen Moment komplett baff gewesen, darf ruhig lügen gestraft werden.

Doch spätestens wenn der Film dann langsam sich selbst das Tempo nimmt und beginnt, ruhig auszuklingen, lichten sich die Wolken nicht nur in diesem sensationellen Hollywood-Epos - auch der mit Sicherheit überforderte Zuseher wird langsam zu verstehen beginnen. Plötzlich ist der Film dem gemarterten Publikum wohlgesonnen, verweist freimütig auf die bereits vergessenen drei Filmchen zu Beginn, gibt Klärungsansätze, und macht sich daran, noch etwas Hoffnung unters Volk zu streuen - abgerundet durch eines der vielleicht schönsten Filmenden aller Zeiten:

Melora Walters in der Rolle von Claudia zaubert, noch mit Tränen in den Augen, und nur für den Bruchteil einer Sekunde, ein wundervolles Lächeln auf die Leinwand, das, wiederum von Aimee Manns wie mit der Faust aufs Auge passender Musik begleitet, auf die Credits überleitet.

Was für ein Ende, was für ein Film, was für Schauspieler, welch Dramaturgie ... und nicht zuletzt welch unglaublicher, junger Filmemacher.

Hoffnungslos überambitioniert? Definitiv nicht. Der Film ist schlicht hoffnungslos zu ambitioniert, um die Aufmerksamkeit und die Publikumsresonanz zu bekommen, die er verdient hätte. Denn auch wenn Anderson - zugegeben - sehr dick aufträgt und wirklich alles bis zum Anschlag überspannt - es fällt nicht auf, während man sich den Film ansieht.

Es ist schlicht erfrischend zu wissen, dass aus Hollywood noch solche Produktionen kommen können - und dank des jungen Alters des Regissuers und Autors wohl noch viele solche folgen werden.

FAZIT:

Man kann Magnolia in einem Satz zusammenfassen und gleichzeitig gut und gerne Bücher darüber schreiben - aber unterm Strich ist es einfach ein grandios inszenierter Epos, der in 188 Minuten nicht eine Sekunde NICHT bahnbrechend ist. Wohl einer der besten Filme, die jemals aus Hollywood kamen - und kommen werden.

WERTUNG: 10 von 10 Fröschen
TEXT © Bernhard König
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Dein Kommentar >>
mausekönig | 24.08.2010 17:13
ich hab mal das ende auf arte gesehen...
der froschregen war witzig^^
selten so gelacht
>> antworten
Ranger | 13.10.2009 21:51
Hhhm... Ich weiß nicht.

Ich konnte mit dem Film eigentlich nie so richtig was anfangen. Und ein Meisterwerk ist er in meinen Augen überhaupt nicht.
Der Froschregen ist meiner Meinung einer der lächerlichsten Szenen die ich bis jetzt gesehen habe.

Alles in allem ist der Film natürlich nicht schlecht. Die Darsteller überzeugen alle und beim Drehbuch mach ich Mängel fest.

6,5/10
>> antworten
Aileen | 16.11.2007 16:42
stimmt es das elliott smith hier eine kleine
nebenrolle hat? wenn ja...welche figut m film soll
das sein?
>> antworten
harald | 24.05.2006 22:25
dieser froschregen war für mich einer der unfassbarsten und gänsehauterzeugendsten kinomomente ever - der pure wahnsinn, eigentlich.
>> antworten


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