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GOOD MOVIES FOR BAD PEOPLE
Mandy

Mandy

ARTHOUSE-SPLATTEREXPERIMENT: USA, 2018
Regie: Panos Cosmatos
Darsteller: Nicolas Cage, Andrea Riseborough, Linus Roache, Bill Duke, Richard Brake

STORY:

Ein derangierter Sektenguru hetzt eine satanistische Bikergang auf Holzfäller Red und seine Frau Mandy. Sie wird bestialisch ermordet. Er schwört Rache und wird einen Bastard nach dem anderen zurück in die Hölle schicken.

KRITIK:

"They sentenced me to 20 years of boredom", beginnt ein Lied von Leonard Cohen. Nein, ganz so schlimm war's dann auch wieder nicht. Aber ein gehöriges Maß an quälender Langeweile - oder wollen wir es lieber "provozierende Langsamkeit - Schrägstrich - Zeitdehnung" nennen - gehört zu den Stilmitteln des kanadischen Regisseurs Panos Cosmatos. Wer zufällig am /slash-Filmfestival 2012 seine experimentelle, in Ultra-Slow-Motion dahinkriechende Retro-Sci-Fi-Seltsamkeit namens BEYOND THE BLACK RAINBOW gesehen hat, weiß vermutlich, wovon ich rede.

Die gute Nachricht: Wenn BEYOND THE BLACK RAINBOW ein überladenes Pink Floyd-Album war, dann ist MANDY eine knackige Slayer-Nummer. Sagt zumindest Panos Cosmatos, übrigens der Sohn des verstorbenen Actionfilm-Regisseurs George P. Cosmatos (RAMBO 2, CITY COBRA) über seinen Film. Cosmatos mixt Heavy Metal-Ästhetik, Fantasy- und Comic- Motive, Grindhouse- und Splatter-Zitate zu einem artifiziellem Kunstwerk, das sich zielsicher zwischen alle Stühle setzt:

Nach einem gefühlvollen, beinahe zärtlichen Beginn steigert sich der Film zu einem Splatter-Exzess, der mit Filmblut umgeht wie ein Porsche Cayenne mit Benzin. Nicht gerade sparsam also. Wann hat man bitte zuletzt ein Kettensägen-Duell gesehen? Und: Wahnsinns-Sound vom leider verstorbenen Komponisten Jóhann Jóhannsson. Progrock und Blade Runner-mäßige Drones bringen die Soundanlage an ihre Grenzen und machen den Kinobesuch zur audiovisuellen Grenzerfahrung. MANDY ist mehr abstrakte Bild-Ton-Installation denn ein Spielfilm.

Für den Mainstream-Kinogänger wie auch für die Arthouse-Crowd ist das wohl zu viel des Guten. Während die blutdürstigen Gore-Hündchen, auf die das bizarre Achtzigerjahre-Splatter-Finale zielt, für eben dieses Finale wohl den Wecker stellen müssen. Stichwort provozierende Langsamkeit - Schrägstrich - Zeitdehnung, siehe erster Absatz.

MANDY war der Eröffnungsfilm des diesjährigen /slash-Filmfestivals. Der angekündigte Besuch eines gewissen Nicolas Cage hat dem Film vorab einen Hype beschert, von dem er sich erst wieder erholen muss. Sogar die "Heute"- ähm - Zeitung brachte einen Vorab-Bericht samt fehlerfreier Nacherzählung der Geschichte. Kunststück, wenn der Plot, wie es sich für einen Genre-Film im Geiste der Achtziger gehört, auf einen Bierdeckel passt. Beim Start des Kartenvorverkaufs brach auch prompt der Server zusammen. Bleibt als Forderung: Das slash-Filmfestival darf nicht Viennale werden!

Und wie bei der Viennale lässt auch hier das Interesse leider sprunghaft nach, sobald ein großer Festival-Hit regulär im Kino startet: Da saßen an diesem Sonntag Abend dann gezählte sieben Leute im Multiplex, der Schreiber dieser Zeilen bereits miteingerechnet.

Mandy Bild 1
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Mandy Bild 5
FAZIT:

Panos Cosmatos' massiv gehypter Kunstfilm-Horrortrip MANDY ist (leider) über weite Strecken genau so anstrengend, wie man es nach der experimentellen, ultralangsamen Sci-Fi-Seltsamkeit BEYOND THE BLACK RAINBOW befürchten musste. Aber da muss man durch: Traumschöne Farbdramaturgie, Wahnsinns-Sound, Splatter satt und ein Nicolas Cage, der hier völlig abgeht, machen den Kinobesuch zum nicht alltäglichen Erlebnis.
In diesem Sinne: "Crazy evil!"

WERTUNG: 7 von 10 Mötley Crüe-T-Shirts
Dein Kommentar >>
abloodredbird | 05.10.2018 11:56
Na, klingt doch gut - als hätte Jess Franco (selig)oder Jean Rollin den Rotfilter für sich entdeckt und gleichzeitig den ganzen Sexkram über Bord über Bord geworfen.
Harald | 05.10.2018 13:18
Ich vermute ja, Panos Cosmatos IST der wiedergeborene Jean Rollin im Metal-T-Shirt, aber ohne Sex.
abloodredbird | 05.10.2018 14:05
klingt für mich perfekt : )
>> antworten
toxic | 05.10.2018 10:18
Ist das Kunst, oder kann das weg?
Auch der Eröffnungsfilm auf dem FFF, wxtrem gehypt, und dann das.
Eine todesstylische Schlaftablette. Ich hatte mit einer Blutoper gerechnet und Action in irgend einer Form. Komplette Fehlanzeige.
Klar, Optik und Sound sind anfangs grandios. Aber das macht keinen guten Film. Der Splatter war eher mau und finster. Immer, wenn ich dachte jetzt geht es endlich los, zieht dieses Videogemälde die Handbremse voll an. Nicholas Cage war cool im Badezimmer, aber auch keine Oscarleistung. Für mich ne ziemliche Gurke...
5 von 10 LSD Pimmeln
Harald | 05.10.2018 11:05
Versteh ich voll und ganz. ich war anfangs auch ziemlich sauer, weil so unfassbar langsam und sperrig und mühsam. Und jetzt merke ich, dass mir der Film - bzw. einzelne magische Momente immer noch heftig im Kopf rumspuken, was selbst bei besseren Filmen selten vorkommt. Ich möcht sogar noch ein zweites Mal rein, zumindest in die zweite Hälfte.

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