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Manifesto

Manifesto

OT: Manifesto - A Night of Love
SATIRE: YU/USA, 1988
Regie: Dusan Makavejev
Darsteller: Camilla Søeberg. Alfred Molina, Eric Stoltz, Lindsay Duncan

STORY:

Mitteleuropa, 1920. Das kleine Städtchen Waldheim (sic!) bereitet sich auf die Ankunft des Königs vor. Die Geheimpolizei in Gestalt von Seiner Exzellenz Alfred Molina soll dafür sorgen, dass nichts Böses passiert. Denn die Revolutionäre, allen voran die verführerische Swetlana (Camilla Soeberg), haben mörderische Pläne gewälzt. Während der Geheimpolizist alles vögelt, was nicht bei drei auf den Bäumen ist, muss sich Swetlana entscheiden: Kämpft sie für die politische oder für die sexuelle Revolution?

KRITIK:

Dušan Makavejev, 1932 in Belgrad geboren, gilt als einer der bedeutendsten Filmemacher Ex-Jugoslawiens. Im Westen wurde er stets als kritischer Geist aus einem totalitären System wahrgenommen, der nach seinem 68er-Provokationskunstwerk SWEET MOVIE ins Pariser Exil vertrieben wurde. Die künstlerische Substanz und der ätzend-anarchische Humor seines Werks wurden dabei gern unterschätzt.

Heute ist Makavejev weitgehend in Vergessenheit geraten, sein Werk ein Fall fürs Museum. Genauer gesagt fürs Wiener Filmmuseum, das Makavejev kürzlich mit einer Retrospektive würdigte.

Die anarchische Revolutions-Satire MANIFESTO gilt als Makavejevs rarstes Werk: Gedreht 1988, also kurz vor dem Untergang Jugoslawiens, finanziert von der kurz vor der Pleite stehenden Cannon Group, lässt sich der Film als Abgesang auf eine Welt lesen, die kurze Zeit später tatsächlich unterging.

MANIFESTO ist hübsch, fast märchenhaft ausgestattet und wirkt in seiner operettenhaften Inszenierung und den zahlreichen offenherzigen Sexszenen, als hätte Fellini ein Remake von EIS AM STIEL gedreht. Okay, vom Vorwurf der Altmännerphantasie kann ich MANIFESTO nicht ganz freisprechen. Aber vielleicht waren ja hübsch anzusehende, künstlerisch wertvolle Altmännerphantasien der einzige Weg, ein bissl Sex an den kommunistischen und Hollywoodschen Zensurbehörden vorbeizuschmuggeln.

MANIFESTO ist trotz einiger Längen (oder waren es Anspielungen, die sich mir mangels geschichtlichen Wissens nicht ganz erschlossen haben?) ziemlich unterhaltsam und dank der guten Schauspieler (Alfred Molina! Eric Stoltz!) auch ein Vergnügen für seriöse Cineasten. "Eine Wiederentdeckung, ganz entschieden", schrieb Richard Hartenberger im Programmheft des Filmmuseums.

Mal sehen, ob sich eines Tages ein DVD-Label diese Worte zu Herzen nimmt.

Manifesto Bild 1
Manifesto Bild 2
Manifesto Bild 3
Manifesto Bild 4
FAZIT:

Fünf Männer und eine Frau. Es lebe die Revolution!

Rares Spätwerk von Dusan Makavejev, einem der bedeutendsten Filmemacher des ehemaligen Jugoslawien. Viel Sex und anarchischer Humor in einer hübsch anzusehenden, surrealen Politsatire jenseits der Zeitgeschichte. Mit der dringenden Bitte um eine DVD-Veröffentlichung!

WERTUNG: 7 von 10 Mozartkugeln
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