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Puppetmaster

Puppetmaster

OT: Puppet Master
HORROR: USA, 1989
Regie: David Schmoeller
Darsteller: Paul Le Mat, William Hickey, Irene Miracle, Jimmie F. Skaggs, Robin Frates

STORY:

Der Puppenmacher Andre Toulon hatte es in den 20er Jahren geschafft Puppen Leben einzuhauchen, begang allerdings Selbstmord und versteckte die Puppen samt der Anleitung in einem Hotel. Jahrzehnte später versuchte der skrupellose Neil Gallagher hinter Toulons Geheimnis und an die Puppen zu kommen. Nach seinem Tod finden sich seine ehemaligen Mitstreiter - allesamt paranormal - Alex Whitaker, Dana Hadley, Frank Forrester und Carissa Stamford in dem alten Hotel ein und müssen bald feststellen, dass die Puppen alles andere als freundliches Spielzeug sind.

KRITIK:

Charles Bands PUPPETMASTER-Filmreihe, die zweifellos das unangefochtene Aushängeschild seiner Ideenschmiede Full Moon Features ist, kann mit Fug und Recht zu den langlebigsten Filmreihen im Horrorgenre gezählt werden. Mit inzwischen 13 Teilen – wovon der neuste PUPPETMASTER – THE LITTLEST REICH just in diesem Jahr (2018) herauskommt – und ohne ein Ende in Sicht, hängt das Epos über lebendige Puppen selbst die berühmtesten Genregrößen wie FREITAG DER 13., HALLOWEEN, WRONG TURN oder CHUCKY ab. Mit schöner Regelmäßigkeit bringt Full Moon weitere Teile der Reihe raus, die nicht nur einen inzwischen äußerst wichtigen Wiedererkennungswert für das Studio besitzt, sondern auch die Möglichkeit für jede Menge Merchandise bietet.

Dass die Qualität der Fortsetzungen in der Regel eher fraglich, zumindest schwankend ist, dürfte sich von selbst verstehen. Von einer tonalen Abweichung zum Erstlingswerk einer Filmreihe ist jedoch bisher kaum eine wirklich verschont geblieben – zu den einprägsamsten Beispielen dürfte sicher Freddy Krugers Wandel im Laufe der Zeit zählen.

PUPPETMASTER, den Charles Band im Rahmen einer Kooperation mit Paramount Pictures produzierte, ursprünglich sogar ins Kino bringen wollte, dann aber den um einiges einträglicheren Videomarkt anvisierte, kommt – trotz der eher putzig anmutenden Puppenthematik – noch als seriöser, gediegen inszenierter Horrorfilm daher. Das Tempo von PUPPETMASTER ist angenehm langsam. Nicht blutige Mordszenen oder plumpe Schauwerte stehen im Mittelpunkt – auch wenn es beides unbestreitbar gibt –, sondern die, heutzutage eher schräge denn wirklich unheimliche, Atmosphäre.

So dauert es nach der ersten Todesszene, die überdies ein Selbstmord ist, eine endlos lange Zeit, bis die Puppen überhaupt großartig in Aktion treten und ihr erstes Opfer dahinmeucheln – das sogar noch „off screen“. Der Film konzentriert sich vornehmlich auf die Einführung der Figuren und deren Beziehung zueinander, was jedoch nur zum Teil gelingen mag. Daran ist vornehmlich das Drehbuch schuld, das zwar eine exzentrische Figurenschar aufeinanderprallen lässt, dabei aber keine wirklich Identifikationsfigur bietet. Selbst Alex, der zunächst zaghaft, mit fortschreitender Laufzeit immer deutlicher, als Protagonist fungiert, hat nicht genug Charisma um ihn vollends zum Ankerpunkt in der Gruppe aus verrückten Egozentrikern zu machen.

Das könnte potentiell dafür sorgen, dass der langsame Mittelteil, durch die etwas schräge Charakterisierung der Figuren und die damit verbundene Distanz zu ihnen, bräsig wird. Das passiert zum Glück nicht, da immer wieder skurrile Einfälle dazu führen, dass die Stimmung aufgelockert und verhindert wird, dass die Geschichte einschläft. Etwa das ausgedehnte Sexperiment der beiden Parasexologen Frank Forrester und Carissa Stamford, das die restlichen Gäste akut von ihrem dringend nötigen Schönheitsschlaf abhält. Dazu kommen die aber der zweiten Hälfte immer öfter auftretenden Puppen, die im Hotel ihr Unwesen treiben und sich als sehr unangenehme Mitbewohner entpuppen – welch feines Wortspiel. Vor allem die Leech Woman ist bereits vom Konzept her über die Maßen bizarr. Wie sie Forrester am Nippel saugt, – ja, wirklich – ist da nur die Kirsche auf der Sahne.

Die Effekte sind dabei eher drollig denn gruselig oder überzeugend, aber für das Produktionsjahr und das Budget geht das schon in Ordnung. Schließlich waren auch die Effekte im gefeierten CHUCKY seinerzeit nicht unbedingt hammergeil. Gruselig sind die Puppen ohnehin nicht, da wie bei jedem Puppenfilm das Problem bleibt, dass man die Puppe ja einfach nehmen und der Müllverwertung zuführen könnte. Erstaunlicherweise wird das in einer Mordszene – interessant, da gleichzeitig sogar eine der dichtesten und spannendsten Szenen -  indirekt thematisiert, indem das Opfer sich seiner kleinen Peiniger immer wieder zu erwehren versucht, aber schließlich entkräftet aufgeben muss.

Für den größten Spannungsaufbau sorgt unter anderem der immer wieder auftauchende Leichnam von Neil Gallagher, den die Gäste im Hotel scheinbar an der Hacke kleben haben wie Kacke am Schuh. Sein recht reger Ortswechsel lässt mehrere Deutungen zu – wird aber im Finale des Films aufgelöst. So entsteht einerseits eine recht unheimliche Atmosphäre, etwas das die Puppen alleine nicht schaffen, zum anderen lässt der Film seine Zuschauer rätseln, ob nicht doch einer der Anwesenden mehr Dreck am Stecken hat, als es ohnehin offensichtlich ist.

Der Soundtrack, eigens komponiert von Charles Bands Bruder Richard – der in den 90ern auch für die TV-Serie STARGATE SG1 vertonte – ist recht eingängig und das Thema erinnerungswürdig, läuft sich aber im Laufe des Films etwas tot, da es etwas zu viel eingesetzt wird.

In diesem Sinne: „I'm tired of experimenting with silly puppets.”

Puppetmaster Bild 1
Puppetmaster Bild 2
Puppetmaster Bild 3
Puppetmaster Bild 4
FAZIT:

PUPPETMASTER ist ein recht behäbiger, kleiner Horrorfilm, der sich viel Zeit dafür nimmt seine Figuren, Atmosphäre und eine eigene Mythologie zu etablieren anstatt auf blutige Schauwerte zu setzen. Die Figuren sind nicht wirklich sympathisch, was eine Identifizierung erschwert und den Mittelteil fast etwas träge daherkommen lässt. Doch immer wieder eingestreute Skurrilität, nackte Tatsachen und dezent gesetzte Schockeffekte verhindern, dass es wirklich langweilig wird. Somit ist PUPPETMASTER gewiss nicht der ganz große Wurf. Aber ein kleiner, feiner Puppenhorrorfilm, der sich anbietet, wenn man etwas ruhigeres braucht und der gleichzeitig Lust auf die Fortsetzungen macht.

WERTUNG: 6 von 10 handlichen Hunden.
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