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Song to Song

Song to Song

DRAMA: USA, 2017
Regie: Terrence Malick
Darsteller: Ryan Gosling, Michael Fassbender, Rooney Mara, Natalie Portman, Cate Blanchett

STORY:

Musikern Faye (Rooney Mara) liebt Songwriter BV (Ryan Gosling). Der weiß aber nicht, dass Faye auch eine Affäre mit dem arroganten Produzenten Cook (Michael Fassbender) hat, der sie vielleicht groß rausbringen wird.

KRITIK:

Auf seine alten Tage wird Terrence Malick richtig produktiv. SONG TO SONG fügt sich stilistisch nahtlos an TO THE WONDER (2012) und KNIGHT OF CUPS (2015) an. Malicks Kino ist ein Kino der Bewegung, der Wahrnehmung, der Impressionen. Mit seinem brillanten Kameramann Emmanuel Lubezki ("The Revenant", "Gravity") zaubert Malick die breitestmöglichen Cinemascope-Bilder auf die Leinwand: Schöne Menschen, perfekt ausgeleuchtete Innenarchitektur, riesige Fenster mit Blick auf Landschaften wie Kunstwerke und gefühlt 100 angespielte Lieder: Optisch und akustisch ist SONG TO SONG exakt das maßlose Reizüberflutungs-Kunstwerk, wie man es von Malick auch nicht anders erwartet.

Aber leider hat SONG TO SONG auch noch eine - nennen wir es einmal: Geschichte. Und da beginnt es schwierig zu werden. Malick interessiert sich nämlich nicht für Geschichten. Was wir hier erzählt bekommen, sind Szenen, Momentaufnahmen, Schlaglichter aus dem Leben der drei Hauptfiguren. Selten sprechen die Figuren miteinander, viel öfter aus dem Off zu sich selbst. Und das klingt dann so: "Ich dachte, wir könnten von Lied zu Lied leben. Von Kuss zu Kuss." Oder: "Ich wünsche mir ein gutes Leben. Ich hatte immer Angst davor, ich zu sein. Ich dachte, da wäre nichts."

Echt jetzt? Mr. Malick, bei allem Respekt, aber sind Sie mit 73 nicht doch ein bisschen zu alt für derartig prätentiöse Poesiealbums-Befindlichkeitslyrik? Oder ist das lediglich ein Problem der deutschen Synchronisation? Mit Harry Rowohlt ist ja der letzte Übersetzer-Gigant, der amerikanische Rockprosa krampffrei ins Deutsche übertragen konnte, von uns gegangen. Warum werden kleine Nischenfilme wie SONG TO SONG, die in Österreich vielleicht auf 2000 Kinobesucher kommen, überhaupt synchronisiert? Und, die Kernfrage: Warum schaue ich mir eine Synchronfassung an, wenn der Film auch in OmU gezeigt wird? Antwort: Aus Gedankenlosigkeit. Und weil das Kino so praktisch am Heimweg lag. Also: Selbst schuld, kein Mitleid.

So überwältigend die Bilder sein mögen, so gerne man den Stars und diversen Popgrößen - es gibt Gastauftritte von Patty Smith, Iggy Pop, Lykke Li, John Lydon, den Red Hot Chili Peppers etc. - zusieht, aber dieses Ende mit dem einfachen Leben, wo Ryan Gosling als dreckverschmierter, aber glücklicher Ölarbeiter Löcher bohrt und Rooney Mara selig lächelnd auf einem Acker liegt und mit der Erde eins wird  - sorry, das kann ich einfach nicht ernst nehmen.

Ich will jetzt keineswegs so weit gehen wie der Rezensent der deutschen Zeitung Die Welt, der von "so einem beknackten Film mit Ryan Gosling" sprach. Ich kann aber auch nicht energisch widersprechen.

Song to Song Bild 1
Song to Song Bild 2
Song to Song Bild 3
Song to Song Bild 4
Song to Song Bild 5
FAZIT:

Filmpoet Terrence Malick hat die Festival-Kultur entdeckt und lässt uns an einer Ménage-à-trois zwischen Rooney Mara, Michael Fassbender und Ryan Gosling teilhaben. Schöne Menschen vor schöner (Landschafts-)Architektur, Malicks Trademark-Weitwinkel-Überwältigungsoptik und viel Pop-Prominenz als Themselves. Leider auch Off-Monologe, die zumindest in der Deutschfassung hart an der Banalitäts-Schmerzgrenze entlang schrammen.
Und über das - ähm - erdige Ende müssen wir noch einmal gesondert reden, Mr. Malick. Nach TO THE WONDER und KNIGHT OF CUPS ein weiterer Publikumsspalter, wie man so schön sagt.

WERTUNG: 6 von 10 Sonnenbrillen
Dein Kommentar >>
Bernhard | 16.07.2017 17:17
Malick hat sich spätestens seit Tree of Life irgendwo zwischen Kopp-Verlag, Wachtturm und altem Testament verlaufen.

Geblieben von seinem früheren Ich sind leider nur noch sein Gespür für fantastische Bilder sowie sein Hang zu aus dem Off vorgetragener Poesie.

Ich schaffe es leider nicht mehr, mir seine Filme anzusehen ... lese aber trotzdem noch gerne die Kritiken, für den Fall, dass noch ein Wunder passiert.

Naja ... still a better director than Steven Spielberg ;)
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