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Steven Seagal: Driven to Kill - Zur Rache verdammt

Steven Seagal: Driven to Kill - Zur Rache verdammt

OT: Driven to Kill
ACTION: CA/USA, 2009
Regie: Jeff King
Darsteller: Steven Seagal, Mike Dopud, Igor Jijikine, Robert Wisden

STORY:

Steven Seagal ist Ruslan Drachev, eine ehemaliges Mitglied der russischen Mafia - gefürchtet bei Freund und Feind. Als seine Tochter den Sohn seines ehemaligen Erzfeindes heiraten will, macht Seagal sich große sorgen - mit Recht, wie sich bald heraustellt. Noch vor der Hochzeit richten andere Mafiosi ein regelrechtes Blutbad an. Seagal schwört Rache und schleppt seinen Schwiegersohn mit auf seinen Rachefeldzug.

KRITIK:

Man mag von DRIVEN TO KILL halten was man will, aber eines dürfte klar sein – der Film hat eine der sonderbarsten und zugleich beklopptesten Eingangszenen der Seagal-Filmographie. Im sonnigen Kalifornien sitzt Seagal im T-Shirt mit einem viel, viel, viel zu jungen Mädchen – selbst seine Tochter in diesem Film sieht älter aus. Jenes Mädchen will von ihm unbedingt den alten Nagel unterm Becher-Trick sehen. Also, drei Pappbecher stehen umgedreht auf dem Tisch und unter einem steht ein Nagel und nachdem sie vertauscht wurden, muss man auf einen draufhauen... und hoffen, dass es der ohne Nagel ist. Zur Belohnung verspricht sie ihm einen Dreier mit ihrer besten Freundin – und ich wette selbst zusammen sind die noch lange nicht so alt wie Seagals Tochter.

Seagal jedenfalls, der hofft gar nichts – außer vielleicht auf den Dreier –, haut einfach auf einen Becher drauf und erwischt einen Becher ohne Nagel. Nachdem seine Begleitung vor Schreck einen kleinen Orgasmus bekommen hat, möchte sie natürlich wissen, wie er das gemacht hat. Und mit seagal'scher Lässigkeit kommt seine Erklärung: "Der Trick ist, einfach drauf zu scheißen." Seit DEADLY REVENGE - DAS BROOKLYN MASSAKER wurde Seagal nicht mehr so lässig als verdammt harter Hund eingeführt. Und noch dazu ist er Schriftsteller, hat also auch was auf dem Kasten und eine etwas zartere Seite. Die Eröffnung sitzt also.

Leider schafft Regisseur Jeff F. King es nicht, die Qualität über die gesamte Laufzeit aufrecht zu erhalten – obwohl Steven Seagal wirklich DRIVEN TO KILL ist und eine Spur der Verwüstung und des Schmerzes hinterlässt. Für die FSK war das mal wieder zu viel, die Juristenkommission der SPIO sah immerhin keine schwere Jugendgefährdung, heißt aber im Endeffekt trotzdem, dass ich mir als Deutscher die ungeschnittene DVD wieder von meinen Freunden in der Ostmark besorgen musste. Allerdings, was die Inszenierung betrifft hat sich King um einiges verbessert, wenn man DRIVEN TO KILL direkt mit KILL SWITCH – ebenfalls von King – vergleicht.

Während das Alter Seagals bei KILL SWITCH noch durch Schnittmassaker und sonstige clevere – hust–- Tricks versteckt werden sollte und offensichtliche Stuntdoubles Dynamik in den Film mogeln sollten, sieht das in DRIVEN TO KILL ganz anders aus. Es passt zu Seagals Rolle als alt gewordener Verbrecher und ehemaliges hohes Tier in der Russenmafia, dass er alt und etwas schwerfälliger ist. Sein Gesicht sieht so verbraucht aus, wie es nun mal aussehen würde, hätte er tatsächlich jahrelang Leute für die Mafia getötet, Schutzgeld erpresst und anschließend noch ein paar Jahre im Gulag abgesessen. Es ist daher ein großer Bonus, dass Seagals Alter hier nicht als Schwäche gesehen wird, sondern als Möglichkeit den Film interessanter zu machen. Und seien wir ehrlich, Seagals Statur mag vielen als Vorlage für Scherze dienen, aber je schwerer er wird, desto bedrohlicher sieht er aus.

Hinzu kommt die ultrabrutale zynische Gewalt, mit der Seagal hier wieder vorgeht. Seine (Ex-)Frau ist tot, seine Tochter im Koma. Jemand wird dafür bezahlen müssen und wer sich ihm in den Weg stellt, hat schlechte Karten – so wie der ansonsten unschuldige Pfandleiher, der sich zu fein ist ihm Informationen zu geben. Dafür gibt es flugs ein paar fiese Schläge auf die Kauleiste. Nicht mal als Mittel um doch noch was aus ihm herauszubekommen, sondern einfach als Bestrafung für die mangelnde Kooperation. Man könnte nun meinen, dass er einen russischen Ex-Gangster spielt, macht Seagal skrupelloser, vor allem auch im Umgang mit vermeintlich Unschuldigen. Aber schon in DEADLY REVENGE - DAS BROOKLYN MASSAKER hat er Zeugen und potentielle Mitverschwörer nicht gerade mit Samthandschuhen angepackt. Das ist nun mal der Unterschied zwischen einem Seagal und anderen glattgeleckten Möchtegernactionhelden – Kompromisse sind nicht zu erwarten.

So schleppt er seinen zukünftigen Schwiegersohn mit auf die Rachetour, denn den Tod seiner Verlobten zu rächen, gehört sich einfach für einen echten Mann. Dabei ist es nicht ganz klar, ob er ihn mitnimmt um ihm nachdrücklich und endgültig alle Gedanken an ein Leben in der Mafia auszutreiben – womit er seine Tochter schützen würde – oder ob er es wirklich für die Pflicht eines jeden echten Mannes hält, die Mörder zur Strecke zu bringen. Es dürfte eine Mischung aus beidem sein, denn auch wenn Seagal mit seiner Vergangenheit abgeschlossen hat, kriegt er das Dunkle, das Brutale nicht aus sich raus.

Und wie dunkel und brutal es in ihm aussieht, zeigt sich sehr schnell. So schlägt er einem etwas zu aufbrausendem Jungverbrecher ein Glas ins Gesicht, nachdem dieser ihn doof angemacht hatte. Und selbst dessen Kumpel bekommt noch einen Tritt verpasst, obwohl er anhand Seagals Tattoos erkannt hatte um wen es sich handelt und sich sofort entschuldig hat. Und mit fortschreitender Handlung werden immer mehr Knochen gebrochen und Kerle erschossen. Dabei gibt es wieder einiges von Seagals eigenwilligem Schießstil zu sehen – der mir persönlich sehr zusagt. Und wie am Ende der Oberboss der Russenmafia abgeschlachtet wird, ist zwar nicht so brutal wie der Hammermord in KILL SWITCH, aber den Lauf einer Pistole ins Auge zu bekommen ist offensichtlich trotzdem nicht gesund.

Das hört sich alles eigentlich gar nicht schlecht an, und ist es an und für sich auch nicht. Doch leider machen einige Probleme dem Film ernsthaft zu schaffen, so dass das Gesamtergebnis nicht so gut aussieht, wie man es erwarten könnte. Das liegt zum einen natürlich an Regisseur Jeff F. King, der sich zwar im Vergleich zu KILL SWITCH deutlich gebessert hat, aber letzten Endes einfach kein guter Filmemacher ist. In den Actionszenen lässt er die Kamera immer noch viel zu hektisch herumschwenken. Und ansonsten hat er nicht viel zu bieten. Ein Großteil des Films wirkt nach alter DTV-Väter Sitte runtergeklatscht, viel zu sehen gibt es nicht.

Dazu kommt der wieder mal übermäßige und übermäßig offensichtliche Einsatz von Doubles. Immerhin hat Seagal hier wenigstens die Actionszenen in denen er von vorne zu sehen ist selbst gespielt. Aber jedes Mal, wenn er von hinten zu sehen ist, wird er wieder gedoubelt, was sehr nervig ist, weil schlecht und offensichtlich inszeniert. In einer Szene wird er gar von einem Double ersetzt, das mindestens zwei Köpfe kleiner und 60 Kilo leichter als Seagal ist– als Zuschauer fühlt man sich so schon etwas verarscht, trotz Abhärtung durch zahlreiche vorangegangene Seagal-Streifen.

Außerdem wirkt vieles zu konstruiert und unglaubwürdig und so richtig zusammenpassen will die ganze Geschichte auch nicht. Die Dialoge sind oftmals regelrecht peinlich und zum Fremdschämen, in guten Momenten zum drüber lachen schlecht. Die beiden Polizisten die immer mal wieder durch die Botanik watscheln und Seagal eigentlich die ganze Arbeit machen lassen, hätte es auch nicht gebraucht, denn sie sind für die Handlung so nützlich wie ein Assitoaster in der Wüste.

In diesem Sinne: "Jeder Mann will ein harter Knochen sein, aber keiner will den Preis dafür bezahlen."

Steven Seagal: Driven to Kill - Zur Rache verdammt Bild 1
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Steven Seagal: Driven to Kill - Zur Rache verdammt Bild 5
FAZIT:

Bei DRIVEN TO KILL bin ich hin und her gerissen. So recht mag mir der Film nicht gefallen, verteufeln kann ich ihn aber auch nicht. Da wäre zum einen die geniale Eröffnungsszene, die mehr Kaltschnäuzigkeit und Härte etabliert als hätte Seagal 50 Kerle verdroschen – und von der ich mir vorstellen kann, dass das Seagal genauso passiert ist. Die Gewalt ist übertrieben hart, es gibt einiges an Aikido und Seagal zieht ein Messer und ballert in seinem ganz eigenen Stil mit jeder Menge Gewehren und Pistolen rum.

Dann wiederum trübt die schlechte Arbeit Kings das Vergnügen, in dem er die Actionszenen verwackelt und den offensichtlichen Double-Einsatz nicht zu verbergen schafft. Dazu kommt, dass das Drehbuch doof ist wie 10 Meter Feldweg und hier und da eher an Seagals Ostblockausflüge erinnert, denn an seine US-Filme – die eindeutig die besseren sind.

Keine allzu klare Empfehlung, aber einen Blick darf der geneigte Seagal-Freund durchaus riskieren.

WERTUNG: 5 von 10 Bechertricks.
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