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Steven Seagal: Shadow Man - Kurier des Todes

Steven Seagal: Shadow Man - Kurier des Todes

OT: Shadow Man
ACTION: RO/GB/USA, 2006
Regie: Michael Keusch
Darsteller: Steven Seagal, Eva Pope, Imelda Staunton, Vincent Riotta

STORY:

Der ehemalige CIA-Agent Steven Seagal muss geschäftlich nach Bulgarien. Dort gerät seine Tochter - die zum Urlaub machen vorausgeflogen ist - in eine Intrige um ein gefährliches CIA-Virus, dass eine Fantastiliarde Krankheiten im Opfer auslöst. Seagal bricht jede Menge Handgelenke um seine Tochter zu retten und die CIA aufzuhalten.

KRITIK:

Ich muss zugeben ich war sehr skeptisch, als ich SHADOW MAN – KURIER DES TODES am Steven Seagal-Freitagabend ins Abspielgerät geschoben habe. Und das obwohl Harald den Film vor einigen Jahren schon mal besprochen und als taugliche B-Actionware bewertet hat. Aber, SHADOW MAN ist mal wieder in Osteuropa – genauer gesagt in Bulgarien – produziert und gedreht worden. Und nachdem ich mich bereits durch einige beschissene Osteuropa-Klopper von Seagal gekämpft habe, bin ich, was das anbelangt, inzwischen etwas vorgeschädigt. Meine Freundin indes behauptet steif und fest, der anhaltende Seagal-Marathon – in letzten Wochen hab ich immerhin schon 24 Filme durchgebracht – hätte mich geistig sowieso geschädigt.

Ich persönlich kann das nicht nachvollziehen, abgesehen von dem latenten Drang die Augen zusammenzukneifen, buddhistisch angehauchte Lebensweisheiten von mir zu geben und Kerlen in den Sack zu treten, geht's mir eigentlich ziemlich gut. Vielleicht hat sie ja auch recht, denn wenn ich mal so schaue, was andere Leute – El Cheffe Haraldero ausgenommen – über SHADOW MAN so schreiben, dann ist das in der Regel wenig positives. Dabei haben wir es hier doch mit einem der besseren Seagal-DTV-Streifen zu tun. Vor allem mit einem der besten Ostblock-Filme Seagals.

Das liegt zum einen schon mal daran, dass Bulgarien nicht nur Dreh- sondern diesmal auch Handlungsort ist. Es zieht einfach nicht, Bulgarien als irgendein anderes Land zu verkaufen – es sei denn es soll ein ähnlich abgewracktes sein. Bulgarien sieht nicht aus wie die Deutschland, Paris, England oder gar die USA. Nicht einmal die Hauptstadt Sofia eignet sich dafür. Obwohl man die Stadt gut als Kulisse für einen Geschichtsfilm nutzen könnte – als Deutschland anno 1970 könnte das schon durchgehen, vor allem was die Autos angeht. Hier aber wird gleich klar gemacht, dass die Geschichte in Sofia spielt, weshalb es leichter fällt, sich auf das Setting einzulassen. Außerdem laufen oftmals einige heiße Schnitten in viel zu kurzen Hosen und Röcken im Hintergrund lang – die haben sie uns in den anderen Filmen vorenthalten. Oder die wurden diesmal einfach übers Set zu Seagals Wohnwagen geführt. Wer weiß das schon.

Hinzu kommt, dass die Handlung diesmal erstaunlich geradlinig erzählt wird. Klar, es ist und bleibt ein Seagal-DTV-Actioner, die Zeiten von NICO und DEADLY REVENGE sind vorbei – so simpel wird es nicht mehr. Aber im Gegensatz zu überladenen Handlungsstrang-Messis wie THE FOREIGNER wird das hier bei SHADOW MAN sauber durchgezogen. Was nicht bedeutet, dass die Geschichte in sich schlüssig ist oder generell viel Sinn ergibt.

Das fängt schon mal mit dem Projekt MK Ultra an. Ursprünglich in den 50er Jahren ins Leben gerufen, hatten die Amis in mehreren Testreihen und Versuchen, zusammengefasst unter dem Decknamen MK Ultra, nach effektiven Verhörmethoden – unter anderem unter dem Einsatz von LSD – geforscht. Bei einem Versuch wurden sogar heimlich größere Mengen LSD ins Trinkwasser bestimmter Bezirke gegeben um die Reaktionen der Bevölkerung zu untersuchen. Könnte einiges erklären, was in Amiland so abgeht.

Soweit ist der Film dem echten Projekt MK Ultra noch treu – es geht um Forschung und Versuche. In SHADOW MAN werden die an armen kleinen Mäusen durchgeführt, die sich nicht dagegen wehren konnten in einem Seagal-Film mitzuspielen. Natürlich kann man Mäuse verhören wie man will – mit Drogen oder ohne –, die Wahrscheinlichkeit, dass sie einem was verraten ist relativ gering. Macht aber auch nichts, denn das MK Ultra-Projekt hat ganz andere Ziele. Nämlich die Erschaffung eines Virus der die Zielperson mit Krebs, Grippe und allem was da draußen sonst noch so rumfleucht zu infizieren. Und nach 6-12 Monaten ist sie dann tot.

Sehr effektiv, sehr sinnvoll – viel hilft schließlich auch viel. Dass die Informationen dann auch noch auf einen kleinen Mikrochip – oder was auch immer das darstellen sollte – passt, der ungefähr halb so groß ist wie ein Stecknadelkopf und irgendwie mit Chemikalien behandelt werden muss um die Informationen preiszugeben, ist noch so ziemlich das sinnvollste und realistischste an der Geschichte. Dafür beschränken sich die handelnden Parteien diesmal auf vier und die wechseln auch nicht munter durch. Es gibt die CIA – inklusive einem Verräter, wer hätt's gedacht –, irgendwelche Schmuggler-Typen, die ihre Geschäfte aus einem Stripclub raus erledigen, die Taxifahrerin, die Seagals Tochter entführt um sie zu retten und Seagal. Ach und dessen Schwiegervater. Und den ehemaligen Kameraden von Seagal, der ihn verrät. Gut, im Endeffekt sind das doch einige Beteiligte und kompliziert ist es auch, aber nicht so wirr wie man da nun glauben mag.

Dass Seagal ein Ex-CIA-Agent ist – und zwar der Beste der Besten, eh klar – versteht sich wohl von selbst. Darüber hinaus leitet er inzwischen noch ein Fortune 500-Unternehmen und unterrichtet sein Aikido. Schüler wollte ich bei ihm allerdings nicht sein, denn er demonstriert seinen mächtigen Todesstoss an einem der jungen Recken – und fit sieht der danach nicht aus. Außerdem kann er so Melonen zum Platzen bringen. Die Technik erinnert stark an die Fünf-Punkte-Pressur-Herzexplosions-Technik aus KILL BILL Vol. 2, aber Seagal braucht selbstverständlich keine fünf Punkte dafür, sondern nur einen. Und er kann explodieren lassen, was er will – nicht nur das Herz. Dass er eine Technik vorführt, mit der er am Ende den Oberbösewicht töten wird, ist neu – aus Kung-Fu-Filmen nicht unbekannt, aus Seagal-Filmen schon eher.

Zudem bietet SHADOW MAN wieder einige lieb gewonnene Seagalismen, die in den vorherigen Ostblock-Filmen leider sträflich vernachlässigt wurden. So wendet er einige sehr schmerzhafte Gelenkhebel an um seine Gegner vorzuführen. Ähnliches bringt er auf einem Polizeirevier. Nachdem er verhaftet wurde, hat er keinen Bock mehr auf ein Verhör und steht einfach auf. Die (korrupten) Bullen, die sich ihm in den Weg stellen, werden kurzerhand platt gemacht. Da kommt richtig schönes Seagal-Feeling der alten Schule auf. Ansonsten verteilt er kräftige Tritte und Schläge in männliche Weichteile und zerstört zusätzlich einige Fenster. Dabei wird er natürlich heftig gedoubelt. Vor allem in Szenen in denen er sich bewegen muss, aber erstaunlicherweise wird er diesmal auch in Szenen gedoubelt, in denen es eigentlich nichts weiter zu tun gibt – eine Treppe runtergehen, durch ein Autofenster gucken und so weiter. Das einzige bei dem sich Seagal natürlich nicht doubeln lässt, ist die obligatorisch gewordene Gruselszene. Sprich: Seagal hat Sex. Brrr...

Seagals Tochter möchte mit ihm nach Bulgarien fliegen, aber nein, Papa hat einen wichtigen Termin am nächsten Tag. Daher soll seine Tochter schon mal mit ihrem Opa vorausfliegen, damit Seagal seinen wichtigen Termin wahrnehmen kann – ist ja schließlich Besitzer eines riesigen Unternehmens. Anstatt allerdings seinen Geschäften nachzugehen, umarmt er – auf merkwürdige Art und Weise und mit fettem Vergewaltiger-Grinsen im Gesicht – eine viel zu junge, viel zu gut aussehende Frau in seinem dunklen Wohnzimmer. Aber gut, ich will nicht zu schnell urteilen. Vielleicht ist genau das ja sein Geschäft und dem Fall wäre es wirklich sehr verantwortungsvoll von Seagal seine Tochter wegzuschicken, wenn er geschäftliches zu erledigen hat.

Die Action kommt in SHADOW MAN nicht zu kurz und glücklicherweise liegt der Fokus eher auf Seagal'schem Handgefuchtel, denn auf ausufernden Schießereien. Ich meine, ich mag Seagals Schießstil, aber es gibt doch nichts über gutes, knochenbrechendes Aikido. Der größte Schauwert ist die Explosion am Anfang des Films, die ordentlich reinhaut – optisch jedenfalls, auf der Sony-DVD stimmt irgendetwas nicht mit der Tonspur, weshalb sie nur sehr leise zu hören ist.

Die große Verfolgungsjagd die daraufhin folgt, ist nicht besonders spannend umgesetzt. Und leider verwechselt Michael Keusch, wie so viele seiner Kollegen, eine spastisch rumwackelnde Kamera mit Rasanz. Dafür ist sie absolutes Eyecandy in Sachen unfreiwilliger Komik. Seagal sitzt im Auto, das verglichen mit seiner Größe ungefähr die Maße eines Bobbycars hat, vor einem wirklich richtig schlechtem Greenscreen. Und gibt sich natürlich nicht die geringste Mühe so auszusehen, als würde er wirklich ein Fahrzeug steuern – ich will jedenfalls hoffen, dass er so nicht im echten Straßenverkehr unterwegs ist. Getoppt wird das nur von der CGI des explodierenden Hubschraubers. Wakaliwood lässt grüßen.

In diesem Sinne: "Bringen Sie mich irgendwohin wo ich brauchbare Drogen und Nutten kaufen kann." ...sagte Seagal nach Drehschluss zu seinem Fahrer.

Steven Seagal: Shadow Man - Kurier des Todes Bild 1
Steven Seagal: Shadow Man - Kurier des Todes Bild 2
Steven Seagal: Shadow Man - Kurier des Todes Bild 3
Steven Seagal: Shadow Man - Kurier des Todes Bild 4
Steven Seagal: Shadow Man - Kurier des Todes Bild 5
FAZIT:

SHADOW MAN mag nicht der beste Seagal Film sein, und auch nicht sein bester Film aus der DTV-Ära. Aber er ist definitiv einer der besten Ostblock-Filme Seagals. Schund wie THE FOREIGNER haushoch überlegen, bietet er halbwegs solide Aikido-Action und einige liebgewonnene Seagalismen. Die Handlung ergibt hinten wie vorne keinen Sinn, ist aber wenigstens nicht so zerfasert wie in vergleichbaren Werken. Dass Seagal sich für jeden Scheiß doubeln lässt gehört inzwischen eh zum guten Ton, aber er ist erstaunlich oft selbst im Bild. Dazu kommt, dass SHADOW MAN relativ temporeich inszeniert ist, und für genügend trashige Unterhaltung ist sowieso gesorgt. Alles in allem also kurzweilige Seagal-Action für zwischendurch.

WERTUNG: 6 von 10 verstörenden Sexszenen mit Seagal.
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