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Steven Seagal: Urban Justice - Blinde Rache

Steven Seagal: Urban Justice - Blinde Rache

OT: Urban Justice
ACTION: USA, 2007
Regie: Don E. FauntLeRoy
Darsteller: Steven Seagal, Eddie Griffin, Carmen Serano, Cory Hart, Liezl Carstens

STORY:

Steven Seagal ist ein ehemaliger Spezialagent. Oder ein ehemaliger Glimmer Man. Oder beides. Als sein Sohn in einem Ghetto auf offener Straße erschossen wird, nimmt er das Gesetz selbst in die Hand und sorgt für URBAN JUSTICE.

KRITIK:

Wer bis hierhin daran geglaubt hat, noch mal einen schnörkellosen Seagal-Film geliefert zu bekommen, ist wohl ein hoffnungsloser Optimist. Aber wie heißt es so schön, die Hoffnung stirbt zuletzt und manchmal geschehen noch Zeichen und Wunder. Und manchmal haben sogar Optimisten Recht. URBAN JUSTICE ist so ein Wunder – ein Seagal-Film der alten Schule, produziert und gedreht während der qualitativ eher mauen DTV-Ära Seagals. Ganz in der Tradition der alten Filme, die Seagal berühmt und berüchtigt gemacht haben, wie NICO oder dem kompromisslosen DEADLY REVENGE - DAS BROOKLYN-MASSAKER.

Endlich werden wieder Seagalismen aufgefahren, bis zum Abwinken. Das fängt schon mit der Geschichte an, die einfacher nicht sein könnte. Endlich keine drölfzig Parteien, von denen mindestens die Hälfte erst kurz vor Ende ins Spiel einsteigt, die alle für verschiedene Interessen kämpfen. Keine mysteriösen Päckchen, keine bio-chemischen Kampfstoffe die Pest, Krebs, Aids und Kopfweh auslösen. Keine komischen U-Boot-Besatzungen (SUBMERGED) oder dämliche Rapper (HALB TOT) mit Frettchen-Visage.

Nein, in URBAN JUSTICE geht es einfach wieder richtig martialisch zu. Ein korrupter Bulle lässt Seagals Sohn töten. Und wie wir alle aus früheren Seagal-Filmen wissen, bedeutet das gebrochene Knochen, zermatschte Eier und jede Menge Schmerzen für die Bösen. Und so kommt es dann auch. Seagal zieht in die Gegend in der sein Sohn ermordet wurde und hat fortan nur noch ein Ziel vor Augen – Rache. Er versucht nicht die verschiedenen Banden, die in dem Viertel regieren, gegeneinander auszuspielen und hat auch keine cleveren Tricks auf Lager. Der Seagal in URBAN JUSTICE ist einfach nur ein harter Knochen, der einen Gegner nach dem anderen verstümmelt, bis ihm jemand sagt, was er wissen will.

Interessanterweise ist Seagal diesmal kein Ex-CIA-Agent, jedenfalls nicht, dass es uns bekannt wäre. Denn seine Vergangenheit wird geheim gehalten. Normalerweise ist das erste was klar gemacht wird, welchem Geheimdienst er angehört hat und wo er seine brutalen Fertigkeiten gelernt hat. In URBAN JUSTICE bleibt das alles eher nebulös, bis auf einige kleinere Andeutungen, die klar machen, dass er früher durchaus im GLIMMER MAN-Bereich tätig war. Aber von Anfang wird klar, dass er nicht der nette Papi von nebenan ist, der sich auf die Polizei bei der Auflösung des Mordes verlassen wird. Weswegen ihn seine Ex-Frau ihn "beauftragt" die Mörder ihres Sohnes zu finden und zu bestrafen.

So sucht er im Ghetto von Anfang an Streit und als ihn vor seiner vergammelten Bude, die direkt an einen Schnapsladen grenzt, zwei Hispanics anquatschen, ist sofort klar, dass das nicht gut ausgehen wird… für die beiden. Und siehe da, ein paar Sekunden später ist klar, dass der Neue in der Nachbarschaft keinen Spaß versteht. Wie Seagal danach seelenruhig seinen Kram aus dem Kofferraum holt und in die Wohnung bringt, ist so kaltschnäuzig wie in HARD TO KILL, als er die Kerle verkrüppelt, die den Schnapsladen überfallen in dem er eine Flasche Schampus kaufen will – und dann seelenruhig damit nach Hause geht.

Überhaupt ist URBAN JUSTICE voll lieb gewonnener Seagalismen. Das fängt schon damit an, dass ein Angehöriger Seagals ermordet wird und er sich auf einen blutigen Rachefeldzug begibt. Die letzten paar Male war das alles eher schwammig. Dazu verteilt er HandgelenksbrücheTM en masse und auch die Intimbereiche zahlreicher Gegner sind nicht sicher vor den mächtigen Fäusten des Meisters. Ein unglücklicher Aushilfsgangster bekommt gar 11-mal kräftig in die Säcke getreten bevor Seagal ihm das Licht ausknipst. Das ist Rekord!

Was überdies auffällt ist, dass Seagal das erste Mal seit BELLY OF THE BEAST so richtig Lust auf einen Film gehabt zu haben scheint. Während er sich durch die letzten Filme eher "quälte" – mit einem Gesichtsausdruck der sagt, er würde sich lieber ohne Betäubung Hämorrhoiden entfernen lassen, als am Set zu sein –, gibt er sich dieses mal richtig Mühe. Natürlich ist die schauspielerische Raffinesse Seagals eher limitiert, aber dieses Wilde, Ungezügelte, das ihn in DEADLY REVENGE und NICO so unberechenbar hat wirken lassen, das kommt eindeutig durch. Zusammen mit einer tiefsitzenden Gleichgültigkeit den Dingen gegenüber – Seagal sowie die Figur, die er hier spielt, hat einfach schon zu viel gesehen.

Das findet auch Ausdruck in dem Umstand, dass er nicht auf der Suche nach den Hintermännern des Mordes ist. Es interessiert ihn nicht, wer in dem Ghetto das sagen hat, wer gegen wen Krieg führt. Es ist ihm auch scheißegal, wer den Auftrag für den Mord gegeben hat und warum. Es geht ihm einzig darum den Mörder seines Sohnes zu finden und mit ihm abzurechnen. Nicht mehr und nicht weniger. So lässt er sogar einen Bandenchef einfach stehen, einen Mann der seine eigenen Leute erschießt, wenn ihm danach ist, oder auch seine Nutten. Aber er hat nicht auf Seagals Sohn geschossen, daher ist das seine Sache und nicht die Seagals. Das ist insofern interessant, als dass er in HARD TO KILL noch jeden ausgeschaltet hat, der etwas mit dem Mord an seiner Frau zu tun hatte – vom Auftraggeber bis hin zum kleinen Handlanger und jedem dazwischen.

Regisseur Don E. Fauntleroy hat den brutalen Rachefeldzug Seagals in gelungenen Bildern eingefangen und hält für 90 Minuten ein großartiges Tempo aufrecht, das keinerlei Längen entstehen lässt. Dabei hat er es geschafft, bis hierhin, als einziger Regisseur der DTV-Ära, den Stuntman-Einsatz soweit zu verschleiern, dass es kaum auffällt. Gut, ich denke, dass Seagal vieles wirklich selber gedreht hat und auch in den Kampfszenen zeigt er, dass er den ein oder anderen schmerzhaften Aikido-Griff noch drauf hat. Mindestens aber die Tritte und wohl auch einige größere Wurfmanöver dürften von Stuntleuten ausgeführt worden sein. Allerdings sind Fauntleroys Aufnahmen so geschickt geschnitten, dass man URBAN JUSTICE gucken kann, ohne heitere Runden "Wo ist der Stuntman" zu spielen.

Die Schläge und Tritte wirken schon durch den Schnitt und den Tonschnitt sehr hart, aber Seagals physische Präsenz verleiht dem Ganzen noch sehr viel mehr Wucht. Auch wenn viele –- inklusive mir, manchmal – sich gerne über Seagals in den letzten Jahren angehäufte Leibesfülle lustig machen. Sie verleiht ihm eine bedrohliche Präsenz. Der wütende, ungehaltene schlanke Seagal der frühen Jahre ist einem gewaltigen Koloss gewichen der – zumindest in den gut geschnittenen Kampfszenen – noch mordsmäßig austeilen kann. In URBAN JUSTICE wird das einmal mehr überdeutlich.

In diesem Sinne: "I'm the one who's going to do some fucking now!"

Steven Seagal: Urban Justice - Blinde Rache Bild 1
Steven Seagal: Urban Justice - Blinde Rache Bild 2
Steven Seagal: Urban Justice - Blinde Rache Bild 3
Steven Seagal: Urban Justice - Blinde Rache Bild 4
FAZIT:

Dieser Film ist ein kleines Wunder. Ein harter, kompromissloser Seagal-Actioner der alten Schule und das aus dem Jahr 2007. Da Seagal es inzwischen weitestgehend aufgegeben zu haben scheint, seine Botschaften zu einem wichtigen Bestandteil seiner Filme zu machen, um so vielleicht doch mal den Planeten zu retten, gibt es nicht einmal unfreiwillig komische Monologe über die Schandtaten von Ölfirmen oder die Mitschuld eines jeden Bürgers. Dafür gibt es dann 90 Minuten auf die Fresse – und in die Säcke – vom feinsten. Mt einem gut aufgelegten Seagal und einer ganzen Menge HandgelenksbrüchenTM. Garantiert jugendgefährdend und daher in Deutschland indiziert. DEADLY REVENGE - DAS BROOKLYN-MASSAKER lässt grüßen.

WERTUNG: 8 von 10 kräftigen Tritten in die Weichteile.
Dein Kommentar >>
Hockeymask86 | 11.04.2018 15:21
Oh ja der ist echt gut und schön hart.So wie das sein muss,ohne überflüssiges Geschwurbel. Die obligatorische Sexszene fehlte ja auch. Einzig die billige Optik könnte ich negativ aufführen.
Als nächstes bitte`Driven to Kill` oder`A Dangerous Man`.
Johannes | 11.04.2018 21:16
DRIVEN TO KILL kommt bald, aber vorher noch DEATHLY WEAPON, KILL SWITCH und AGAINST THE DARK.
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