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Terminator: Dark Fate

Terminator: Dark Fate

ACTION: USA, 2019
Regie: Tim Miller
Darsteller: Mackenzie Davis, Arnold Schwarzenegger, Linda Hamilton, Brett Azar, Gabriel Luna

STORY:

REV-9 heißt das neueste, unkaputtbare und mit diversen mörderischen Gimmicks hochgepimpte Terminator-Modell. Es wurde nach Mexico City geschickt, um eine junge Frau zu töten, die in einer unerquicklichen Zukunft, in der eine künstliche Intelligenz der Menschheit den Krieg erklärt hat, einmal eine tragende Rolle spielen wird. Eine ebenfalls aus der Zukunft geschickte Soldatin, halb Mensch, halb Maschine, kann das Schlimmste verhindern. Vor allem aber hat der REV-9 die Rechnung ohne Sarah Connor gemacht, die da plötzlich auf der Autobahn steht: Gealtert, aber durchtrainiert, bis an die Zähne bewaffnet und sichtlich schlecht gelaunt. Und irgendwo in Texas wartet dann noch ein alter Bekannter ...

KRITIK:

Hat die Welt tatsächlich einen weiteren Terminator-Film gebraucht? Die Antwort ist ein klares Jein. Ja, weil es nie genug Sci-Fi-Action-Spektakel mit philosophischem Unterbau und bombastischen Schauwerten geben kann. Nein, weil man es mit James Camerons gewaltigem TERMINATOR 2: JUDGMENT DAY von 1991 eigentlich hätte bewenden lassen sollen.

TERMINATOR: DARK FATE macht dann auch das einzig Richtige: Er ignoriert die drei mittelguten bis nichtsnutzigen Fortsetzungen und setzt direkt am Ende von Judgement Day an. Das große Asset des Films ist natürlich die Rückkehr von Linda Hamilton, mittlerweile 63. Der Jugendwahn in Hollywood, der Schauspielerinnen jenseits der 40 aufs karrieretechnische Abstellgleis zu verfrachten pflegte, scheint offensichtlich außer Kraft gesetzt worden zu sein. Das ist natürlich eine gute Nachricht. Auch für den anderen Star der Reihe. Ich denke, dass die Drehbuchautoren gewiss eine Zeitlang beschäftigt waren, um eine plausible Erklärung für die ergraute äußere Hülle des T-800 zu finden. Ohne viel zu spoilern lässt sich festhalten, dass Schwarzeneggers Rolle durchaus umfangreich ist und weit über den meinerseits befürchteten halblustigen Cameo-Auftritt hinaus geht.

Eine andere Befürchtung meinerseits trat ebenfalls nicht ein: Regisseur Tim Miller kannte ich nur von dieser zynisch-ärgerlichen Comic-Blockbuster- ja was eigentlich - Verarsche? - namens DEADPOOL. Ein Film, so vollgestopft mit doofpubertären und weitestgehend unlustigen Fäkal-Deppensprüchen, als hätte die Vice-Redaktion auf Crack den Audiokommentar zu SCARY MOVIE eingesprochen. Und ausgerechnet dieser Mann soll die TERMINATOR-Reihe, die vielleicht ikonischte Sci-Fi-Reihe der Filmgeschichte, die bahnbrechende Action mit emotionalem Erzählkino kombinierte, in die Gegenwart transformieren? Massive Zweifel waren angebracht. Doch James Cameron hat als Drehbuchautor und Produzent darüber gewacht, dass der übermütige Jungstar am Regiestuhl keinen Blödsinn macht. Und vor allem den Spirit des Originals trifft. Das funktioniert über weite Strecken tatsächlich ziemlich gut. Weil der Film auf blöde Witze glücklicherweise verzichtet und einen fast schon heiligen Ernst an den Tag legt. Was ich mir von diesem Regisseur tatsächlich nicht erwartet hätte.

Inhaltlich ist man natürlich auf der Höhe der Zeit: Die Frauen geben den Ton an. Die Zukunft ist weiblich. Because it's 2019. Die TERMINATOR-Reihe hatte ja stets eine sehr weibliche Ausrichtung. James Cameron hat diesbezüglich Pionierarbeit geleistet und mit Sarah Connor eine weibliche Ikone des Actionfilms geschaffen. Zu einer Zeit, als der Actionfilm eine streng männliche Domäne war und weibliche Action-Heldinnen lediglich im Martial Arts-Kino aus Hongkong Knochen (und Herzen) brechen durften. Wobei Namen wie Michelle Yeoh oder Cynthia Rothrock heute der Masse der Kinogänger wohl nichts mehr sagen dürften.

Fatalerweise schwächelt TERMINATOR: DARK FATE dann aber in seiner Kernkompetenz, den Spezialeffekten: Nach einem furiosen Einstieg und einer pulssteigernden Verfolgungsjagd, die im Grunde die gesamte erste Hälfte des Films einnimmt, bricht irgendwann ein ödes, grotesk billig wirkendes CGI-Bombardement von der Festplatte über die Zuseher herein. Ernsthaft, diese nicht enden wollende Sequenz, die aus unerklärlichen Gründen ein Militärflugzeug, einen Humvee und einen Staudamm involviert, ruiniert den Film beinahe. Bis er ganz am Ende doch noch die Kurve kriegt und mit einem angemessen körperlichen Showdown für den CGI-Overkill zuvor entschädigt.

Terminator: Dark Fate Bild 1
Terminator: Dark Fate Bild 2
Terminator: Dark Fate Bild 3
Terminator: Dark Fate Bild 4
Terminator: Dark Fate Bild 5
FAZIT:

Was darf man sich von einem TERMINATOR-Film Anno 2019 erwarten? Bombastische Schauwerte und Actionsequenzen, die dich in den Kinosessel drücken? Ja, hat er über weite Strecken. Arnold Schwarzenegger und Linda Hamilton. Ein starkes Frauen-Ensemble, das den Film trägt. Eine Geschichte, die jetzt zwar nicht die großen Antworten auf alle Fragen unserer von Digitalisierung, Demokratiemüdigkeit und Social Media-Irrsinn geprägten Gegenwart liefert, aber auch nicht deine Intelligenz beleidigt. James Cameron leider nur als Produzent, nicht als Regisseur. Schade, dann hätte der Film wohl anders ausgesehen: Einheitlicher, nicht diese visuell stellenweise unausgegorene Mixtur aus grobkörniger Achtziger-Hommage und CGI-Wahnsinn, der mehr nach Streaming-Fernsehen als nach großem Kino aussieht. Anyway, letztlich ist das Jammern auf recht hohem Niveau. Ein Kinobesuch sollte auf alle Fälle eingeplant werden.

WERTUNG: 7 von 10 Handies im Chips-Sackerl
Dein Kommentar >>
Tim | 06.11.2019 23:28
Deadpool scheint tatsächlich als Trauma bei dir tief zu sitzen, lieber Harald :) Nimms mir nicht übel, aber ich muss immer schmunzeln wenn du den Film aufgreifst. Danke für diese, wie gewohnt, gute Kritik!
>> antworten
Djan | 05.11.2019 01:27
Hm... Terminator 1 and 2. Danach kommt ja nichts mehr meiner Meinung nach. Aber die Rezi hat mich motiviert mir den Film doch mal zu Gemüte zu führen.
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