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The Autopsy of Jane Doe

The Autopsy of Jane Doe

HORROR: USA, 2016
Regie: André Øvredal
Darsteller: Brian Cox, Emile Hirsch, Ophelia Lovibond, Olwen Kelly

STORY:

Im Keller eines Hauses irgendwo in Suburbia findet die Polizei fünf Leichen. Vier davon sind eines gewaltsamen Todes gestorben. Die fünfte, eine unidentifizierbare Frau Mitte 20, scheint äußerlich völlig unversehrt. Mit dem Platzhalter-Namen "Jane Doe" landet sie am Autopsie-Tisch. Und die Bestattungsunternehmer Brian Cox und Emilie Hirsch erleben eine Überraschung nach der anderen.

KRITIK:

"Tsssssschhhrrrriiiek". Das Geräusch einer Knochensäge, wenn sie die Fontanelle durchtrennt und das Gehirn freilegt, ist Musik in den Ohren des Leichenbeschauers Tommy Tilden (Brian Cox), der mit seinem Sohn Austin (Emile Hirsch) ein Bestattungsunternehmen samt Leichenschauhaus und Krematorium betreibt. Da kann man schon mal überhören, dass der Sturm draußen auf Orkanstärke anschwillt und das alte Radio eben selbsttätig den Sender gewechselt hat.

Es ist spät, und der Sheriff will bis morgen Früh Ergebnisse sehen: Es gilt, die Todesursache einer unidentifizierbaren, äußerlich unversehrten weibliche Leiche festzustellen. Mit jedem Arbeitsschritt, den der Vater auf Video dokumentiert, wird der Fall mysteriöser. Und bedrohlicher.

THE AUTOPSY OF JANE DOE ist der Hollywood-Einstand des norwegischen Regisseurs André Øvredal. Und, verdammt, einen derartig intensiven und ernsthaft unheimlichen Film hätte ich dem nordischen Troll-Jäger nicht zugetraut. Der Film beginnt mit zupackendem Naturalismus: Crime Scene, Polizeieinsatz, Leichenschauhaus. Alles auf dem Boden der Tatsachen, und immer frontal draufgehalten. Von einem Film, der eine Autopsie im Titel trägt, darf man ja durchaus zu Recht erwarten, dass die Ausweidungsszenen genüsslich - ähm - ausgeschlachtet werden.

Ein paar Anflüge von schwarzem Humor federn das Geschehen anfangs noch ab. Mit "I'm a traditionalist" erklärt Brian Cox, warum den Leichen eine Glocke an die Arme gebunden wird. Damit sie sich bemerkbar machen kann, für den Fall, dass eine wieder aufwacht. Ohne viel zu verraten, aber dieses Geräusch werden Vater und Sohn im Laufe des Films öfter zu hören bekommen, als ihnen lieb sein wird.

Ausgesprochen geschickt und effizient baut André Øvredal eine Atmosphäre permanenter Bedrohung auf. Das durch Mark und Bein gehende Sound-Design, der morbide unterirdische Schauplatz und natürlich der mysteriöse tote Körper: Das ist der Stoff, aus dem die Albträume sind. Und der Film ist wirklich, und ich meine: wirklich, wirklich gruselig. Ich sah nach der Vorstellung (Österreich-Premiere am /slash-Filmfestival) gestandene Männer ziemlich bleich aus dem Kinosaal taumeln.

Dem historisch bewanderten Film-Nerd wird wahrscheinlich eine feine, nebelverhangene Referenz an Lucio Fulcis L'ADILDA nicht entgangen sein, und ich vermute auch, dass der Regisseur RE-ANIMATOR zu seinen Lieblingsfilmen zählt.

Über den übernatürlichen Twist kann man jetzt lange diskutieren. Mir persönlich wäre eine "irdische" Auflösung lieber gewesen. Aber in einer Zeit, in der die religiöse Gegenaufklärung wieder fröhliche Urstände feiert, darf man es dem Kino nicht verübeln, diese Tendenzen zu reflektieren. Wie auch immer: THE AUTOPSY OF JANE DOE ist ein wirklich großartiger, überraschender und gruseliger Horrorfilm.

The Autopsy of Jane Doe Bild 1
The Autopsy of Jane Doe Bild 2
The Autopsy of Jane Doe Bild 3
The Autopsy of Jane Doe Bild 4
The Autopsy of Jane Doe Bild 5
FAZIT:

A scheene Leich' liegt auf dem Tisch. Und Emile Hirsch und Brian Cox erleben als Leichenbeschauer den unheimlichste Nacht ihres Lebens. Der erste Hollywood-Streich von TROLLHUNTER-Regisseur André Øvredal. Scared the shit out of me. So soll es sein.

WERTUNG: 8 von 10 Knochensägen
Dein Kommentar >>
Rolf | 12.05.2017 17:11
Hollywood-Debut? Die ofdb sagt, es sei ein britische Produktion.
Harald | 12.05.2017 20:35
Ja, eh. Gedreht in GB, mit amerikanischen Co-Produzenten.
>> antworten
Jules | 10.05.2017 09:54
Ein wirklich toller, kleiner Horror-Streifen mit fantastischer Doppelconference zwischen Brian Cox und Emile Hirsch. Aber einen "Twist" hätte das Ende meiner Meinung nach nur dann gehabt, HÄTTE es eine "irdische" Lösung gegeben...so war es eigentlich nur konsequent, wenngleich auch etwas unbefriedigend.
Harald | 10.05.2017 12:44
Da kommt sicher noch so ein Found Footage-Sequel mit der Video-Aufzeichnung (die auf wundersame Weise doch nicht verbrannt ist.)
Jules | 10.05.2017 15:52
Bitte, bitte nicht :)
>> antworten


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