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The Final Girls

The Final Girls

KOMÖDIE: USA, 2015
Regie: Todd Strauss-Schulson
Darsteller: Taissa Farmiga, Nina Dobrev, Malin Akerman, Alexander Ludwig, Alia Shawkat

STORY:

Max' Mutter war Schauspielerin und hatte nur eine große Rolle - in dem kultisch verehrten Slasherfilm CAMP BLOODBATH. Bei einem Autounfall verliert Max ihre Mutter, weswegen sie auch keine große Lust hat, als Stargast einer Kinovorführung des Films durch den örtlichen Filmclub beizuwohnen. Als sie doch hingeht, geschieht das Unfassbare - zusamen mit ihren Freunden landet sie im Film. Kann sie ihre Mutter wenigstens in dieser Realität retten?

KRITIK:

Das Thema von FINAL GIRLS ist nicht unbedingt neu, schon Arnold Schwarzenegger erhielt als LAST ACTION HERO Besuch aus der realen Welt und selbst Thomas Gottschalk und Mike Krüger konnten in DIE EINSTEIGER munter durch die bunte Filmwelt blödeln – allerdings im handlichen Fernsehformat. In FINAL GIRLS wird nun eine Gruppe in den Film CAMP BLOODBATH gezogen, ein Film der zufälligerweise eine Menge Ähnlichkeit mit der FREITAG DER 13.-Reihe hat.

Dabei hatte ich zunächst meine Befürchtungen, denn zu verlockend wäre es doch einfach eine Gruppe totaler Freaks in dieses Abenteuer zu schicken, die ständig alles wissen, jede Figur kennen und die Horrorfilmwelt abfeiern bis zum Abwinken. Dazu hätte noch jeder von ihnen ein T-Shirt mit dem Plakat eines anderen berüchtigten Kultfilms getragen – wahlweise natürlich FREITAG DER 13., ZOMBI, TEXAS CHAINSAW MASSACRE oder wenn's ganz abgegroovt sein soll auch TANZ DER TEUFEL. Und nicht zu vergessen die plakativsten Zitate der Filmgeschichte rauszuhauen, als wär's THE EXPENDABLES 3.

Glücklicherweise wurden meine Befürchtungen nicht erfüllt, denn das Kreativteam um Regisseur Todd Strauss-Schulson hat letztlich eine liebevolle und dezente Hommage an das Slasher-Genre im Allgemeinen und FREITAG DER 13. im Speziellen geschaffen, die im Kern glücklicherweise einen "character driven"-Ansatz verfolgt, anstatt die Action in den Vordergrund zu stellen.

Ein Kritikpunkt in einigen Besprechungen die ich zu FINAL GIRLS gelesen habe, war dann auch, dass es keine blanken Brüste und kaum Gore, höchstens etwas Splatter gäbe. Da stellt sich mir nun die Frage, ob es das überhaupt bräuchte. Klar, das sind wichtige Komponenten des Slasher-Genres, aber um ehrlich zu sein können einige Filme auch nicht mit viel mehr aufwarten, als eben jenen reißerischen Elementen. Auch will FINAL GIRLS keine Parodie im eigentlichen Sinne sein. Wer das erwartet, sollte vielleicht lieber SCARY MOVIE oder ICH WEISS WAS DU LETZTEN FREITAG DEN 13. GETAN HAST schauen. Da geht's dann auch deftiger zur Sache.

In FINAL GIRLS zählen vielmehr die mitunter skurrilen und liebenswerten Figuren. Ebenso die zahlreichen Anspielungen auf die FREITAG DER 13.-Reihe, die die Geschichte um Max, die ein letztes Mal ihre Mutter treffen darf, abrunden. Wenn ich Strauss-Schulson Film etwas vorzuwerfen hätte, dann dass die beiden Autoren M. A. Fortin und Joshua John Miller gerne öfters mit meinen Erwartungen als Zuschauer hätten spielen können. Obwohl alles auf das unweigerliche Finale eines Horrorfilms hinauslaufen muss, das versteht sich von selbst, hätte der Weg dahin doch gerne etwas öfters einen Umweg nehmen können.

Die Kameraarbeit und Inszenierung, zusammen mit den liebenswürdigen Figuren, stellen unterdessen das Kernstück des Films. Die Idee gefällt, dass die Titel im Film Camp Bloodbath dreidimensionale Objekte in der Filmrealität sind, oder dass Max und ihre Freunde ihre Farbe verlieren, sobald sie in eine Rückblende "fließen". Dazu kommt, dass viele Einstellungen am Computer nachbearbeitet wurden um den Ton der Bilder zu verändern. Einige CGI-Spielereien sind zwar als solche zu erkennen, letztlich passt das aber wunderbar zum der ohnehin etwas künstlichen Atmosphäre.

Normalerweise erwähne ich den Datenträger nicht in meinen Besprechungen, möchte in diesem Fall aber gerne die Blu-ray empfehlen. Denn dort sind unter anderem herausgeschnittene oder alternative Szenen enthalten, die besonders mit dem zugehörigen Audiokommentar von Regisseur Strauss-Schulson unterhaltsam und vor allem informativ zugleich sind. Man merkt, dass er an diesen Film mit richtig viel Herzblut gearbeitet hat. Das Originalende ist zudem auch enthalten; das nachgedrehte, jetzt im Film enthaltene Ende, ist eindeutig das bessere. Die Produktions-/Story Board-Notizen von Strauss-Schulson zum kompletten Film sind außerdem eine nette Dreingabe im PDF-Format.

In diesem Sinne: "Ich fass es nicht, dass wir die beiden gleich live sterben sehen werden. Wo sind wir, in Detroit?"

The Final Girls Bild 1
The Final Girls Bild 2
The Final Girls Bild 3
The Final Girls Bild 4
The Final Girls Bild 5
The Final Girls Bild 6
FAZIT:

Wer auf der Suche nach Schlitzern, Blut und Titten ist, sollte sich lieber einen richtigen Slasher ansehen – FREITAG DER 13. - TEIL IV, zum Beispiel. Wer eher eine derbe "Mitten in die Fresse rein"-Parodie auf Slasherfilme sucht, ist mit SCARY MOVIE sicherlich besser bedient. FINAL GIRLS hingegen bettet seine dezente Genreparodie ein in die Geschichte einer Tochter, die ihre Mutter verloren hat. Durch den (unfreiwilligen) Ausflug in die Film-Film-Realität bekommt sie die Gelegenheit, sich richtig von ihr zu verabschieden. Doch keine Sorge, die Tränendrüse hat nicht viel zu tun. Denn viel zu unterhaltsam, zu komisch und skurril ist die Truppe um Final Girl Max. So sorgen ihre Eskapaden in der Filmwelt des Camp Bloodbath für fast rundum gelungene Unterhaltung.

WERTUNG: 8 von 10 vorbeifahrenden VW-Bussen.
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