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The Hideout

The Hideout

OT: Il nascondiglio
GIALLO: ITALIEN, 2008
Regie: Pupi Avati
Darsteller: Laura Morante, Rita Tushingham, Treat Williams, Burt Young

STORY:

Das kleine im amerikanischen Bundesstaat Iowa gelegene Provinzstädtchen Davenport im Jahre 1957: In einem Waisenhaus werden drei weibliche Angestellte brutal ermordet und zwei junge Mädchen sind ab diesem Ereignis spurlos verschwunden ...

Davenport in der Gegenwart: Die junge, hübsche Lee kauft das seit den damaligen tragischen Ereignissen noch immer leerstehende Gebäude, um dort ein italienisches Restaurant zu eröffnen. Lee wurde vor kurzem aus einem Sanatorium entlassen, in dem sie behandelt wurde, weil sie seit dem Selbstmord ihres Mannes vor 15 Jahren, Stimmen hörte. Nun meint sie, in dem alten Gebäude ebenfalls Stimmen zu hören und die Präsenz eines seltsamen Wesens wahrzunehmen ...

KRITIK:

Unglaublich, aber wahr: Nach fast 15 jähriger Genrekino-Abstinenz hat der italienische Altmeister Pupi Avati mit THE HIDEOUT nicht nur einen neuen Giallo im Stile seines Meisterwerks THE HOUSE WITH LAUGHING WINDOWS (1976) gedreht, nein, der im Original mit IL NASCONDIGLIO betitelte Film ist auch noch rundum gelungen! Somit avanciert Avati zum letzten überlebenden Helden des italienischen Genrekinos der 70er Jahre, der weder in Berlusconis TV-Hölle verrottet, noch dabei ist, wie Dario Argento seine eigene Legende durch immer ranzigere neue Filme langsam, aber sicher zu zerstören.

THE HIDEOUT ist wieder ein typischer Avati geworden: Die Handlung kreist wie in THE HOUSE WITH LAUGHING WINDOWS oder dem von ihn geschriebenen THE ROOM NEXT DOOR (1994) erneut um seltsame Vorkommnisse in einem alten Gebäude mit einer unheilvollen Vergangenheit. Doch im Gegensatz zu diesen beiden älteren Filmen, spielt die Handlung diesmal in unserer Gegenwart. Der Ort Davenport ist zwar durchaus provinziell, jedoch zugleich eindeutig eine moderne amerikanische Stadt. Und Avati weiß den Gegensatz zwischen der sehr sterilen gegenwärtigen City und dem wie ein altes Hexenhaus wirkenden ehemaligen Waisenhaus durchaus zu Gunsten der Atmosphäre des Filmes auszuspielen: Jeder Gang in dieses Gebäude wirkt wie der Eintritt in eine andere, verwunschene Welt.

Zu der äußerst stimmigen Atmosphäre, die THE HIDEOUT kennzeichnet, trägt auch sehr ein ebenfalls äußerst gelungener Score von Riz Ortolani bei. Wie die Kollegen von www.dasmanifest.com bereits sehr richtig angemerkt haben, bedient sich Pupi Avati zur Schaffung der richtigen Atmosphäre bei durchaus bekannten Bildern, die man zum Teil bereits von den Gothik-Horror-Filmen Mario Bavas aus den 60er Jahren kennt.

Allerdings schafft es Avati auch, diese durchaus klischeehaften Elemente auf eine frische Weise zu filmen. Und wie es eben seine Art ist, sind die Ergebnisse meist ebenso unaufgeregt, wie innovativ. So sind z.B. altbekannte Situationen aus neuen, originellen Perspektiven gefilmt, die ihren Einfallsreichtum jedoch niemals aufdringlich zur Schau stellen, sondern meist wie selbstverständlich daherkommen.

Natürlich erfindet Avati mit THE HIDEOUT auch vom Inhalt her das Rad keineswegs neu. Die Tatsache, dass er mit diesem Film direkt an vorherige Filme, wie z.B. THE HOUSE WITH LAUGHING WINDOWS anknüpft, bedeutet eben auch, dass Avati hier mehr bekannte Themen variiert, als dass er etwas vollkommen Neues erfinden würde. Aber damit befindet er sich zugleich durchaus in bester Gesellschaft. Denn wie viele andere wahre (Film-)Künstler, hat eben auch Pupi Avati ganz bestimmte Grundthemen, die ihn so sehr interessieren, dass er diese immer weiter vertieft und variiert.

Allerdings muss auch gesagt werden, dass im Gegensatz zu seinen älteren, ähnlich gelagerten Werken, in IL NASCONDIGLIO der ganz große Knall zum Schluss ein wenig ausbleibt. Dies ist die wohl einzige leichte Schwäche dieses ansonsten sehr starken Horror-Giallos: Gerade im direkten Vergleich zu THE HOUSE WITH LAUGHING WINDOWS wirkt das Ende in THE HIDEOUT dann doch ein wenig zahm.

The Hideout Bild 1
The Hideout Bild 2
The Hideout Bild 3
The Hideout Bild 4
The Hideout Bild 5
The Hideout Bild 6
The Hideout Bild 7
FAZIT:

Der Giallo (und mit ihm eigentlich das gesamte italienische Genrekino) ist nun bereits seit gut 20 Jahren mausetot?!! - Jein!!! - Auch wenn die meisten alten Heroen inzwischen das Zeitliche gesegnet haben oder Filme drehen, bei denen man meinen könnte, es wäre besser, wenn auch deren Regisseure endlich auf die eine oder andere Art abtreten würden... - Immerhin einer der alten Recken ist auch heute weder Berlusconi-verblödet noch von einsetzender Senilität geschlagen. Die Rede ist hier selbstverständlich nicht von Dario Argento, sondern von Pupi Avati. Der hat nach gefühlten Ewigkeiten endlich wieder einen richtig schön altmodischen Giallo-Horror-Thriller gedreht und der ist sogar richtig gut! THE HIDEOUT heißt das Werk und ist in Italien als IL NASCONDIGLIO auf DVD erschienen: Kaufen!!!

WERTUNG: 8 von 10 mysteriöse Stimmen im alten, verwunschenen Waisenhaus
TEXT © Gregor Torinus
Dein Kommentar >>
Marcel | 21.06.2011 12:53
Leider hat die DVD nur eine Sprache im Angebot. Wundert mich immer wieder, dass Mauritia, Chris und Du anscheinend so gut italienisch sprecht. Alle Achtung. Meine Brocken reichen gerade mal, um mich in Rom zur Not auf italienisch verständlich zu machen, eine Konversation schließe ich aber aus. Den Kauf der DVD damit leider auch.
Chris | 21.06.2011 17:25
Ich für meinen Teil muss gestehen, dass mein Sammeltrieb des
Öfteren über die Vernunft obsiegt. Wenn mir ein Film unter den
Nägeln brennt und ich weiß, dass es das verdammte Ding irgendwo
auf diesem Planeten auf DVD gibt, sei es nun auf schwedisch,
finnisch oder Mandarin; dann hol ich sie mir trotzdem und lasse
eben nur die Macht der Bilder wirken; in der vagen Hoffnung, dass
ich irgendwann die fremde Sprache über Nacht erlernen werde wie
Banderas im 13.KRIEGER oder in der größeren Hoffnung, dass sich
irgendwann ein Label erbarmt und den Film in einer der drei
Sprachen rausbringt, die ich verstehe. Aber meistens lerne ich nix
und warte vergebens... ; ) - Danke für die Review übrigens. Der Film
steht auch schon seit längerem auf meinem Wunschzettel. : )
Gregor | 21.06.2011 20:24
Auch meine Wenigkeit muss sich da ein wenig kleinlaut dem werten Kollegen Ade anschließen. Ich kann bisher nämlich gar kein Italienisch! - Aber da ich ziemlich fit in Spanisch bin verstehe ich die Filme, die wenigstens noch italienische Untertitel für Hörgeschädigte haben recht gut. Und das ist bei THE HIDEOUT zum Glück der Fall! Bei italienischen Silberlingen, die auch noch in der Beziehung völlig nackig daherkommen, kann ich in der Regel wenigstens noch der groben Handlung folgen. Überlege mir deshalb aber inzwischen mal einen entsprechenden Sprachkurs zu besuchen...
Ralph | 22.06.2011 11:20
Banderas lernt die Sprache der wikinger nicht über Nacht. Das ist ein wochenlanger Prozess!!! ;-)

Aber sonst: Meine Hochachtung an euch beide, ihr seit wahre Filmliebhabter. :-)
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