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The Light Between Oceans

The Light Between Oceans

DRAMA: USA, 2016
Regie: Derek Cianfrance
Darsteller: Michael Fassbender, Alicia Vikander, Rachel Weisz, Thomas Unger

STORY:

Tom (Michael Fassbender) ist - um einen österreichischen Musiker zu zitieren - reif für die Insel. Der wortkarge Mann hat den ersten Weltkrieg überlebt und im Schützengraben schlimme Dinge gesehen und wohl auch getan. Nun sehnt er sich nach Einsamkeit. Weit weg von den Menschen. Ein Posten als Leuchtturmwärter auf einer australischen Insel bietet sich an. Am Weg dorthin lernt er Isabel (Alicia Vikander) kennen. Der Krieg hat auch ihr Leben verwüstet. Es folgt eine Heirat ...

KRITIK:

... und wir Drama-Afficinados wissen: Die Idylle trügt und wird bröckeln. Und wie ...

Regisseur Derek Cianfrance wird gewiss nicht beleidigt sein, wenn man ihn einen Experten für emotionale Ausnahmezustände nennt. Während BLUE VALENTINE und THE PLACE BEYOND THE PINES allerorts positiv aufgenommen wurden, scheiden sich an THE LIGHT BETWEEN OCEANS die Geister: Liebesdrama mit Lars von Trier'scher Heftigkeit oder schmalztriefender Edelkitsch, das ist hier die Frage, die jeder für sich selbst beantworten muss. Und die auch die Autoren unserer kleinen Website spaltet.

Ich für meinen Teil fand den Film über alle Maßen großartig. "Ernsthaft jetzt?" war die etwas entgeisterte Reaktion der geschätzten Kollegin Monika, die trotz bekennender Schmachtfetzen-Affinität den Film überladen und schon das Drehbuch WAY TOO schmalzig fand. Wiewohl sie die superben Darsteller, die wundervollen Kostüme und die traumhafte Gegend (eingefangen von TRUE DETECTIVE-Kameramann Adam Arkapaw) ausdrücklich lobt. Der Film hat sie einfach nicht erreicht.

Ich kann das voll und ganz verstehen. Obwohl - oder gerade weil ich den Film völlig anders erlebt habe: Nix Schmalz, echte Emotionen. Tausend mal näher an Nick Cave oder gar Lars von Trier als beispielsweise der meiner Ansicht nach massiv überschätzte neue Everybody's Lieblingsfilm TONI ERDMANN.

Derek Cianfrance muss wohl auf der Payroll der Taschentücher-Industrie stehen, so heftig prügelt er auf das Gefühlszentrum der Zuseher ein. Ich bin ja nicht unfroh, im richtigen Leben vergleichsweise wenig Grund zum Weinen zu haben (außer, wenn ich auf mein Konto blicke :-) Aber im Kino gibt's nichts Besseres, als wenn mir das Wasser zentimeterhoch in den Augen steht.

The Light Between Oceans Bild 1
The Light Between Oceans Bild 2
The Light Between Oceans Bild 3
The Light Between Oceans Bild 4
FAZIT:

THE LIGHT BETWEEN OCEANS ist ein fast schon militantes Statement pro Romantik. Ein Film, der völlig zynismusbefreit und ohne jede Ironie an die Liebe - und zwar die lebenslange! - glaubt. Das muss man sich erst einmal trauen, in unserem Zeitalter der coolen Unverbindlichkeit, wo jeder siebzehn individuelle Casual Dating-Apps am Hipster-Handy installiert hat. So, genug des beiläufig eingestreuten Kulturpessimismus. THE LIGHT BETWEEN OCEANS wird dringendst empfohlen.
Ich lehne mich jetzt ganz weit hinaus aus dem Leuchtturm und vergebe

WERTUNG: 9 von 10 heimliche Briefe
Dein Kommentar >>
Djan | 16.05.2018 03:28
Überraschend gut! By the way : the place beyond the pines sollte auch verlinkt werden im Text. Da gibt es ja auch ne Rezi hier :-)
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Ralph | 18.09.2016 20:50
Lieber Harald, Toni Erdman war nicht überschätzt. Das war einer der zwei Filme (Lobster!) dieses Jahr, die bei mir hängengeblieben sind - auch jetzt noch, nach mehreren Wochen. Alles anderes hab ich meistens schon vergessen, bevor ich aus dem Sall gegangen bin. Dennoch, danke für die Kritik, ich bin jetzt doch neugierig auf den Leuchtturm.
Harald | 18.09.2016 22:18
Respektieren tu ich den Toni ja eh.
Aber er hat mich halt bei weitem nicht so mitgerissen, wie ich mir das gewünscht hätte. Zumal Peter Simonischek ein paar Jahre früher in OKTOBER NOVEMBER in einer meiner Ansicht nach substantielleren Vater/Tochter-Geschichte zu sehen war.

Was bei mir dieses Jahr hängen geblieben ist, sind eine Vielzahl an tollen und teilweise ausgesprochen ungewöhnlichen Genre-Filmen, von THE WITCH über GREEN ROOM, MARSHLAND, THE NEON DEMON und HIGH RISE, MIDNIGHT SPECIAL, 10 CLOVERFIELD LANE bis WILD und DON'T BREATH. Großartigst war auch THE REVENANT. Der Tarantino-Western war auch toll.
Und an der Drama-Front haben mich der türkische MUSTANG und eben der Leuchtturm gepackt. Der überstrahlt wirklich alles.
Ein Spitzen-Kinojahr, dieses 2016.
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