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GOOD MOVIES FOR BAD PEOPLE
Verotika

Verotika

HORROR: USA, 2019
Regie: Glenn Danzig
Darsteller: Kayden Kross, Ashley Wisdom, Paul Vandervort, Rachel Alig, Sean Kanan, Alice Haig, Caroline Williams

STORY:

Sexy Teufelchen Morella führt in und durch die Welt von Glenn Danzigs Verotik.

Episode 1, The Albino Spider of Dajette: Der ultimative Albtraum aller Arachnophobiker und Cineasten gleichermaßen.

Episode 2, Change of Face: Ed Geins Enkelin verdingt sich als Stripperin.

Episode 3, Drukija Contessa of Blood: Eine mittelalterliche Gräfin verspritzt kanisterweise Johannisbeersaft.

KRITIK:

Glenn Danzig präsentiert sich in Interviews gerne als Mann vieler Talente. Und keiner glaubt so sehr an sie, wie er selbst. Keine Frage, als Frontman der Misfits, von Samhain und letztlich der selbstbetitelten Band Danzig veröffentlichte er bis zumindest Mitte der 90er Jahre reihenweise Alben für die Ewigkeit. Egal ob "Walk among us", "November coming fire" oder "Lucifuge", allesamt zeitlos gute Klassiker des harten Geschmacks. Seither stolperte er zwar durch musikalische Experimente und kämpft einen aussichtslosen Kampf gegen die abnehmende Stimmgewalt, sein überentwickeltes Ego lässt das aber völlig kalt.

Neben gelegentlichen Schauspielauftritten schuf er sich seinerzeit mit dem Comic-Verlag Verotik ein zweites Standbein. Bei den meisten Serien fungierte er selbst als Autor und ließ sich seine martialischen Gewalt- und Sexphantasien von verschiedenen Zeichnern zu Papier bringen. Im Ergebnis wirkt das, als wären Frank Frazetta und Greg Capullo von Clive Baker 666mal quer durch die S/M-Kammer gepeitscht worden. Cleopatra Entertainment gewährt Danzig nun die Möglichkeit, zwei seiner großen Leidenschaften zu verknüpfen: Ein Anthologiefilm mit Charakteren aus dem Verotik-Universum. Stolz posierte man im Sommer 2018 bei der Präsentation des Filmdeals. Das Vertrauen dürfte groß gewesen sein, denn für sein Regiedebüt gab man ihm weitgehend freie Hand. Er ist Regisseur, Drehbuchautor, ausführender Produzent, Komponist in Personalunion. Gemeinsam mit David Newbert wird er gar als Kameramann angeführt!

Welch barbusiger Teufel die Produktionsfirma dabei geritten hat, will man sich gar nicht ausmalen. Sicher, es gibt eine ganze Reihe an Autodidakten und Dilettanten, die passable bis großartige Filme gedreht haben. Rob Zombie drängt sich als Referenz natürlich geradezu auf. So kontrovers und durchwachsen dessen Arbeiten mitunter auch sein mögen, handwerklich kann man ihm nur wenig vorwerfen. Glenn Danzig hingegen hat außer mit völlig überzeichneter okkulter Ikonographie drapierte Musikvideos nichts vorzuweisen, was ihn für höhere Weihen empfehlen würde.

Darüber hinaus schürte er noch selbst ohne Not die Erwartungen, indem er vorab immer wieder neben dem klassischen europäischen Horrorkino im Allgemeinen, speziell Mario Bavas Meisterwerk Black Sabbath - Die drei Gesichter der Furcht als Inspiration hervorhebt. Ansprüche an denen man eigentlich nur scheitern kann. Und Danzig scheitert grandios. Dabei wäre ein Episodenfilm bestens geeignet, um dramaturgische Schwächen abzumildern. Einen ausgefeilten Spannungsbogen braucht es da nicht. Nach dem annehmbaren Intro mit Conférencieuse Morella, schafft es der Film jedoch nie, das nötige Mindestmaß an Ernsthaftigkeit zu erreichen. Boshaft gedacht, kann diese Anfangssequenz, in der Morella ihrem - selbstverständlich nackten - weiblichen Opfer die Augen aussticht, durchaus programmatisch verstanden werden. Knapp 90 Minuten später teilt man als Zuschauer deren Leid.

„Verotika“ ist nicht nur inhaltlich bescheuert, sondern dazu noch miserabel gespielt und schlecht umgesetzt. Es wäre müßig an die Handlungen der einzelnen Segmente zu viele Worte zu verschwenden. Als brachialer Zeichentrick hätten diese überschwänglich-pubertären Exzesse vielleicht sogar Charme (Heavy Metal!), in einer Realverfilmung wirken die platten Handlungsverläufe einfach nur dämlich. Sollte man durch Danzigs erweiterten Aufgabenbereich etwas eingespart haben, in den Besetzung wurde es gewiss nicht investiert. Der besteht nämlich aus Schauspielern der D-Riege, (Ex-)Pornosternchen, Stripperinnen und Wrestlern. Darunter Darstellerinnen, deren Oberweite das schauspielerische Talent bei weitem überragt, ohne jedoch von diesem Manko gut genug ablenken zu können. Im Ensemble finden sich Namen, wo ein Suchlauf auf xHamster aussagekräftigere Ergebnisse liefert, als der Klick auf das IMDb-Profil. Die Stripperinnen schauspielern und die Schauspielerinnen strippen. Den Tiefpunkt dieser verqueren Rollenverteilung bildet der wahrscheinlich ödeste Striptease der Filmgeschichte. 130 Sekunden ungelenke Langeweile. Nicht einmal das pornographische Potential wird ordentlich ausgeschöpft. Zwar geizt Danzig nicht mit nackter Haut, sexuelle Interaktionen gibt‘s aber keine zu sehen. Beim einzigen Blowjob des Films erkennt man deutlich den geschlossenen Hosenzipp. Selbst in den 60ern und 70ern wäre diese Art der gschlamperten Exploitation mit Amateurcast weit weg gewesen von visionären Großtaten von Querköpfen wie Russ Meyer, David F. Friedman oder Jess Franco.

Die erwähnte Reminiszenz an die Vorbilder des europäischen Kinos zeigt sich am ehesten in der prägnanten Farbgebung. Allerdings ruiniert die ungewohnt aufdringliche Beleuchtung diesen Effekt vollends. Schlimm genug, dass die Darsteller dadurch – unabhängig von Schlauchboot-Lippen und aufgeblasenen Brustimplantaten - an sterile Gummipuppen gemahnen, es wird auch noch die beschränkte Ausstattung unnötig betont. Charme- und schamlos steht „Verotika“ den unsäglichen Billig-Produktionen aus dem Hause Asylum wesentlich näher, als den Horrormeistern vergangener Dekaden, deren Magie er heraufbeschwören möchte. Eigentlich sollte sich die Regiekarriere damit fürs Erste erledigt haben. Cleopatra Entertainment sieht das aber offenbar anders. Oder ist vertraglich weiter geknebelt, wer weiß.

Jedenfalls kaum zu glauben, dass mit dem „vampire spaghetti western“ „Death Rider“ bereits das nächste Machwerk kurz vor der Fertigstellung steht. „Everybody in the movie is a vampire. So you won’t have to wait around to see the vampire. They’re all fucking vampires!“. Danzigs Enthusiasmus scheint ungebrochen, der Horror geht in seine zweite Runde.

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FAZIT:

Mommy? Can I go out and film tonight?

Bei den wenigen öffentlichen Screenings reagierte Glenn Danzig verwundert auf die zahlreichen Lacher im Publikum. Ist "Verotika" also einer dieser so-bad-it's-good-Filme? Ein zukünftiges guilty pleasure? "The Room" with pools of blood? Wohl kaum. Zwar mangelt es dem Film keineswegs an unfreiwilliger Komik, unterhaltsam wird er deswegen trotzdem nicht. Um aus der Low-Budget-Schwemme unserer Tage herauszustechen bräuchte es wesentlich mehr. Viel wahrscheinlicher ist, dass der Streifen über den Eintrag als Kuriosum in der Vita Danzigs nicht hinauskommen wird.

WERTUNG: 2 von 10 beäugte Silikontitten
Gastreview von Trash Test Dummy
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