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Angriff der Lederhosenzombies

Angriff der Lederhosenzombies

OT: Attack of the Lederhosenzombies
ZOM-COM: A, 2016
Regie: Dominik Hartl
Darsteller: Gabriela Marcinková, Margarethe Tiesel, Laurie Calvert, Patricia Aulitzky

STORY:

Ein Tiroler Liftkaiser hat die ultimative Antwort auf den Klimawandel gefunden: Hitzeresistener Kunstschnee, destilliert aus einer giftig-grün fluoreszierenden Chemie-Brühe. Dass das Gebräu jeden, der damit in Berührung kommt, zu torkelnden, schleimkotzenden Zombies macht, fällt im Wunderland der hochalpinen Apres-Ski-Partys erst einmal nicht weiter auf. Drei amerikanische Touristen haben allerdings keine Lust auf untoten Hüttenzauber und wehren sich gegen die Invasion der Lederhosenzombies mit den scharfen Kanten ihrer Snowboards.

KRITIK:

"Lederhosenzombies? Ist das die Band von Andreas Gabalier?", lautete die berechtigte Frage eines Facebook-Freundes, der lustigerweise auch Andreas heißt. Berechtigt insofern, als die Eröffnung des diesjährigen /slash-Filmfestivals auf den Tag genau mit dem Auftakt der "Wiener Wiesn" zusammenfiel. Während tausende Lederhosen- (und Dirndl-)-Zombies unter dem Motto "Trachten, Gaudi, beste Stimmung" (Zitat Kronen Zeitung ) zu "Österreichs größtem Brauchtums- und Wiesn-Fest" (ebenfalls Zitat Kronen Zeitung - ich lese sie beruflich ...) in den Wiener Prater torkelten, wartete das /slash-Publikum im ausverkauften Gartenbau-Kino gespannt auf die Österreich-Premiere von Dominik Hartls Zom-Com ANGRIFF DER LEDERHOSENZOMBIES.

So ein Titel weckt natürlich gewisse Erwartungen. "Like Sharknado but better", urteilte die Website thehollywoodnews.com. Ich sag mal so: Ob das als Kompliment durchgeht, muss jeder für sich selbst beantworten.

Nach circa 20 Minuten wanken auch schon die ersten Untoten über die Leinwand. Manchmal tanzen sie charmanterweise auch. Alkohol- und milieubedingt nicht ganz so perfekt choreographiert wie in Michael Jacksons "Thriller"-Video, aber immerhin. Tanzende Zombies sieht man nicht jeden Tag.

Die Effekte sehen nach liebevoller Handarbeit aus, was den Sharknado-Vergleich eigentllich ad Absurdum führt. Aber das nur am Rande. Die untoten Trachtenfreaks werden mit Snowboards enthauptet, mit Ski-Stöcken gepfählt und mit einer Schneefräse zerhäkselt, bis sich der Kunstschnee tiefrot färbt. Und die resolute Hüttenwirtin Rita (Margarethe Tiesel aus PARADIES: LIEBE) hat noch einige Überraschungen im Keller versteckt ...

Das Budget wurde offensichtlich großteils in Filmblut, Latex und Prothesen investiert. Wie schon DAS FINSTERE TAL und BLUTGLETSCHER wurden auch die Lederhosenzombies in Südtirol gedreht, der dortigen progressiven Filmförderungspolitik sei Dank. Diesbezüglich haben sich die Zeiten geändert, ausnahmsweise einmal zum Besseren: Vor wenigen Jahren noch hätte ein Filmprojekt dieser Art null Chancen auf Realisierung gehabt. "Ein kleiner Schritt für den Zombiefilm, aber ein großer Schritt für das österreichische Genrekino", vermerkt /slash-Mastermind Markus Keuschnigg nicht ohne Stolz.

Alles eitel Wonne also? Nun ja. Der Film hatte die Lacher auf seiner Seite und der Applaus am Ende ging über reine Höflichkeit hinaus. Beim Rausgehen blickte ich in großteils zufriedene und fröhliche Gesichter. Dennoch: Wer sich hier eine überzeugende alpine Antwort auf SHAUN OF THE DEAD und Konsorten erwartet, sollte sich den Film besser schöntrinken, und zwar mit Hochprozentigem. Einflüsse hin, Zitate her, doch die LEDERHOSENZOMBIES sind kein BRAINDEAD (nicht, dass ich das erwartet hätte), kein ZOMBIELAND, aber auch kein RETURN OF THE LIVING DEAD, nicht einmal ein DEAD SNOW.

Es tut mir fast körperlich weh, das so hinzuschreiben, weil man den Enthusiasmus, die Liebe und das gepflegte Quäntchen Wahnsinn, das nötig ist, um in Österreich einen Zombiefilm auf die Beine zu stellen, gar nicht hoch genug schätzen kann.

Doch dieser Film hat leider formale Mängel, die sich nicht wegdiskutieren lassen: Über weite Strecken hat man das Gefühl, das Resultat einer zweifellos ambitionierten, aber bestenfalls semi-professionellen Arbeit zu sehen. Das Sound-Design ist wirklich schlimm, sorry. Und ich rede gar nicht vom absichtlich grauenvollen Hüttengaudi-Soundtrack. Und das Timing haut in der ersten halben Stunde echt nicht hin. Vielleicht täusche ich mich ja, aber Hartls Debut-Film, das Coming of Age-Drama BEAUTIFUL GIRL (2015) wirkte formal deutlich runder und professioneller.

Andererseits ist ATTACK OF THE LEDERHOSENZOMBIES (der Film wird international vermarktet und wurde großteils in Englisch gedreht) der einzige mir bekannte Film, der im Abspann ein "Penis-Double" erwähnt.

Auch wenn meine Kritik hart (aber hoffentlich gerecht) sein mag, wünsche ich dem Film, wenn er am 23. Dezember regulär im Kino startet, viele Besucher. Laut Produzent Markus Fischer ist ANGRIFF DER LEDERHOSENZOMBIES ja ein Film für die ganze Familie. Meine Tochter hat schon mal ein kindgerechtes Filmplakat entworfen:

Angriff der Lederhosenzombies Bild 1
Angriff der Lederhosenzombies Bild 2
Angriff der Lederhosenzombies Bild 3
Angriff der Lederhosenzombies Bild 4
Angriff der Lederhosenzombies Bild 5
Angriff der Lederhosenzombies Bild 6
FAZIT:

Nun hat auch Österreich seine Zombie-Apokalypse, die dem winterlichen Treiben auf heimischen Apres Ski-Hütten eine Blut-, Beuschel- und Gedärme-reiche Variante hinzufügt. Effekte liebevoll handgemacht und sehenswert, Timing, Schnitt und Sound streckenweise grausam daneben. Insgesamt eine zwar nicht unoriginelle, aber filmtechnisch noch deutlich ausbaufähige Angelegenheit. Lokalkolorit- und Herzblut-Bonus schon eingerechnet, kann ich, so leid es mir tut, nicht mehr vergeben als ...

WERTUNG: 6 von 10 untote Hirsche
Dein Kommentar >>
Soferl | 11.10.2016 10:02
Sie heißt Rita!
Harald | 04.11.2016 07:30
Danke, ausgebessert.
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