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Barry Seal - Only in America

Barry Seal - Only in America

OT: American Made
THRILLER/BIOGRAPHISCHES DRAMA: USA, 2017
Regie: Doug Liman
Darsteller: Tom Cruise, Jesse Plemons, Sarah Wright, Domhnall Gleeson

STORY:

Wenn es wahr ist, dann ist das eine wahre Geschichte: Ein amerikanischer Linienpilot wird von der CIA angeheuert, um in Nicaragua, in den Achtzigern blutiger Kriegsschauplatz, aus der Luft Rebellencamps auszuspionieren. Auch die örtliche Drogenmafia wird auf den amerikanischen Vielflieger aufmerksam und nimmt seine Dienste in Anspruch. Und so baut Barry Seal eine höchst lukrative Import/Export-Luftbrücke auf: Mit Waffen runter nach Südamerika, mit Drogen wieder zurück. Wenn das mal gut geht ...

KRITIK:

Es gibt Leute, die Tom Cruise mögen. Es gibt auch Leute, die Sebastian Kurz mögen. Ich habe keine empirischen Studien durchgeführt, aber ich vermute, die Schnittmenge ist keine kleine. Ich persönlich tu mir ja ziemlich schwer mit Onkel Tom: Weder den strahlenden Helden noch den "Charakterdarsteller" kann ich ihm wirklich abnehmen. Dennoch muss ich gestehen, dass beispielsweise MAGNOLIA ein sehr guter Film war. Wenn man ehrlich ist, wird man zugeben müssen, dass kein einziger Cruise-Film wirklich schlecht ist. Was an der unbestreitbaren Qualitätsarbeit vor und hinter der Kamera liegt: Selbst ein durch-und-durch unsympathischer, militaristischer Propagandastreifen wie TOP GUN hat starke filmische Momente. Am überzeugendsten ist Tom Cruise aber immer dann - und jetzt schlagen wir endlich den Bogen zum aktuellen Film AMERICAN MADE - wenn er einen schmierigen, selbstverliebten Strahlemann spielt, dessen Glückssträhne irgendwann abreißt, bis er knietief in der Sch**e steckt.

So ein Typ ist Barry Seal. Er hat wirklich existiert (wiewohl er freilich mit dem immer noch fantastisch aussehenden Tom Cruise wenig Ähnlichkeit hatte). So unfassbar die Lebensgeschichte Barry Seals auch sein mag: Auf der Verfilmung prangt das Echtheitszertifikat. Wobei natürlich schwer zu beurteilen ist, wo Fakt und Fiktion verschwimmen. Hollywood pflegt ja solche biographischen Geschichten als sarkastische Heist-Movies zu inszenieren. Siehe auch den artverwandten BLOW mit Johnny Depp. Und nicht mehr als wütende, polemische Rundumschläge wie Alex Cox' Nicaragua-Kriegsfilm WALKER. Weitgehend unbekannter Spitzenfilm übrigens. Kam kürzlich als Blu-ray raus.

Zurück zum Thema: Was AMERICAN MADE auszeichnet, sind die netten Seitenhiebe auf Reagans desaströse Anti-Drogenpolitik in der Spätphase des Kalten Krieges: Wo die CIA faschistische Todesschwadronen für den Kampf gegen die nicaraguanische Linke ausbildete. Laut diesem Film sogar auf amerikanischem Boden. Wie gesagt: Wo die Fakten aufhören und die Fiktion, oder sagen wir: die Legenden und Verschwörungstheorien beginnen, ist schwer zu beurteilen. Fakt ist jedenfalls, dass die CIA Drogenschmuggel im großen Stil achselzuckend tolerierte. Dafür war ja nicht die Agency, sondern die konkurrierende Bundesbehörde DEA zuständig. Wer sich auch nur ein bisschen für Zeitgeschichte interessiert, darf sich auf ein Wiedersehen mit diversen - ähm - prägenden Figuren dieser Zeit einstellen: Ronald Reagan, George Bush, Oliver North, Manuel Noriega, Pablo Escobar. Ein ziemlich teurer, starbesetzter Hollywood-Film, der sich - zugegeben spekulativ - mit den Abgründen der jüngeren US-Geschichte auseinandersetzt, ist zumindest nicht uninteressant. Spannend und unterhaltsam ist er auf alle Fälle.

Barry Seal - Only in America Bild 1
Barry Seal - Only in America Bild 2
Barry Seal - Only in America Bild 3
Barry Seal - Only in America Bild 4
Barry Seal - Only in America Bild 5
Barry Seal - Only in America Bild 6
FAZIT:

30 Jahre nach TOP GUN darf Tom Cruise wieder aus dem Cockpit grinsen: Biographisches Drama um den Drogenschmuggler Barry Seal, der zumindest auf der Leinwand zu einer Schlüsselfigur der Contra-Affäre (kann man googlen) wurde. Spannend, visuell sehr verspielt, clever erzählt, von allen Beteiligten gut gespielt: Rundum sehenswerter Film, der sich an der Kinokasse leider unter Wert geschlagen hat.

WERTUNG: 8 von 10 zu kurzen Startbahnen
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