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Blow Out - Der Tod lscht alle Spuren

Blow Out - Der Tod löscht alle Spuren

OT: Blow Out
THRILLER: USA, 1981
Regie: Brian De Palma
Darsteller: John Travolta, Nancy Allen, John Lithgow, Manny Karp

STORY:

Der Tontechniker Jack Terry (John Travolta) erstellt für einen Produzenten billiger Horrorfilme die Toneffekte. Als er eines Nachts auf einer einsamen Brücke Geräusche aufnimmt, wird er Zeuge, wie ein Wagen von der Fahrbahn abkommt und in den unter der Brücke befindlichen See stürzt. Jack taucht nach dem Fahrzeug, in welchem der Präsidentschaftskandidat George McRyan und eine Frau namens Sally (Nancy Allen) gefangen sind. Für den Senator kommt jede Hilfe zu spät, doch Sally kann er gerade noch retten. Jack bezweifelt, dass dies tatsächlich ein bloßer Unfall war. Er meint einen Schuss gehört zu haben, den er auch auf Tonband aufgezeichnet hat. Auch die nun folgenden Ereignisse scheinen auf eine Verschwörung hinzudeuten...

KRITIK:

BLOW OUT (1981) bildet zusammen mit DRESSED TO KILL (1980) und BODY DOUBLE (1984) das heilige Dreigespann der klassischen Brian De Palma-Thriller. Ich persönlich mag die gialloeske Hitchcock-Hommage DRESSED TO KILL und den trashigen Erotikthriller BODY DOUBLE ja noch einen Tick lieber, aber zumindest unter den offziellen Kritikern gilt gerade BLOW OUT oftmals als der absolute Höhepunkt unter den typischen De Palma-Thrillern. Und da dieser Film in jedem Fall ein waschechter De Palma, und keine halbgare Auftragsarbeit wie z.B. THE UNTOUCHABLES (1987) oder gar MISSION IMPOSSIBLE (1996) ist, gehört selbstverständlich auch BLOW OUT zu meinen absoluten Lieblingsfilmen, die ich mir immer wieder mit unverminderter Begeisterung ansehen kann!

Dass die offizielle Kritik ausgerechnet diesen Film mehr schätzt, als andere Pulp-Dramen des selben Regisseurs liegt wahrscheinlich daran, dass sich bei BLOW OUT ganz klare Referenzen zu bekannten Kunstfilmen finden. So verweist bereits der Titel ganz direkt auf Michelangelo Antonionis Arthouse-Thriller BLOW-UP (1966). Auch die Geschichte ist eine ganz ähnliche, nur, dass der Fotograf aus Antonionis Film durch einen Tontechniker ersetzt wurde. Jener verweist wiederum auf das Coppola-Meisterwerk THE CONVERSATION (1974) und auf das insbesondere in den 70ern populäre Subgenre des Paranoia-Thrillers. Und diese zusätzliche politische Dimension des Verschwörungsthrillers kommt bei den ausschließlich in höheren Sphären beheimateten Kritikern selbstverständlich besser an, als z.B. eine rein privat motivierte Verschwörungsgeschichte um einen B-Movie-Darsteller und ein Porno-Starlett wie in BODY DOUBLE.

Auch ich finde diesen politischen Kontext bei BLOW OUT äußerst bemerkenswert, allerdings weniger wegen der recht offensichtlichen Bezüge zu den Kennedy-Attentaten und zu Watergate, sondern aufgrund der Tatsache, dass sie Brian De Palmas inszenatorisches Genie hier zu einer ganz besonderen Gestaltung animiert haben. Wenn man einmal genau darauf achtet, ist fast jede Szene des Films von den Farben Blau, Rot und Weiß, also den Farben der amerikanischen Flagge, geprägt. Dies geschieht jedoch selten so, dass es sofort offensichtlich oder gar penetrant wäre, sondern zumeist so, dass man es eher unterbewusst wahrnimmt. Ja, dies ist ein Film über Amerika zur Zeit von Ronald Reagan. Wir sehen nicht nur allerorts dunkle Machenschaften und Intrigen, sondern nehmen auch eine Gesellschaft wahr, in der jeder nur seine eigenen egoistischen Ziele verfolgt und ein Künstler nichts wert ist.

Sicherlich ist es nicht übertrieben John Travolta als Alter Ego des Regisseurs zu deuten. Und so wie dieser anscheinend recht begabte, zumindest aber ernsthaft engagierte Toningenieur sein Können an drittklassige Horrorschinken verschwenden muss, so begann spätestens mit den 80er-Jahren auch für die ehemaligen Helden des New Hollywood-Kinos eine wirklich harte Zeit. Die meisten ergaben sich in dieser Dekade entweder dem Kommerz oder gerieten in zunehmende Vergessenheit. Brian De Palma war unter diesen Regisseuren sicherlich einer der standhaftesten und hielt noch bis Mitte der 80er-Jahre sowohl an seinem persönlichen Stil, als auch an all den bei ihm immer wieder kritisierten Attributen, wie z.B. einer für die damaligen Zeit recht extremen (und zudem scheinbar oft misogynen) Gewaltdarstellung fest. In diesem Zusammenhang finde ich auch gerade seinen 1984 gedrehten BODY DOUBLE besonders sympathisch, da De Palma hier nach dem Motto "jetzt erst recht" noch einmal deutlich gezeigt hat, wie wenig ihn diese immer gleichen Vorwürfe beeindruckten.

Doch auch BLOW OUT suhlt sich trotz all seiner schöngeistigen Bezüge ganz genüsslich im filmischen Schmutz. Schon die Eröffnungsszene ist eine herrliche Parodie auf die zu dieser Zeit aufkommenden Teenie-Slasher. Spätestens, wenn das Gesicht des Killers im Spiegel erscheint und dieser nicht wie die Inkarnation des Teufels, sondern eher wie ein leicht versoffener Busfahrer aussieht, ist klar, dass dies nicht so ganz ernst gemeint sein kann. Es folgt noch ein unsäglicher Schrei eines weiblichen Opfers, welches im PSYCHO-Style unter der Dusche abgestochen zu werden droht. Aber in diesem Moment zeigt uns der Schalk De Palma, dass dies gerade in der Tat ein ganz dämlicher, weil Film im Film, Slasher war. Und so sind wir gleich zu Beginn von BLOW OUT bei einem der Lieblingsthemen des Regisseurs - der gegenseitigen Durchdringung verschiedener Wirklichkeitsebenen - angelangt.

Dieses Spiel wird den gesamten Film über fortgesetzt. Denn, wie bereits gesagt, ist auch BLOW OUT selbst in erster Linie ein echter Pulp-Film, der fast ausschließlich von schmierigen, unterbelichteten und unterbelichteten und schmierigen Charakteren bevölkert wird. Das zentrale Thema von BLOW OUT wiederum dreht sich darum, wie Jack Terry aus einzelnen Wirklichkeitsfragmenten in Form des von ihn am Tatort aufgenommen Tons und Fotografien einer anderen Person, das ihn umgebende Chaos zu einer stimmigen Geschichte zusammenzufügen versucht. Dies wird ihm auch gelingen. Doch das Endergebnis seiner Arbeit mündet nur in einen extrem zynischen, aber wiederum für De Palma absolut bezeichnenden, bitteren Schluss. Jacks gewonnene Erkenntnis verliert sich erneut in einem bedeutungslosen Rauschen und was ihm am Ende bleibt, nährt nur weiter seine anfänglichen Zweifel und seine Verzweiflung angesichts seines recht bedeutungslosen Jobs.

So ist auch BLOW OUT ein reinrassiger De Palma-Film, der komplexe Themen auf unterschiedlichen Ebenen im Gewand eines billigen Schundfilms abhandelt. Was hier Kunst oder Kommerz, Film oder Realität, hehre Absicht oder niederträchtiges Handeln ist, wird immer wieder in Frage gestellt. Wie so oft bei De Palma verschwimmen auch in BLOW OUT immer wieder die Grenzen und zwar sowohl auf der Ebene der Absichten des Regisseurs, als auch innerhalb der Filmhandlung bis hinein in den Film im Film und von dort aus wieder zurück. BLOW OUT ist einerseits ein bloßer und dazu sogar recht billiger Unterhaltungsfilm, Popcornkino im Reinformat. Aber andererseits ist dies auch einer dieser Filme, die einem bei jeder neuen Sichtung immer wieder neue Dinge zu beobachten und zu denken geben, halt ein waschechter De Palma-Film.

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FAZIT:

BLOW OUT ist ein Pulp-meets-Arthouse-Brian-De-Palma-Thriller in Reinkultur.

WERTUNG: 9 von 10 synchronisierte Wirklichkeitsfragmente
TEXT © Gregor Torinus
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