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Chloe

Chloe

EROTIKTHRILLER: KANADA/USA, 2009
Regie: Atom Egoyan
Darsteller: Julianne Moore, Liam Neeson, Amanda Seyfried, Max Thieriot

STORY:

Das Ehepaar Stewart führt ein sehr gutbürgerliches Leben. Catherine (Julianne Moore) hat eine eigene Praxis als Frauenärztin und David (Liam Neeson) ist Professor an einer Universität in New York. Die beiden besitzen ein schickes Designerhaus in einer guten Wohngegend in Toronto haben und einen hübschen Sohn (Max Thieriot), der sehr gut Klavier spielt. Doch ihre einstmals leidenschaftliche Liebe ist schon lange in der üblichen Eheroutine erstickt.

Am Geburtstag von David hat Catherine heimlich eine große Party für ihren Mann organisiert. Das ganze Haus ist bereits voller Gäste, als ihr Mann sich aus New York meldet und mitteilt, dass er seinen Flug verpasst hat. So findet die Party ohne das Geburtstagskind statt und Catherine ist verständlicherweise sehr geknickt. Und als David dann endlich zuhause ankommt, entdeckt sie auch noch eine Fotonachricht auf seinem Handy, in der sich eine junge Studenten für den schönen Abend bedankt. Die eifersüchtige Catherine konfrontiert ihren Mann jedoch zunächst nicht mit ihrer Entdeckung. Stattdessen engagiert sie das Edelcallgirl Chloe (Amanda Seyfried), um ihren Mann zu verführen, da sie herausfinden will, was ihn so antörnt. So beginnt ein gefährliches emotionales Spiel ...

KRITIK:

Der Film CHLOE stammt vom kanadischen Regisseur Atom Egoyan. Es ist nach WAHRE LÜGEN der zweite Ausflug des Autorenfilmers in Mainstreamgefilde und dazu sein erster Film, zu dem er nicht selbst das Drehbuch verfasst hat. Aber nicht nur das: CHLOE ist auch noch ein Remake des französischen Beziehungsdramas NATHALIE aus dem Jahre 2003. Hier kommen also gleich eine ganze Reihe von Faktoren zusammen, die einen misstrauisch machen können. Und es drängt sich unweigerlich die Frage auf, ob hier nicht schon wieder ein begnadeter Filmemacher sein Talent den Verlockungen des Kommerzes geopfert hat.

Um es gleich vorweg zu nehmen: Mit CHLOE hat Atom Egoyan erneut einen Volltreffer gelandet. Der Film verbindet auf geradezu geniale Weise die geheimnisvolle Erotik seines Dramas EXOTICA mit der Spannung und der visuellen Brillanz seines Neo-Noirs WAHRE LÜGEN. So ist CHLOE ein atemberaubender Erotikthriller geworden, der seine Zuschauer mit seinen wunderschönen Bildern und einem ebenso wunderbaren Score verzaubert.

Aber da es sich hier um einen echten Atom-Egoyan-Film handelt, beschränken sich die Qualitäten von CHLOE selbstverständlich nicht alleine auf eine gediegene Erotik. Wie bei allen Filmen des kanadischen Regisseurs geht es auch hier um ein Spiel mit Lügen und Wahrheit und um ein komplexes Netz von Abhängigkeiten und Begehren, welches alle Akteure auf vielfältige Weise miteinander in Beziehung setzt. Auch die Frage nach Täter(n) und Opfer(n) lässt sich hier nicht so einfach beantworten.

In CHLOE versuchen zwar alle Beteiligten das zu tun, was ihres Wissens nach das Beste ist. Doch dabei fußen ihre Entscheidungen teilweise auf radikalen Fehlanahmen. So zeigt der Film auch, wie sich ein jeder seine eigene Welt zimmert und diese für die einzig wahre Realität hält. Doch tatsächlich blitzt oftmals erst dann ein Schein von Wirklichkeit auf, wenn unsere fehlerhafte Konstruktion von Realität mit den widersprüchlichen Tatsachen kollidiert und wie ein Kartenhaus in sich zusammenfällt...

Dem im Film entworfenen komplexen Geflecht von Emotionen kommt sicherlich auch zu Gute, dass das Drehbuch von Erin Cressida Wilson adaptiert wurde. Und dass der ein Experte für ungewöhnliche emotionale Konstellationen ist, hatte er bereits mit seinem Drehbuch zu der S&M-Komödie SECRETARY bewiesen. Auch das war ein für Hollywood-Verhältnisse äußert unorthodoxer, wenn nicht gar bahnbrechender Film.

Und so wäre CHLOE um ein Haar ein in jeder Hinsicht sowohl faszinierender, wie auch vollkommen makelloser Film geworden. Der einzige kleine Schwachpunkt liegt darin, dass Atom Egoyan hier seine früher für ihn so bezeichnende Subtilität abhanden gekommen ist. So zeigt eine der ersten Szenen Catherine in ihrer Praxis. Dort erklärt sie einer Patientin, dass ein Orgasmus keine Magie sei, sondern eine einfache, durch die Stimulation der Klitoris verursachte, Folge von Muskelkontraktionen. Da winkt also einer ganz kräftig mit dem Zaunpfahl, um sicherzustellen, dass auch wirklich jeder gleich kapiert, was für ein emotionaler Eisblock diese Frau ist.

Bei solchen plakativen Szenen musste ich doch manchmal ein wenig wehmütig an den ähnlich gelagerten EXOTICA zurückdenken. Dort wurde vieles nur angedeutet und somit war der Betrachter ausdrücklich zum aktiven Mitdenken aufgefordert. Diese Mühe kann man sich bei CHLOE weitestgehend sparen. Hier ist, allen überraschenden Wendungen zum Trotz, fast jederzeit alles sonnenklar. So kann man sich ganz entspannt in den Sessel zurücklehnen und einfach genießen. Und das ist es wohl auch, was Egoyan mit CHLOE beabsichtigt hatte. Auf seine Motivation diesen Film zu machen angesprochen, antwortete der Regisseur, dass der Film keine spezielle Aussage habe. Stattdessen habe er einfach einen Film machen wollen, den er sich selber gerne angucken würde.

Chloe Bild 1
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FAZIT:

Mit CHLOE ist dem kanadischen Regisseur Atom Egoyan ein ausgesprochen faszinierender Erotikthriller gelungen. Der Film ist zwar nicht gerade subtil, aber dafür äußerst sexy.

WERTUNG: 9 von 10 nicht ganz zufällig fallengelassene Haarspangen
TEXT © Gregor Torinus
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Dein Kommentar >>
Nic | 04.11.2010 10:26
eher lauwarm mit nudity, wenn du mich fragst. Wahre Lügen hatte in allen relevanten bereichen mehr zu bieten. 6/10
>> antworten


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