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Das Dorf der acht Grabsteine

Das Dorf der acht Grabsteine

OT: Yatsuhakamura
MYSTERY-WHODUNIT: JAPAN, 1977
Regie: Yoshitaro Nomura
Darsteller: Kiyoshi Atsumi, Ken´ichi Hagiwara, Tsutomo Yamazaki, Ryoko Nakano

STORY:

Aus der Millionenmetropole Tokio wird der junge Städter Tatsuya zum weit abgelegenen Dorf seiner Familie zurückbeordert, um das Erbe großer Ländereien anzutreten. Gleichzeitig beginnt eine Mordserie. Die einfachen Dörfler glauben, dass sich damit der jahrhundertealte Fluch von acht einst an diesem Ort getöteten Samurai erfüllt. Ein vor Ort ermittelnder Detektiv vermutet eher den perfiden Plan eines Menschen hinter den Morden…

KRITIK:

Nomuras DAS DORF DER ACHT GRABSTEINE -welches übrigens eine von bisher drei Verfilmungen des gleichnamigen Detektivromans von Seishi Yokomizo ist- erzählt die klassische Geschichte von der abgeschiedenen Dorfgemeinschaft, die mit einem gemeinschaftlich begangenen Verbrechen so große Schuld auf sich geladen hat, dass sie über die Jahrhunderte hinweg nachwirkt. So wird auch DAS DORF DER ACHT GRABSTEINE von seiner unseligen Vergangenheit eingeholt, als sich in der Gegenwart wieder mysteriöse Todesfälle ereignen. Da weitaus mehr Gewicht auf dem Krimi-Teil der Geschichte liegt, werden die übernatürlichen Elemente nur dezent, aber wirkungsvoll eingesetzt.

DAS DORF DER ACHT GRABSTEINE ist sicherlich eine von diesen Geschichten, die man durchaus auch langsam erzählen kann; aber Yoshitaru Nomura übertreibt es manchmal mit der Bedächtigkeit. Mein österreichischer Kollege Andreas hat mich ja schon vorgewarnt, dass es "zaach" werden könnte und leider wird es das in etwas zu lang geratenen 145 Minuten mehr als einmal. Schon der Prolog ist ziemlich ausschweifend und umständlich, was für eine mühsame erste halbe Stunde sorgt, die phasenweise nicht nur langatmig, sondern geradezu einschläfernd wirkt.

Dann kommt urplötzlich wie ein herausgerutschter Furz eine Chanbara-blutige Rückschau ins Jahr der Samurai 1566 mit der Wirkung einer direkt in die Venen injizierten Kanne Espresso. Ein Dorffest als Meuchelfalle: Rote Fontänen aus aufgeschlitzten Arterien, lebendig verbrannte Leiber, abgeschlagene Köpfe, Pfahl ins Aug. Abgeschlossen werden diese furiosen paar Minuten von einer grandiosen fast schon Bavaesk-gotischen Szene mit acht aufgereihten Schädel und einem richtigen Creeper-Highlight.

Jetzt sind wir wieder am Ball und nun passieren auch in der Gegenwart ein paar Morde. Die allerdings nur dann und wann auftauchende Kojen in einem unendlich langsam fließenden Storyfluss sind. Denn nur manchmal findet der Fuß des Regisseurs das narrative Gaspedal. Daher ist auch der Hauptteil des Films nicht vor ein paar fiesen Längen gefeit, die wie Narkose auf ein adrenalinsüchtiges Publikum wirken dürften.

Doch sie sind zu meistern; die schleppenden Passagen. Und zwar mit etwas Geduld, Spucke und Sinn für cineastische Kunst.

Denn nicht umsonst ist DAS DORF DER ACHT GRABSTEINE DVD Nr.6 in der feinen Japanische Meisterregisseure-Reihe von Polyfilm. Und das bedeutet, dass auch hier ein Meisterregisseur am Werk ist.

Yoshitaru Nomura präsentiert sich im vorliegenden Werk zwar nicht unbedingt als Meister atemloser Spannung, doch aber als Meister der mächtigen Bilder. Die Handlung spielt anno 1977, doch im DORF DER ACHT GRABSTEINE, scheint die Zeit lange vor diesem Jahr stehen geblieben zu sein. Der Städter Tatsuya betritt mit seinem Heimatdorf eine andere Welt, die inmitten düsterer Wälder und Auen über einem Labyrinth aus Tropfsteinhöhlen liegt. Takashi Kawamatas Kamera fängt die seltsame, bedrückende Atmosphäre dieses abgelegenen Ortes in grandiosen Bildern ein. Sie zeigt uns beeindruckende Naturaufnahmen, geht in jedes Haus, dreht jeden Stein um.

Und begleitet uns am Ende hinunter in die Kavernen des Dorfes, wo die kalten, unterirdischen Seen fließen und mumifizierte Leichen warten. Dort unten findet auch das Finale statt. Das Detektivspiel dreht sich zum blanken Horror. Bleiche, gespenstische Gesichter und lange, schwarze Haare wurden nicht erst in den späten Neunzigern und frühen Zweitausendern von RING und JU-ON ins Horrorkino gebracht; die begegnen uns schon hier in diesem Film aus den späten Siebzigern; in einer ausgesucht gespenstischen Sequenz.

Das dann wirklich rasante und atmosphärisch glänzende Finale (und zuvor noch ein irrwitziger Flashback zu einem Amoklauf mit 32 Toten) lassen einen dann doch so manch mühseligen Abschnitt auf unserem Weg zum und durch das DORF DER ACHT GRABSTEINE vergessen. Eindringliche Atmosphäre, große Bilder und die majestätische Filmmusik von Yasushi Akutagawa sind weitere Pluspunkte, die der Film wider seine Längen sammeln kann. Und selbst wenn Nomura die Geschichte etwas umständlich und schleppend erzählt; so ist es trotzdem eine gute Geschichte.

Das Dorf der acht Grabsteine Bild 1
Das Dorf der acht Grabsteine Bild 2
Das Dorf der acht Grabsteine Bild 3
Das Dorf der acht Grabsteine Bild 4
Das Dorf der acht Grabsteine Bild 5
Das Dorf der acht Grabsteine Bild 6
Das Dorf der acht Grabsteine Bild 7
Das Dorf der acht Grabsteine Bild 8
FAZIT:

Whodunit vs. Samuraifluch im DORF DER ACHT GRABSTEINE! Außerdem befinden sich im Widerstreit: Ultralangsame Erzählweise vs. düster-eindringliche Bilderkraft. Sporadische Einschlafgefahr vs. Aufsehen lassen mit blutig-irrwitzigen Rückblenden. Zähe Passagen vs. großartige Atmosphäre. Am Ende wartet ein unheimliches und mächtiges Gruselfinale. Somit fällt eine Bewertung von Nomuras YATSUHAKAMURA nicht leicht: Einerseits geht er manchmal fast schon scheintotes Tempo; andererseits hat er auch viele einzigartige und faszinierende Momente, Stimmungen und Bilder. Also auch Langatmer vs. Meisterwerk; so paradox das jetzt auch klingen mag.

WERTUNG: 7 von 10 Gläschen Strychin-Sake
TEXT © Christian Ade
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