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Der Kfig

Der Käfig

OT: La Gabbia
GIALLO / EROTIKTHRILLER: ITALIEN, 1985
Regie: Giuseppe Patroni Griffi
Darsteller: Laura Antonelli, Tony Musante, Blanca Marsillach, Florinda Bolkan

STORY:

Einst hat Michael Parker die verboten junge Marie während eines Hotelaufenthalts verführt und sich nach einigen pikanten Sexspielchen einfach so aus dem Staub gemacht. Doch im Leben trifft man sich immer zweimal. In diesem Fall findet das natürlich "rein zufällige" Wiedersehen fünfzehn Jahre später statt, als Marie mit ihrer minderjährigen Tochter Jacqueline in die Nachbarschaft von Michaels aktueller Bettpartnerin zieht. Als Michaels Freundin über Weihnachten verreisen muss, kann der alte Schwerenöter der Gelegenheit nicht widerstehen und stattet der ihm immer noch hörigen Marie einen Besuch ab. Doch diesmal lässt Marie ihn nicht mehr so einfach entkommen: Während des Liebesspiels kettet sie Michael ans Bett und belässt ihn in den Fesseln. Der alte Gigolo sieht sich plötzlich in der Gewalt von Mutter und Tochter wieder, welches beide schwer gestörte Persönlichkeiten sind… -

KRITIK:

Heute wollen wir mal den Außenbezirken des Giallo einen Besuch abstatten und zwar dem Hoheitsgebiet des erotischen italienischen Thrillers. Die wurden ab Mitte der Achtziger und vor allem in den Neunzigern verstärkt produziert, aber gleichzeitig immer billiger. Die wenigsten davon wurden noch in den Kinos gezeigt, sondern landeten Direct-to-video oder gar gleich im Abendprogramm des Fernsehens. Diese kleinen Thriller wurden jedoch immer mehr zum Fundament eines im Niedergang begriffenen Genres. Zum Ende des letzten Jahrhunderts war der Ruhm der schwarzen Handschuhe nämlich so gut wie dahin und das Genre lebte eigentlich nur noch dank seiner glorreichen Vergangenheit weiter. Die Stätten des italienischen Thrillers in den Achtzigern und Neunzigern - das muss man leider konsterniere n- haben für gewöhnlich nicht mehr viel mit den einstig stilvoll-schillernden Giallo-Metropolen der 70er gemein. Und dennoch gibt es hier und da noch eine Sehenswürdigkeit zu entdecken. Wie etwa LA GABBIA aus dem Jahr 1985, der in Deutschland als DER KÄFIG lief.

Das ist ein Erotikthriller von Giuseppe Patroni Griffi, der von niemand geringerem als dem unvergessenen Giallo- und Goremaestro Lucio Fulci in Kooperation mit dem PERFUME OF THE LADY IN BLACK-Hersteller Francesco Barilli geschrieben wurde. Die Geschichte, welche die prominenten Herren da ersonnen haben, ist jetzt nicht gerade bahn brechend schmuddelig, ergibt aber dennoch ein brauchbares Kammer(fessel)spiel um Obsession, Hörigkeit und masochistischer Lust mit einer dezent sleazigen Note.

DER KÄFIG wird gerne als Mischung aus EINE VERHÄNGNISVOLLE AFFÄRE und MISERY bezeichnet, wobei die genannten Werke den Film gar nicht beeinflusst haben können, da beide erst später erschienen sind. Inhaltlich hinkt der Vergleich jedoch nicht: Tony Mustante als gealterter Womanizer lässt sich auf auf eine verhängnisvolle Affäre mit Laura Antonelli ein, die letzten Endes tatsächlich die Ausmaße einer psychosexuellen MISERY-Variante annimmt.

Wobei man im KÄFIG dann doch mehr Wert auf Schlüpfrigkeit denn Terror legt. Insbesondere, wenn die beiden Marsillach-Schwestern Blanca und Cristina in Aktion treten, wird ganz ordentlich an der Schmuddelschraube gedreht. Blanca, die in Verhoevens FLESH + BLOOD in einer kleinen Nebenrolle als epileptische, meist nackte Nonne zu sehen war, weitet im Verlauf der Handlung das Psychotechtelmechtel zwischen Musante und Antonelli zur sleazigen Dreiecksbeziehung aus und Cristina, die spätere weibliche leading role in Argentos OPERA, erleben wir in pikanten Flashbacks als junge Marie.

Der illustre Cast wird von Florinda Bolkan vervollständigt. Sie spielt Musantes reguläre Freundin im Film und ihr wird es obliegen, unseren Schwerenöter in Distress aus den Klauen des psychotischen Mutter-/Tochtergespanns zu befreien - oder auch nicht…

Stars sind also an Bord; auch wenn die meisten in die Jahre gekommen sind. Zwischen den Engagements in Filmen wie THE BIRD WITH THE CRYSTAL PLUMAGE oder VENUS IN FURS und ihren Auftritten in DER KÄFIG liegen nun mal vierzehn Jahre; und die gehen auch an einem Gigolo wie Tony Mustante oder einer Venus wie Laura Antonelli nicht spurlos vorbei. Doch nicht nur bei den Hauptdarstellern ist der glänzende Lack vergangener Tage etwas abgebröckelt; auch die ganze Bildersprache von LA GABBIA besitzt nicht mehr den große Style von einst. Dann und wann weht hier schon eine steife Brise schmuddeliges Spätprogramm durchs Wohnzimmer; was nun aber nicht unbedingt stört, sondern nur weniger kunstfertig wirkt.

Und - was im Thrillerfach ja nicht unwesentlich ist - ein bisschen spannend ist das Ganze schließlich auch. Wobei sich das Zuschauermitleid für Mustantes Figur doch stark in Grenzen halten wird; es sei denn, man sieht in egoistischen, arroganten Lustmolchen, die sich noch mit 49 für God´s Gift to Women halten und sich an Teenagern vergreifen, sympathische Zeitgenossen. Die fehlende Identifikationsfigur ist aber zu verschmerzen, denn auch Schadenfreude ist eine Freude und das "Geschieht-ihm-ganz-recht!"-Okular liegt schließlich immer griffbereit neben der Fernsehbrille. So gesehen hätte man - oder frau - dem alten Tony gerne noch ein bisschen härter an die Kandare nehmen können.

Nichtsdestotrotz: DER KÄFIG ist ein passabler Erotik-Giallo, der sich sehen und fast noch mehr hören lassen kann. Denn Meister Morricone hat da ein paar ziemlich schmissige Main- und Endthemes auf Gitarre, Bass und Schlagzeug komponiert.

Der Käfig Bild 1
Der Käfig Bild 2
Der Käfig Bild 3
Der Käfig Bild 4
Der Käfig Bild 5
Der Käfig Bild 6
FAZIT:

Etwas in die Jahre gekommene Genrestars wie Tony Mustante und Laura Antonelli geben sich´ s noch mal im Schmuddelbett des psychologischen Thrillers. Zwei dekorierte Regisseure - der Goremaestro Lucio Fulci (A LIZARD IN A WOMAN´S SKIN, EIN ZOMBIE HING AM GLOCKENSEIL) und Francesco Barilli (PERFUME OF THE LADY IN BLACK) - schrieben das Drehbuch und Ennio Morricone den Score zu diesem kleinen passablen Erotikgiallo von Giuseppe Patroni Griffi.

WERTUNG: 6 von 10 Wundbränden
TEXT © Christian Ade
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