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Der Omega Mann

Der Omega Mann

OT: The Omega Man
ACTION: USA, 1971
Regie: Boris Sagal
Darsteller: Charlton Heston, Anthony Zerbe, Rosalind Cash

STORY:

Nach einem mit biologischen Kampfstoffen geführten Weltkrieg ist die Erde entvölkert. Robert Neville, ehemaliger Wissenschaftler im Dienst des Militärs und letzter Überlebender, führt einen aussichtslosen Kampf gegen die Einsamkeit, seine Erinnerungen und eine Horde von infizierten Mutanten, die ihn mit allen Mitteln eliminieren wollen.

KRITIK:

Im zarten Alter von 11 oder 12 Jahren erzählte mir mein damals bester Freund mit glänzenden Augen von einem Film, den er - verbotenerweise - am Vorabend gesehen hatte. Von mysteriösen Gestalten in schwarzen Kutten war da die Rede, weißhäutig, mit gelben Augen, von einem Einzelkämpfer, der sich mit aller Macht dieser Monster erwehren muss. Seiner Schilderung nach war das Teil spannend wie Sau gewesen und hatte ihm eine schlaflose Nacht beschert. Den Titel, den er mir nannte, vergass ich nie mehr: "DER OMEGA MANN".

Erst einige Jahre später hatte ich Gelegenheit diesen mit soviel Vorschusslorbeeren bedachten Film zu sehen. Ich wurde nicht enttäuscht. Der OMEGA MANN ist bis zum heutigen Tag ein "guilty pleasure" für mich geblieben, und ein Film der sich aus oben genannten Gründen einer objektiven Bewertung (fast) entzieht.

Charlton Heston, wie er in der Eröffnungssequenz einsam in seinem roten Cabrio durch die verwaisten Straßen von LA cruist, das markante Heldenkinn grimmig vorgeschoben, die MP auf dem Beifahrersitz, begleitet von einem melancholischen Soundtrack, das hat aber auch wirklich was!

Überhaupt: die ganze erste Hälfte des Films ist klasse inszeniert. Wir werden Zeuge von Nevilles Alltag und den Schwierigkeiten, mit denen er kämpft. Die biologischen Kampfstoffe haben diejenigen, die nicht sofort starben in lichtscheue Mutanten verwandelt, die, in schwarze Mönchskutten gehüllt, durch die nächtliche Stadt streifen. Zu einer fanatisch-religiösen, technologiefeindlichen Sekte zusammengeschlossen, versuchen sie mit mittelalterlichen Methoden, Neville auszulöschen, den sie als letztes Überbleibsel der alten, unheilbringenden Zivilisation sehen.

Angeführt und geeint werden sie von ihrem Oberhaupt Mathias, einem ehemaligen Fernsehmoderator, herrlich abgeklärt gespielt von Anthony Zerbe. Die "Familie" belagert bei Nacht das zur Festung ausgebaute Haus Nevilles, während dieser bei Tag gnadenlos Jagd auf die im Sonnenlicht wehrlosen Familienmitglieder macht. Neben den allnächtlichen Angriffen der Mutanten fordern aber auch die Einsamkeit und Isolation ihren Tribut von Neville.

Hier kann der Film voll und ganz punkten, und zwar mit Atmosphäre satt! Eine ominös bedrohliche, unheimliche aber auch irgendwie melancholische Stimmung ist allgegenwärtig.

Dem auf Heldenrollen abonnierten und oft etwas *ähem* robust agierenden Charlton Heston gelingt es hier ganz vortrefflich, die nur mühsam unterdrückte Verzweiflung Nevilles sichtbar zu machen. In all seinen Handlungen steckt immer eine Ahnung des Abgleitens in den Wahnsinn im Angesicht einer absurden Situation. Überleben, schwer genug - aber wofür?

Als Neville im weiteren Verlauf dann doch auf ein paar nicht infizierte Menschen stößt, eröffnet sich ihm ein neues Handlungsspektrum, Hoffnung keimt auf inmitten all der Verzweiflung - der Film selbst jedoch verliert von nun an leider etwas von der ungeheueren Intensität der ersten Hälfte. Spannend bleibt er dennoch.

Dass der OMEGA MANN nicht vollends überzeugen kann, liegt wohl an der Buchvorlage "I Am Legend" von Richard Matheson. Der Kampf eines Einzelnen gegen eine Gruppe Fremdartiger ist natürlich Action-Stoff par excellence. Die ambivalente Erzählstruktur von Matheson hingegen, durch die in der Vorlage der vermeintliche "Held" vielmehr als intoleranter, feindseliger Störfaktor inmitten einer neu aufkeimenden Gesellschaft Andersartiger herausgearbeitet wird (im Buch sind es Vampire), geht natürlich zu Lasten eines geradlinigen Actionplots.

Trotzdem muß man es dem OMEGA MANN zugute halten, dass er diesen Gedanken überhaupt aufgreift und so der literarischen Vorlage zumindest in Grundzügen treu bleibt. Im Quasi-Remake I Am Legend mit Will Smith wurde dieser Aspekt zugunsten einer hochglanzpolierten Haudrauf-Action mit CGI-Effektgewitter gleich ganz weggelassen und die "Anderen" zu einer Horde blutgieriger, geistloser Zombies degradiert. Keine Rede mehr von einer neuen Gesellschaft, wie sie im OMEGA MANN der charismatische Mathias propagiert.

So bleibt unterm Strich eine etwas unausgewogene Mischung, die sich je nach Fortschreiten der Handlung nicht immer zwischen Actionkracher und Drama entscheiden kann. Auch etwas Trash darf hier und da nicht fehlen, erwähnt sei beispielhaft nur der lächerliche Hubschrauber-Crash. Als Gratiszugabe gibt es eine der ersten "Interracial Lovestories" des New Hollywood sowie aufdringliche religiöse Symbolik, vor allem gegen Schluß. Chuck Heston in der Pose des gekreuzigten Messias des Neuen Zeitalters ist wahrlich schwer zu verdauen.

Und trotzdem: eine überragend atmosphärische erste Hälfte und das solide Spiel von Heston, sowie eine herrlich stimmige Ausstattung trösten über manche Schwäche hinweg und machen den OMEGA MANN zum Gewinner und zu einem Film, den man sich immer wieder gern ansieht - allein schon wegen der tollen Eröffnungsszene, die mit Sicherheit für 28 TAGE SPÄTER Pate gestanden hat.

FAZIT:

Charlton Heston, die Hoffnung der Menscheit, kämpft gegen gregorianische Mutanten.
Klingt schräg, ist es auch - macht aber enorm Spaß! Fast schon ein Klassiker, und Kult sowieso.

WERTUNG: 8 von 10 Sonnenbrillen bei Nacht
TEXT © Monezza
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Marcel | 18.01.2010 16:56
Die "ambivalente Erzählstruktur" in Mathesons Story wird auch in den anderen Verfilmungen eher ausgeblendet. Vielleicht kommt die Idee vom Helden, der keiner ist, am besten in der Verfilmung rüber, die keine offizielle ist - "The Night of the Living Dead" von 1968. Ziemlich nahe dran an der Vorlage ist insgesamt gesehen die erste Verfilmung von 1964 mit Vincent Price, entstanden in Italien für wenig Geld (und bei archive.org als public domain vorhanden). Die inzwischen dritte offizielle Auflage mit Willy Schmitz hat mich dagegen nie interessiet.
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