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Hanna

Hanna

ACTION/THRILLER/DRAMA: USA/D/GB, 2011
Regie: Joe Wright
Darsteller: Saoirse Ronan, Eric Bana, Cate Blanchett, Olivia Williams

STORY:

Hanna wächst mit ihrem Vater in einer Holzhütte knapp unter dem Polarkreis auf. Auf den Tisch kommt, was die schneebedeckte Einöde hergibt: Hirsch zum Beispiel, von Hanna eigenhändig getötet und ausgeweidet. Töten, das hat ihr der Vater - ein Ex-CIA-Agent - beigebracht. Neben einer erquicklichen Anzahl an Fremdsprachen und dem nötigen theoretischen Wissen, um in der feindlichen Welt da draußen zu überleben. Denn dorthin wird Hanna eines Tages zurückkehren. Um eine Sache zu Ende zu bringen, deren Tragweite sie noch nicht abschätzen kann …

KRITIK:

Sucker Punch. Never Let Me Go. Und jetzt Hanna. 2011 scheint das Jahr der verlorenen Kinder im Kino zu werden. So unterschiedlich diese drei Filme auch sein mögen, ist jeder für sich auf seine Art über alle Maßen großartig.

Dabei hätte ich Hanna beinahe verweigert. Aus Ignoranz, aus Altersschwachsinnigkeit oder einfach nur, weil ich nicht in der Lage war, die Schönheit und Anmut dieses Films hinter dem höchst konventionellen Trailer zu erkennen.

Aber wozu hat man gute filmaffine Freunde auf Facebook? Die üblichen Verdächtigen, sie waren alle aus dem Häuschen, schwärmten von "Pure Magic" und vom Film des Jahres. Selbst der Filmwissenschaftler Marcus Stiglegger, alles andere als ein Hype-anfälliger Mainstream-Gucker, lobte Hanna als "reizvolles Eventkino".

Und was soll ich sagen: Sie haben natürlich alle recht. Hanna ist ein kleines Wunder von einem Film, der mühelos die verschiedensten Genres vereint - Actionthriller, Coming of Age-Drama, Roadmovie, sogar Märchen-Elemente. Bourne Identity meets Gebrüder Grimm, wenn man so will.

So eigenwillig und ungewöhnlich der Genre-Mix, so interessant und vielschichtig ist die Hauptfigur: Juvenile Killer-Girls sollte man sowieso adoptieren, egal ob Natalie Portman in Leon, Chloe Moretz in Kick-Ass oder eben Saoirse Ronan als Hanna.

So überzeichnet die Action-Sequenzen - mit anfänglichem Sci-Fi-Einschlag - noch ein weiteres Genre im Cocktail - auch sein mögen, so realistisch und glaubwürdig wirkt der Drama-Part.

Aber kommen wir noch kurz auf die Action zu sprechen. Die Zeit der nervtötenden Wackelkamera-Experimente scheint vorbei zu sein; gerade die Actionsequenzen sind von einer Eleganz und Präzision, wie man sie im Zeitalter der hingerotzten Youtube-Clip-Ästhetik schon lange vermisst hat. Mit den wummernden Beat-Kompositionen der Chemical Brothers entsteht dabei ein Sog, ein Bewegungsrhythmus, eine Dynamik, eine Wucht, die Staunen macht.

Viel könnte man noch schreiben über die spannende Geschichte, über die Nebendarsteller, über die Schauplätze, die Kostüme und, und, und.

Mach' ich aber nicht. Denn Hanna lebt auch von ihren Überraschungen und funktioniert umso besser, je weniger man vom Inhalt weiß. Deshalb ist jetzt Schluss, und ihr geht jetzt auf der Stelle ins Kino.

Hanna Bild 1
Hanna Bild 2
Hanna Bild 3
Hanna Bild 4
Hanna Bild 5
FAZIT:

Die Killerelfe aus dem ewigen Eis macht dem CIA die Hölle heiß.
Okay, Dichter wird keiner mehr aus mir, aber meinem Urteilsvermögen ist hoffentlich noch zu trauen. Einer der zugegebenermaßen schon ziemlich zahlreichen Filme des Jahres.

In diesem Sinne: "Ich hab dein Herz verfehlt!"

WERTUNG: 9 von 10 Freundschaftsbändern
Dein Kommentar >>
DriesVanHegen | 08.11.2011 00:34
Toller Thriller mit starken Darstellern, grandiosem
Sound der Chemical Brothers und knappen zwei Stunden
die mehr als im Flug vergingen.
Düster und pessimistisch, aber doch irgendwie
frohlockend. Atemlose Hetzjagd, die man ruhig
gesehen haben sollte!
>> antworten
Niko | 06.08.2011 20:29
Einer der dämlichsten Filme die ich je gesehen habe!!!
Der Film ist ein Witz....!
Harald | 06.08.2011 22:10
Einer der dämlichsten Kommentare die ich je gelesen habe. Der Niko ist ein Witzbold....!
Nic | 24.08.2011 23:26
bissi aufgeschlossener sein, du weisst nicht alles ;)
>> antworten
Nico | 11.06.2011 19:52
Da haben einige nicht unrecht, besonders Ralph, wenn er
entdeckt hat, das dem Film in der zweiten Hälfte ein
wenig die Luft ausgeht oder Figuren durchwegs flach
gezeichnet scheinen und einem Situation und Begegnungen
kalt lassen. Ja... hm.. - aber bei dieser rundum
gelungenen Bild- Schnitt und Musik- Komposition, die
echt n Genuss ist, ist mir das herrlich Wurst, was der
Film nicht bietet, hält oder schafft... ob beabsichtigt
oder nicht. Joe Wright hätte noch einiges rausholen
können, aber großartig schon mal, dass er nichts falsch
gemacht hat bzw. aus dem schwachen Buch mit viel Laune
einen "kleinbudgetierten", irgendwie europäischen,
spritzigen Genrebastard schuf, der ein Stück weit
Fingerübung ist und vielleicht eben damit eine kleine
Überraschung darstellt, wieviel weniger schwergewichtig
wieder Action sein und gefallen darf (oder in manchen
Fällen doch nicht)- der Film will mMn nichts anderes
sein als stylisches Actionmärchen... Betonung auf
Märchen... - Interessantes Konzept, irritierender Cast,
sehenswürdige, kompakte Umsetzung... - funktioniert,
wenn man sein Verlangen nach Epik für n bisschen Spaß
abwürgen kann - für mich definitiv ein Stern am
Kinohimmel 2011 - 8/10
Nic | 11.06.2011 21:54
mit er will nicht viel sein und macht das gut bin ich einverstanden ;)
Nico | 11.06.2011 22:24
na, wenigstens...! :)
>> antworten
Bernhard | 11.06.2011 13:36
Klingt sehr interessant, bin gespannt!
>> antworten
Nic | 11.06.2011 00:39
at best 7/10. sorry wollte den hype nicht stören. lieber noch mal atonement ansehen..
Harald | 11.06.2011 09:58
ist ja höchstens ein kleiner nischen-hype. für den gemeinen popcorn-widerkäuer im multiplex ist das eh nix, weil keine kampfroboter und cgi-explosionen ;-)
Ralph | 11.06.2011 10:36
Da hat wohl jemand den Nachspann von Running Scared gesehen und sich gedacht, das kann ich auch...
Trotzdem stimme Nic insgesamt zu. Nach der geradezu genialen ersten Hälfte geht dem Film der erzählerische Atem aus, aber dennoch unbedingt sehenswert, denn der Elektroscore die Bilder und Plansequenzen, die Darsteller, (Cate Blanchett !!!!), die Charaktere (jeder einzelne Charakter ist liebevoll ausgearbeitet und ein interessantes Individuum, auch eine verlorengegangene Kunst). Joe Wright ist ein toller Regisseur, soviel ist sicher...
Marcel | 11.06.2011 13:41
Der nächste, der dem Hype verfällt. Kann ich überhaupt nicht nachvollziehen. Ein extrem vorhersehbarer, ziemlich langweiliger, und vor allem ziemlich kalter Film, der völlig an der Oberfläche bleibt (sind Plansequenzen etwa alles?) und mein Herz aber sowas von verfehlt hat. Und zu Ralphs Ausbau der Charaktere - wo denn bitte? Der Vater etwa? Was machte der denn großartig außer Rache planen? Cate Blanchet bekommt ne Rückblende, hui! Die Kinder? Die tauchen einfach auf und geben ein paar altkluge Sprüche von sich.
3 von 10 verfehlten Zielen. Aber gut, vermutlich bin ich auch das falsche Zielpublikum.
Ralph | 11.06.2011 14:19
Ja, Planseuquenzen sind alles. Zwei gute Plansequenzen in einem Film und der Rest ist mit völlig wurscht. Children of Men oder Citizen Kane (und eigentlich auch Atonement) haben mich einfach permanent in Extase versetzt. Ich hoffe du kannst damit leben, dass ich auf anspruchsvoll-ausgeklügelte, dichte Sprache stehe, bei Filmen wie bei Büchern, sogar wenn sie insgesamt scheitern...

Milde Spoiler

Also bei den feinen Charakteren dachte ich mehr an die Hippiefamilie, die Nazikillertruppe und den schrägen Clown, das waren individualisierte Nebenfiguren, die einem Film einfach Leben und Substanz geben. Eric Banas Charakter war in der Tat der schwächste von allen, und natürlich war auch Cate Blanchetts Figur streng genommen nicht so toll ausgearbeitet, aber sie hat es einfach wettbemacht durch ihre überragenden Schauspielkünste. Es gelingt wirklich selten eine dermaßen flache Figur so eindringlich darzustellen.
Wieso du jedoch meinst, dass ich dem Hype verfalle, verstehe ich jetzt nicht, weil ich ja auch finde, dass der Film in seiner zweiten Hälfte arg abbaut und somit letztlich scheitert, wenn auch auf "hohem" Nivean.
Marcel | 11.06.2011 17:36
Dem Hype verfallen ist eher Harald, deshalb ja die Überleitung "und zu Ralphs Ausbau der Charaktere." Aber stimmt schon, da ich schon mal dabei war, hab ich dich gleich mit ins Boot genommen ;-) Sorry. Und klar, jeder hat einen ganz bestimmten Zugang zu Filmen, wenn das bei die Planungsequenz, dann weiß ich das jetzt und kann das einordnen.
Gregor | 19.06.2011 15:45
War gestern mit meiner Freundin im Kino, um mir diesen "reizvollen Eventfilm" anzusehen. Ihr Kommentar: "Von allen Filmen, die mir uns bisher zusammen angeschaut haben, war das auf jeden Fall der Schlechteste!"...

Meine eigene Wertung sieht ungefär so aus:

Musik: 10, Optik: 8, Story: 4, Charaktere: 2

Macht insgesamt 6 Punkte und mehr ist da meiner Meinung nach auch echt nicht drin!

@ Ralf: "Feine Chraktere" und individualisierte Nebenfiguren"?

Also die Hippies gehen bei mir ja noch als mäßig lustige Karikatur durch, aber bei den deutschen Nazikillern hört der Spaß aber auf. Kurz: Dümmer geht´s nicht!

Spoileralert:

Die platte Story macht mir bei so einem Film ja nicht so viel aus. Aber hier sind weder die Charaktere stimmig, noch hat der Film das auch für einen guten Blockbuster unabdingbare Minimum an Logik!

Z.b. Hanna: Im Hochsicherheitstrakt der CIA erwacht, weiß das kleine Powergirl natürlich sofort, was zu tun ist, aber bei den Arabern überfordert sie sogar der Ventilator...

Z.B. der Kontaktmann in Berlin: Ein Fantasiefreizeitpark ist natürlich ein sehr geeigneter konspirativer Treffpunkt, der der CIA vorher natürlich unmöglich aufgefallen sein kann.

NOCH GRÖSSERER SPOILERALERT!!!!

Und die superkluge Hanna ist natürlich am Ende vollkommeen überrascht, das der Kontaktmann nun tot ist... Dachte wahrscheinlich vorher, die netten Skinheads wollten auch nur ein paaar Waffeln haben...

Usw. usw. Kurz: Ein Graus!!!
Harald | 19.06.2011 16:09
"Nichts in der Welt ist so langweilig wie die Logik."
(Alfred Hitchcock)
Für mich war Hanna pures magisches Gesichter/Gefühls/Musik-/Bewegungskino.

Ich würde mir an deiner Stelle eine neue Freundin suchen.
Gregor | 21.06.2011 20:51
Sie hat sich über den Spruch amüsiert! - "pures magisches Gesichter/Gefühls/Musik-/Bewegungskino" trifft es ja ziemlich gut, aber ich finde, dass der Film sobald Hanna aus der Luke des Hochsicherheitstrakts herauskricht stark nachläßt. Und da das Hollywoodkino auch entsprechend seines eigenen Selbstverständnisses letzten Endes "storybased" ist, stört es mich in DIESEN Filmen auch meist sehr, wenn das Drehbuch so hingerotzt wurde, wie es bei HANNA eindeutig der Fall ist. - Hätte mit nur ein wenig mehr Liebe echt ein genialer Schlag werden können.

Und die klischetriefenden stumpfen Charaktere töten leider auch viel von der tatsächlich vorhandenen audiovisuellen Magie...
Nic | 16.07.2011 18:21
abgesehen davon bedeutet Gesichter/Gefühls/Musik-/Bewegungskino überhaupt nichts ;-)
verliert euch nicht in sinnlosen artikulationsübungen. akzeptiert die wahrheit :P
Harald | 16.07.2011 20:23
Mir schon. Mehr als neunmalkluges Logik/Verwirrspiel/Rätsel-Kino.
bless | 14.03.2012 06:10
Ich versteh dich Harald und gleichzeitig verstehe ich auch die
'Hater'. Hanna muss einen einfach berühren und wenn man zu
abgestumpft ist oder sich nicht darauf einlassen kann/will,
dann wird man diesen Film nicht gut finden. Für mich war es
faszinierend zu sehen wie Hanna in die Welt hineingestossen
wird und darin Schönheit, Freundschaft und Angst findet. Fast
ein bisschen Alice im Wunderland. Wenn man das so
betrachtet: wer klagt denn bitte bei Alice über
Ungereimtheiten? Ausserdem sind viele der bemängelten
Punkte auch interpretationssache. Als Hanna in der Wüste
eingesperrt war, befand sie sich in einer Gefahrensituation,
daher blieb ihr die Möglichkeit sich über die Dinge zu wundern
gar nicht. Später jedoch will sie sich ausruhen und da wird ihr
ihre Umwelt erst so richtig bewusst. Klingt für mich schlüssig.
Logikfehler sind oft Auslegungssache, viel wichtiger ist
eigentlich welche Kraft der Film hat. Zumindest für mich.
>> antworten


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