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Pulse

Pulse

OT: Kairo
HORROR: JAPAN, 2001
Regie: Kiyoshi Kurosawa
Darsteller: Haruhiko Kato, Kumiko Aso, Koyukikurume Matsuo, Show Aikawa

STORY:

Plötzlich geschieht Seltsames im Japan unserer Zeit: Immer mehr Menschen begehen Selbstmord oder verschwinden einfach. Rote Räume entstehen, die schemenhafte Gestalten als Passage in unsere Welt nutzen. Der Student Kawashima stößt auf gespenstische Dinge im Internet und begreift allmählich, dass zunehmende soziale Kälte und Vereinsamung in der Gesellschaft unsere Daseins-Ebene sturmreif für eine feindliche Übernahme aus dem Jenseits gemacht haben…

KRITIK:

Ich gebe es zu. Nach dem ersten Durchlauf PULSE habe auch ich nicht verstanden, warum dieser Film von Kiyoshi Kurosawa in Kennerkreisen als absolutes Meisterwerk gehandelt wird. Ich habe PULSE - anfangs - wie viele andere auch - als langatmigen, ja fast schon lahmen Geisterfilm mit ein paar seltsamen, unheimlichen Szenarien empfunden. Irgendwann Monate später sah ich mir den Film spätnachts noch einmal an. Entweder war ich dann in der richtigen Stimmung oder es bedarf tatsächlich eines mehrmaligen Sehens, um hinter die Fassade des scheinbar herkömmlichen Ghostflicks zu kommen und die geniale Tiefgründigkeit des Geschehens zu begreifen.

PULSE ist ein Film, der seine volle Kraft erst entfaltet, wenn man sich auf ihn einlässt. Er ist so komplex, dass er als filmischer "Zwischensnack" oder gar als Movie in geselliger Runde absolut ungeeignet ist. Doch hat man sich erst auf Kurosawas Stil eingestellt, erkennt man ganz schnell, dass die zuerst ausgemachte Trägheit in Wahrheit ein perfekt ausbalanciertes Erzähltempo ist. Das wird umso deutlicher, wenn man das US-Remake des Films sieht, wo man die Story im Hasenfickstakkato unter Verdreifachung der Schauereffekte in der halben Zeit herunterhechelt.

Aber da Quantität nicht immer Qualität bedeutet, kommen die angesprochenen Schauereffekte nicht halb so effektiv wie im gespenstischen Original zur Geltung. Wo die im Nippon-PULSE dosiert und leise auftretenden Geistererscheinungen dem Zuschauer wirklich das Fürchten lehren, beginnen sie bei inflationären Einsatz im Hollywood-PULSE schnell zu langweilen. Und es braucht wohl keiner Extraerwähnung, dass der Intellekt des Originals in der tosenden Effekthascherei des US-Remakes deutlich in den Hintergrund treten muss.

Kurosawa lässt seiner beklemmenden Geschichte in der Ursprungsversion jedoch die Zeit und den Raum zur Entfaltung. Hier kommt das Grauen kriechend; die düstere Stimmung wird zunehmend finsterer, bis sich die schaurigen Momente und gespenstischen Szenarien am Ende zu einer apokalyptischen Vision verdichtet haben.

Ohne Zweifel hat Kurosawa mit diesem Film einen der innovativsten und sicherlich auch intelligentesten Geisterfilme überhaupt abgeliefert. Denn im Grunde geht es in PULSE nicht primär um die Schattenwesen aus dem Jenseits. Der Film ist viel mehr die beklemmende Vision einer zunehmend kälter werdenden Gesellschaft, in welcher nach und nach alle Menschlichkeit vernichtet wird. Es geht um Themen wie Vereinsamung, Depression und Verlust der Lebensfreude. Es geht darum, dass Menschen nach und nach aus der Realität verschwinden.

Sein ernstes Anliegen kleidet Kurosawa hier in das Gewand eines düsteren, langsamen, aber verdammt beklemmenden Geisterfilms, der gespickt mit delikaten Schauermomenten ist, aber auch dem ein oder anderen Schockeffekt. Hier sei auf die schier unglaubliche Selbstmordszene verwiesen, die einen Sprung von einem Turm ohne erkennbaren Schnitt zeigt. Kurosawas PULSE ist ein Meisterwerk, das sich nicht unbedingt beim ersten Ansehen zu erkennen gibt. Der Film wächst viel mehr mit jedem Durchlauf. Wo andere Filme bei Wiederholungen langweiliger und uninteressanter werden, offenbart dieser nur weitere Details und Klasse.

Und wurde so auch in meinen Augen ganz klar zu einem absoluten Meilenstein des Horrorfilms.

Pulse Bild 1
Pulse Bild 2
Pulse Bild 3
Pulse Bild 4
Pulse Bild 5
Pulse Bild 6
FAZIT:

In einer kälter und einsamer werdenden Gesellschaft werden Menschen mitten im Leben zu Gespenstern… - Hochintelligente und beklemmende Horrorvision, die perfekt in einem kriechenden, aber verdammt unheimlichen Geisterfilm verarbeitet wurde. Ein gewaltiges Genremeisterwerk, das sich in seiner Komplexität und anfänglichen Sperrigkeit erst nach und nach als solches offenbart.
Kurosawas PULSE ist - hat man ihn erst gefühlt - grandiose, atemberaubende Genrekost!

WERTUNG: 10 von 10 Rollen rotes Klebeband
TEXT © Christian Ade
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toxic | 01.12.2009 22:31
Ich fand diese Rezession zum Film sehr hilfreich, weil ich mich auf ihn eingelassen habe. Der Flm ist in meinen Augen mehr als Gleichnis oder Parabel zu sehen, als als Film mit logischer und schlüssiger Handlung. Die Atmosphäre ist teilweise wirklich sehr beklemmend wobei ich zugeben muss, daß der Film im letzen Drittel oder Viertel etwas nachlässt.
Die Szene, in der die Frau vom Silo springt, habe ich mir 5 mal angeschaut und düster.

Jeder der seine Filmabende mit dieser Webseite koordiniert, sollte sich Pulse alleine abends ansehen. Ich muss ihn auch nochmal sehen, um ich kann nicht sagen was, besser zu verstehen.

Nachhaltiger Film, guter Film

8 von 10 nicht erkennbaren Specialeffects
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