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Star Trek: Nemesis

Star Trek: Nemesis

SCIENCE-FICTION: USA, 2002
Regie: Stuard Baird
Darsteller: Patrick Steward, Jonathan Frakes, Brent Spiner, Tom Hardy

STORY:

Nach einem Putsch im romulanischen Senat zeigt sich die neue Führung plötzlich zu Friedensgesprächen bereit. Die Enterprise wird zum Romulus geschickt um die Verhandlungen aufzunehmen. Doch der neue Prätor ist nicht gerade das, was die Enterprise-Crew erwartet hat. Auch seine Motive scheinen unklar...

KRITIK:

Wie schön hörte sich das alles an. John Logan, frisch oscargeadelter Autor von GLADIATOR, schreibt den neuen Star Trek. Jude Law wird den Bösewicht geben. Wow, Paramount versucht mal ein bisschen mehr rauszuholen. Tja, falsch gedacht. Regisseur Nicholas Meyer, dem wir zwei unbedingte Höhepunkte der Star Trek-Filmreihe, "Der Zorn des Kahn" und "Das unentdeckte Land", zu verdanken haben, sagte ab, weil er mit dem Drehbuch so nicht zufrieden war und Logan sich die volle Kontrolle gesichert hatte. LeVar Burton war dem Studio eine zu unsichere Bank. Ridley Scott hat angeblich abgesagt.
Wenn i, war i, hätt i, dad i....

Im Endeffekt entschied man sich für Stuard Braid, seines Zeichens Regisseur von zwei bemerkenswert soliden, aber völlig kunstlosen Filmen wie Auf der Jagd und Einsame Entscheidung. Zugegeben, dieser Mann ist eine Koryphäe auf seinem Gebiet und prägte das mehr als großartige Achtzigerjahre-Actionkino mit, als Editor von Lethal Weapon, Die Hard, Demolition Man und kürzlich von Casino Royale, aber das alleine macht noch keinen guten Regiestil aus.

Und tatsächlich stimmt irgendwas nicht mit NEMESIS. Obwohl es eigentlich eigentlich ein gar nicht mal so übler Film wurde. Ich werde mich jetzt aber mal weit aus dem Fenster lehnen und eine völlig neue Theorie aufstellen, die dem üblichen Nemesis-Bashing zuwider läuft. Es ist nicht NICHT Regisseur Braids Schuld, dass NEMESIS so befremdlich wirkt, es liegt am Drehbuch. John Logan hat einfach versucht, die besten Momente aller vorangegangenen Star Trek-Filme inklusive den Präferenzen der TNG Fans, Picard und Data beim Philosophieren zuzusehen, unter einen Hut zu bringen und das fühlte sich dann eher wie ein Best-Of, denn wie ein Film an.

Der rachegeplagte Bösewicht Shinzon erinnert an "Der Zorn des Kahn", der Friedensprozess mit den Romulanern an den mit den Klingonen im "Unentdeckten Land" (jedoch ohne dessen politische Untertöne), der Stellungskrieg auf der Enterprise gemahnt an die Borg-Attacken aus "First Contact".

Die Story ist simpel. Man fliegt hin zum Romulus und später fliegt man wieder weg von ihm. Neben Picard und Data werden alle weiteren Crew-Mitglieder zu Statisten degradiert, was vor allem bei Riker und Worf schmerzlich ist. Die Figuren benehmen sich auf einmal wieder wie in der ersten Staffel. Data ist naiv, Worf einfältig und rassistisch, Troi humorlos, Picard ein wenig steif. Wo war da die Charakterentwicklung?

Stuard Braid hat das Beste daraus gemacht. Seine elegante Inszenierung wirkt wesentlich kinematographischer als jemals zuvor, jetzt mal abgesehen von Robert Wise's Star Trek - Der Film. Die Kameraarbeit und die Actionszenen sind großartig. Der Film ist sehr düster und spielt mit den dramatischen Elementen der Oper, die nun einmal simpel sind. Bösewicht Tom Hardy ist sicher kein Jude Law, lässt sich aber von Shakespearedarstellerschwergewicht Patrick Steward keineswegs die Schau stehlen.

Warum ist dieser Film also trotzdem eine Enttäuschung? Erstens einmal: Er ist keine. Er befriedigt nur unsere Erwartungen nicht. Trekkies vermissen schmerzlich das Familiengefühl, die Charakterentwicklungen und die Wärme vorangegangener Episoden. Das Mainstreampublikum stößt sich an der klassischen, langsamen Inszenierung und den hinter STAR WARS und Konsorten zurückgebliebenen Schauwerten.

Im Kino noch dazu ein Beinahe-Flop, was aber auch die direkte Konkurrenz mit Die Another Day, Harry Potter und die Kammer des Schreckens sowie Herr der Ringe: Die zwei Türme erklärt.

In Österreich hat der Film gut abgeschnitten, hier ist die Marke Star Trek wie auch in Deutschland, England und Australien noch eine wertvolle. Zum Vergleich: In Japan (130 Millionen Einwohner) hat der Film weniger eingespielt als in Österreich (7 Millionen Einwohner). Die Kritiken waren verheerend. Kritikerpapst Roger Ebert sprach sogar vom Ende Star Treks, weil die Luft einfach draußen war.

Jetzt, sechs Jahre später und nach einem sensationellen Verkaufserfolg auf DVD konnte sich NEMESIS so ziemlich re-etablieren, zumindest unter den Fans. Im weitgehend stiefmütterlich behandelten Sci-Fi-Genre ist er, bei all seinen Fehlern, sicher einer der besten Filme in diesem Jahrzehnt, bedeutet aber auch das Ende einer TV-Familie, die zu ihrer Zeit sicher der Höhepunkt in der gesamten TV-Landschaft war und den Weg für die heute beinahe schon standardmäßigen intelligenten TV-Serien ebnete, an denen wir uns heute erfreuen. Man darf gespannt sein was "Lost"-Erfinder J.J. Abrahams aus der Trademark Star Trek machen wird...

FAZIT:

Viel besser als sein Ruf. Star Trek: Nemesis ist eine schön langsame, altmodische und halbwegs intelligente Popcorn-Weltraumoper, wie wir sie nicht mehr so oft sehen werden. Das Requiem auf eine Generation, die Popkultur geschrieben hat. Ruht in Frieden.

WERTUNG: 8 von 10 remulanischen Nosferatus
TEXT © Ralph Zlabinger
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Dein Kommentar >>
mausekönig | 30.10.2010 17:19
kein schlechter film, wirklich nciht....
aber für 8/10 reicht das nciht...
wäre dann auf einer höhe mit filmen die etwas schlehter sind als die die nciht ganz oben stehen...

das ist bei diesem film deffinitiv nicht de fall.
7/10 kann man vertreten...
überdurchschnittlicher film, aber nciht wirklich gut
Ralph | 30.10.2010 18:08
Ja gut, hast eh recht. Aber ich bin ein kleiner Trekkie, deshalb gab es einen kleinen Liebhaberbonus.
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