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The Oxford Murders

The Oxford Murders

THRILLER: GB/E/FR, 2008
Regie: Álex de la Iglesia
Darsteller: Elijah Wood, John Hurt, Leonor Watling, Julie Cox, Burn Gorman

STORY:

Die alterwürdige Universitätsstaat Oxford wird von einer mysteriösen Mordserie, der vor allem alte und kranke Menschen zum Opfer fallen, erschüttert. Doch die Auswahl der Opfer ist keinesfalls willkürlich, die Morde scheinen vielmehr einer mathematischen Logik zu folgen. Und sie scheinen sich an den bekannten Mathematiker und Universitätsstudenten Arthur Seldom (John Hurt) zu richten. Es liegt nun an ihm, zusammen mit dem gerade in Oxford angekommen Austauschstudenten Martin (Elijah Wood) die Logik hinter der Mordserie zu entschlüsseln....

KRITIK:

Als mir vor einigen Jahren "Die Pythagoras-Morde" von Guillermo Martinez in die Hände fielen, dachte ich bereits beim Lesen, dass man aus dem Stoff doch prima einen Film machen könnte. Doch ehe ich mir die Rechte an dem Buch sichern konnte, musste ich feststellen, dass wohl schon jemand vor mir diese Idee hatte und ein Film bereits in Planung war.

Ich hatte beim Lesen des Buches zwar nicht unbedingt John Hurt als Mathematikprofessor im Kopf, konnte mir aber Hurt in dieser Rolle dennoch problemlos vorstellen. Aber Elijah Wood als südländischen Austauschstudenten? Das schien mir doch etwas weit hergeholt Aber die Drehbuchautoren sind ja nicht auf dem Kopf gefallen und machten aus dem spanischen Jungmathematiker flugs einen amerikanischen Austauschstudenten.

Der Film selbst beginnt mit einem kurzen Exkurs über Wittgenstein und John Hurt darf uns erklären, warum die Philosophie tot ist. Das ganze ist aber weitaus weniger hochtrabend als es vielleicht klingen mag. Klar, Mathematik, Logik und ähnliche Themen spielen im Film schon eine Rolle, kommen diese Bereiche schließlich auch schon in der literarischen Vorlage vor. Die Ausführungen sind aber meist oberflächlich und leicht zu folgen. Manches dürfte sogar noch aus der Schulzeit in Erinnerung sein. Alles in allem ist THE OXFORD MURDERS nicht viel komplizierter als beispielsweise THE BUTTERFLY EFFECT oder THE DA VINCI CODE.

Nur dass Álex de la Iglesias THE OXFORD MURDERS das ganze viel ruhiger und weitaus weniger reißerisch als die oben genannten Filme angeht. Es gibt zwar eine gut gemachte kleine Verfolgungsjagd (ein Highlight des Films), aber das war's dann auch schon. Stattdessen setzt der Film auf langsamen Spannungsaufbau und falsche Fährten.

Natürlich ist bei einem solchen Film auch die Location von großer Bedeutung und so wurde tatsächlich auch an Originalschauplätzen in Oxford gedreht und es wurde versucht etwas vom Flair der Stadt mit ein zu beziehen. Aber ob es in Oxford wirklich von alten Omas die beim Kaffeekränzchen über Turing schwatzen wimmelt und man ständig Gefahr läuft in irgendwelche verrückten Mathematik(Genies?) reinzurennen, wag ich einmal zu bezweifeln. Aber anderseits ist Oxford ja ein Zentrum der westlichen Elite, oder so. Und da ist es dann halt nicht verwunderlich dass selbst Krankenschwestern schwere Mathewälzer in ihren Schlafzimmern herumliegen haben. In THE OXFORD MURDERS sind lediglich die Polizisten etwas doof. Wissen nicht einmal was Fibonacci-Zahlen sind.

Der Film selbst plätschert lange Zeit nur vor sich hin. Außer der schon erwähnten Verfolgungsjagd, einer gut gelungen Kamerafahrt und schön eingefangenen historischen Rückblenden, die den Film immer wieder auflockern, tut sich nicht viel. Zugegeben, ich wusste schon im Vorfeld wer hinter den Morden steckt, aber dennoch hätte ich mehr erwartet. Einen guten Film soll man sich schließlich öfter als einmal angucken können.

Erst der Schluss konnte mich wieder packen. Ich muss sagen, der Schluss hat mich tatsächlich für einige Längen und Unannehmlichkeiten entschädigt. Das Ende vermochte tatsächlich mich zum nachdenken anzuregen und hob den Film in eine ganz andere Ebene.

Alles in allem ließ mich der Film etwas zwiespältig zurück. Die Grundstory hat mir ja schon als Buch gefallen und gegen Schluss wurde auch aus der filmischen Umsetzung ein guter Film, aber dazwischen gab es einiges was mir nicht gefallen hat.

Und auch die Schauspieler hinterließen einen zwiespältigen Eindruck. Während John Hurt in der Rolle als alternder, die Welt in Frage stellender Mathematikprofessor voll aufgeht, bleibt Elijah Wood seltsam blass, was schade ist, weil eben der Diskurs zwischen Professor und Student einer der Eckpfeiler der Geschichte ist und auf der Leinwand nicht immer ganz zündet.

The Oxford Murders Bild 1
The Oxford Murders Bild 2
The Oxford Murders Bild 3
The Oxford Murders Bild 4
The Oxford Murders Bild 5
FAZIT:

Wenn man das Buch und damit die Auflösung nicht kennt, ist THE OXFORD MURDERS sicherlich ein spannender Film nach dem guten alten Who-Dunnit-Prinzip. Falsche Fährten so weit das Augen reicht, verdächtige Figuren hinter jeder Ecke und die solide Inszenierung des vielseitigen spanischen Regisseurs Álex de la Iglesia machen aus THE OXFORD MURDERS einen netten kleinen Krimi zum mitraten.

Kennt man hingegen die Auflösung schon ist das ganze etwas unbefriedigend. Neben einem grandiosen Schluss, schönen Aufnahmen von Oxford und einem seine Kollegen an die Wand spielenden John Hurt hat der Film leider nicht allzu viel zu bieten, was ihn über den Durchschnitt heben würde. Lediglich der philosophische Wahrheitsdiskurs vermag noch ein klein wenig rauszureisen. Sofern man sich für ihn erwärmen kann.

WERTUNG: 6 von 10 Ungelösten mathematischen Problemen
TEXT © Gerti
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Dein Kommentar >>
Nic | 01.01.2009 13:30
mir hat er gut gefallen für eine dvd-premiere, ohne das buch zu kennen.
7/10 sind drin.
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Harald | 01.01.2009 10:55
hmm... hört sich an, als wäre der wilde alex auf seine alten tage seriös, um nicht zu sagen philosophisch geworden. ich liebe ja eher den anarchischen - manche sagen auch: pubertären humor seines frühwerks
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