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Two-Lane Blacktop

Two-Lane Blacktop

ROADMOVIE: USA, 1971
Regie: Monte Hellmann
Darsteller: James Taylor, Warren Oates, Laurie Bird, Dennis Wilson

STORY:

Ein frisierter 55er Chevy ist der Hauptdarsteller in Monte Hellmans Kult-Klassiker aller Autorennfilme. Mit ihm sind der Fahrer und sein Mechaniker (Sänger James Taylor und der Beach Boy Dennis Wilson in ihrem jeweils einzigen Ausflug ins Schauspielfach) unterwegs von einem Dragsterrennen zum nächsten. Gehalten wird nur zum Tanken, Essen oder für notwenige Reparaturen. Nach einem dieser Aufenthalte gesellt sich das Mädchen (Laurie Bird) zu ihnen. Von nun an sind sie zu dritt. Als sie immer wieder mit dem Fahrer eines Pontiac GTO zusammentreffen, beschließen sie ihn zu einem neuen Rennen herauszufordern: Ein Überlandrennen quer durch die USA...

KRITIK:

"Dieses Roadmovie von 1971 ist wahrscheinlich das definitive Werk seines Genres" (New York Times)
"Unglaublich fesselnd" (Time Out)
"An instant classic" (Rolling Stone)
"Exzellent" (Falter)

Wie man sieht, eilt diesem Roadmovie-Klassiker aus dem Jahre 1971 ein gewisser Ruf voraus. Dabei hat der Film nichts, aber auch wirklich nichts von dem, was das typische Seventies-Benzinkino ausmacht: Keine erkennbare Story, keine Spannungsdramaturgie, keine Action, keine Musik, ja nicht einmal wirkliche Dialoge. Die wenigen Worte, die gesprochen werden, beschränken sich auf technische Fachsimpeleien unter Autofreaks.

Selbst die Landschaft, die bei Roadmovies oft die eigentliche Hauptrolle spielt, muss hier im Hintergrund bleiben. Die meiste Zeit ist die Kamera auf die Protagonisten gerichtet, die mit ihrem PS-Monstern einfach fahren. Fahren um des Fahrens - und des Geschwindigkeitsrausches - Willen, ohne Sinn, ohne Ziel, nur mit der Gewissheit, dass es für sie kein Happy End geben wird.

Radikaler als Monte Hellmann kann man nicht gegen die Erwartungshaltungen des Publikums inzenieren. Kein Wunder, dass der Film seinerzeit finanziell floppte.

Und trotzdem - oder gerade deshalb entwickelt Two-Lane Blacktop eine Sogwirkung wie kaum ein anderer Film aus dieser Ära. Ich hätte es nie für möglich gehalten, dass ein Film, der von Leere und Langeweile erzählt, dermaßen fesselnd und spannend sein kann.

Two-Lane Blacktop ist ein existentialistischer Trip durch eine trostlose Welt, ein Film, der die innere Leere und Lethargie seiner Figuren beinahe körperlich spürbar macht: Der "Driver" und der "Mechanik" haben keine Herkunft, kein Ziel, ja nicht einmal richtige Namen.

Alles, was die traurigen Benzinbrüder interessiert, sind die Einspritzpumpen, Ventile und Reifen ihres getunten Chevys. Daran ändert sich auch nichts, als sie eine junge Anhalterin, im Film nur "The Girl" genannt, mitnehmen: Zwar fühlt sich der Driver zu ihr hingezogen, doch ist er unfähig, seine Gefühle zu artikulieren. Wie denn auch, wenn er keine hat. Was bleibt, ist (asexuelle) Leere und Verzweiflung.

Wie schon erwähnt, floppte der Film seinerzeit im Kino. Der Kultstatus, der dem Werk berechtigter Weise anhaftet, entstand erst erst im Laufe der Jahrzehnte. Wohl auch, weil ein gewisser Quentin Tarantino Regisseur Monte Hellman wiederholt als großes Vorbild bezeichnete. In diesem Sinne: Schnallen Sie sich an, denn "You can never go fast enough!"

Die DVD von Pierrot leFou bringt diesen gesuchten Klassiker in sehr guter Bildqualität in die Regale. Geschichtsbewußte Filmfreunde bestellen noch heute! Als Bonus gibt's ein Audiokommentar von Monte Hellmann und eine Doku über die Entstehung des Films - passenderweise auch im Roadmovie-Style.

Two-Lane Blacktop Bild 1
Two-Lane Blacktop Bild 2
Two-Lane Blacktop Bild 3
Two-Lane Blacktop Bild 4
Two-Lane Blacktop Bild 5
FAZIT:

On the Road to nowhere: Two-Lane Blacktop ist wahrscheinlich das radikalste und reinste Werk seines Genres: Ein Roadmovie-Klassiker, der von Einsamkeit und Langeweile auf den staubigen Highways erzählt, ohne selbst auch nur eine Sekunde langweilig zu sein.

WERTUNG: 8 von 10 quietschenden Reifen
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