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Valerian - Die Stadt der tausend Planeten

Valerian - Die Stadt der tausend Planeten

OT: Valerian and the City of a Thousand Planets
SCIENCE-FICTION: F, 2017
Regie: Luc Besson
Darsteller: Cara Delevingne, Dane DeHaan, Rihanna, Clive Owen, Herbie Hancock, Ethan Hawke, Rutger Hauer

STORY:

Die intergalaktische Raumstation Alpha, in der hunderte Spezies friedlich zusammenleben, hat ein Problem: In ihrem Inneren wuchert eine radioaktive Todeszone, die sich krebsgeschwürartig ausbreitet. Spezialeinheiten wurden losgeschickt und kamen nicht mehr zurück. Das Schicksal von Millionen Menschen und Aliens liegt nun in den Händen von Major Valerian (Dane DeHaan) und seiner Partnerin Laureline (Cara Delevingne). Dabei kommen sie einer sinistren Verschwörung auf die Spur ...

KRITIK:

Kann ein Film schlecht sein, der mit David Bowies "Space Oddity" beginnt? "Ground control to Major Tom" singt die melancholische, brüchige Stimme des 2016 verstorbenen Ausnahmekünstlers. Wir sehen historische Aufnahmen von Begegnungen im Weltraum. Die Jahre springen dahin. Jahrzehnte, Jahrhunderte vergehen. Die Raumschiffe werden immer größer. Bald gesellen sich andere Spezies dazu. (Ich hab extra nochmal im Duden nachgesehen: Der Plural von Spezies ist Spezies). Schließlich landen wir im 28. Jahrhundert, auf einer Art Wüstenplanet, dem ersten Einsatzort unseres titelgebenden Helden Valerian und seiner Partnerin Laureline.

Die Besetzung ist ein Glücksgriff: Dane DeHaan, der nach seinem SPIDER-MAN-Auftritt wieder Zeit hat für weirde Mindfuck-Rollen wie zuletzt A CURE FOR WELLNESS hat, verstrahlt hier genau die richtige Mischung aus Draufgängertum und Dandyness, wie man sich einen Weltraum-James Bond des 28. Jahrhunderts eben vorstellt. Der Filmtitel ist eigentlich eine Mogelpackung. Die wahre Hauptrolle spielt nämlich das britische Ex-Model Cara Delevingne, die mir erstmals im Indie-Streifen PAPER TOWNS (MARGOS SPUREN) aufgefallen ist. Luc Besson hat bekanntermaßen ein Faible für starke Frauenfiguren und inszeniert seine Darstellerinnen gerne als Kämpferinnen. Das steht Delevingne ausgesprochen gut, besonders das grantige G'schau, wie wir Österreicher sagen. Die Beziehung zu ihrem Partner ist erfreulich sarkastisch und unromantisch. Man neckt sich, man duelliert sich verbal, und erst ganz am Ende wird er seine "Playlist" (eine Dating-App mit "Erinnerungen anzeigen"-Funktion) löschen und sie die obligatorischen "Love is the greatest power of all"-Stehsätze aufsagen.

Aber kommen wir noch einmal auf die Schauspieler zu sprechen. Da ist nämlich Namedropping satt angesagt. Rutger Hauer wird als Förderations-Präsident vorgestellt. Herbie Hancock ist Verteidigungsminister. Ethan Hawke spielt einen Zuhälter, der sich in Dennis Hoppers Kriegsreporter-Kluft aus APOCALYPSE NOW sichtlich wohlfühlt. Es gibt nämlich auch eine Rotlicht-Zone auf dieser Raumstation. In Hollywood wohl undenkbar. Und da war noch Rihanna, die eine Qualle spielt. Ja, richtig gelesen. Rihanna spielt eine Qualle. Aber weil wir in einem Luc Besson-Film sitzen, wird die Qualle ihre Gestalt wandeln, in glamouröse Kostüme schlüpfen und für einen bizarren Magic Moment in diesem an bizarren Momenten nicht gerade armen Film sorgen.

Um die 200 Millionen soll diese knallbunte Space-Opera gekostet haben, hört man. Teuerster europäischer Film aller Zeiten. Und was soll ich sagen: Das viele Geld wurde grundvernünftig investiert, in Effekte und Schauwerte nämlich, wie man sie in dieser Form tatsächlich nicht alle Tage sieht. Kino, das war immer schon die Kunst der bewegten Bilder. Niemand weiß das in Europa besser als Luc Besson, der in den Achtzigern gemeinsam mit Jean-Jacques Beineix und Leos Carax Jahren das "Cinema du look" begründete. Eine Strömung, die - ich zitiere Wikipedia - "sich durch eine höchst künstliche Gestaltung von Kulissen und Handlungsorten auszeichnete, was durch intensive Farb- und Lichteffekte noch verstärkt wurde. Dadurch entstand der Eindruck von Manierismus, Irrealität sowie Stilisiertheit der Orte, Figuren und Szenen."

VALERIAN ist wohl der Höhe- und Endpunkt dieser Entwicklung. Ein Bildersturm in Cinemascope. Reizüberflutung als Kunstform. Man wird wohl mehrere Durchläufe brauchen, um den ausufernden Detailreichtum dieser Bilderwelten vollständig zu erfassen. Aber leider muss man auch feststellen: 3D ist verschenkt. Besson hat mit konventionellen Kameras gedreht und nachträglich konvertiert, was zu Lasten der Raumtiefe geht. Ich für meinen Teil bin sowieso kein Freund des Dreidimensionalen. Mir fällt gerade mal eine Handvoll Filme ein, die 3D sinnvoll einsetzen. Der Blick auf die Erde in GRAVITY, FURY ROAD, wo die Schrotttrümmer dem Publikum nur so um die Ohren fliegen, die Klettertour auf dem Washington Monument in SPIDER MAN: HOMECOMING und, nun ja, der In-die-Kamera-Cumshot in Gaspar Noes LOVE. Ergänzungen bitte im Kommentarteil hinterlassen.

Luc Besson, der völlige künstlerische Kontrolle über dieses Riesenprojekt hatte, zitiert sich quer durch die Science Fiction-Geschichte, von STAR WARS über den WÜSTENPLANET bis AVATAR und - das kommt jetzt vielleicht überraschend: JURASSIC PARK. Aber unter Wasser, weil er ja auch Jules Verne mag und selbst gerne taucht, siehe IM RAUSCH DER TIEFE (1988). Die digitalen Tricktechniker von ILM haben unzählige Alienarten zum Leben erweckt. Das hat etwas von einem intergalaktischen Zoobesuch: Interessant, keine Frage, aber wenn wir uns ehrlich sind: Eher etwas für die Kleinen. Die finden diese Quassel-Enten bestimmt niedlich. Ich eher nervig.

Dass bei all dem visuellen Overkill die Geschichte in den Hintergrund tritt, überrascht nicht. Ein bisschen unrund wirkt die Erzählung, episodenhaft und zerfleddert. Dabei ist die Geschichte ist im Grunde ziemlich harter Stoff, der in krassem Gegensatz zum kindlich-freundlichen Naturell dieses Films steht. Es geht um einen intergalaktischen Völkermord ("Sie haben sechs Millionen getötet"), der vertuscht werden soll. Und doch darf am Ende die Liebe siegen. Alles ist möglich im Bessonschen Wunderland.

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FAZIT:

Mit der Verfilmung der Graphic Novel-Serie "Valerian und Veronique" hat Luc Besson ein 200 Millionen teures Herzensprojekt verwirklicht. Erzählerisch etwas unrund, aber visuell schon ziemlich beeindruckend. STAR WARS auf LSD statt Laserschwerter. Und Rihanna tanzt dazu. Ja, das hat schon was ...

WERTUNG: 7 von 10 "Playlists", die man besser löschen sollte
Dein Kommentar >>
nörgel | 02.08.2017 18:09
Spolierfrei geht aber anders
>> antworten
Thorsten | 24.07.2017 23:45
?Ich hab extra nochmal im Duden nachgesehen: Der Plural von Spezies ist Spezies.?
Ich war jetzt doch überrascht, ich dachte bisher, der Plural sein Spezien.

Aber vielleicht... ich wage es gar nicht auszusprechen... vielleicht ist der Duden doch nicht unfehlbar.

?Man wird wohl mehrere Durchläufe brauchen, um den ausufernden Detailreichtum dieser Bilderwelten vollständig zu erfassen.?

Das erging mir mit das 5. Element ähnlich. Ein Film, den ich mir immer wieder mal anschauen kann. Ich habe übrigens auf NDR Info gehört, das Valérian et Laureline ohnehin die Vorlage zu das 5. Element war.
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