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Vampiro

Vampiro

OT: El Vampiro
HORROR: Mexiko, 1957
Regie: Fernando Mendez
Darsteller: Abel Salazar, Ariadna Welter, Carmen Montejo, Germàn Robles

STORY:

Die junge Marta reist nach Mexikanisch-Transsilvanien, um auf der Hazienda der Familie Onkelchen und ihre beiden Tanten zu besuchen. Unterwegs schließt sich der schmucke Dr. Enrique an. Auf der Hazienda angekommen erlebt Marta eine böse Überraschung: Die eine Tante wurde gestern in der Familiengruft beigesetzt, die andere ist zum Vampir geworden. Letzteres bemerkt zunächst jedoch weder die naive Nichte noch der schmucke Doktor. Brenzlig wird's, als ein gewisser Graf Duval auf der Bildfläche erscheint und besonderes Interesse am Grab des gepfählten Vampirs Lavud zeigt. Aber da sich die Vorliebe von Vampiren für Anagramme ebenfalls noch nicht bis zu Marta und ihrer Familie herumgesprochen hat, zieht sich das Netz der Blutsauger immer enger um die Menschen auf der Hazienda...

KRITIK:

Jekyll und Hyde sitzen am wärmenden Kaminfeuer, trinken Rotwein und unterhalten sich über mexikanische Horrorfilme.

J: Lust auf ein bisschen Brainstorming, verehrter Hyde? Dann nennen Sie mir mal - zackzack! - drei Begriffe zum Thema Mexiko!

H: Na gut. Tequila, Sombreros, Salma Hayek - als Santanico Pandemonium mit einer Schlange tanzend in FROM DUSK TILL DAWN.

J: Sehr schön. Und jetzt ohne großes Überlegen: Drei Stichworte zum mexikanischen Horrorfilm.

H: Wrestler!...Maske!...Lächerlich!

J: Aber aber, mein lieber Hyde! Das ist nicht sehr freundlich. Außerdem zeugt ihr unangebracht abfälliger Kommentar zudem von wenig Tiefblick.

H: Oho, wenig Tiefblick...- Dann erleuchten Sie mich mal, Herr Doktor. Was genau lässt Sie SUPERMANN GEGEN VAMPIRE gleich nochmal in einem Atemzug mit, sagen wir, DAS OMEN nennen?

J: Ich muss zugeben, dass Horrorfilme mit maskierten Ringern, die gegen alle Arten von Unholden kämpfen, vielleicht nicht ganz so beunruhigend wie das von Ihnen genannte Werk sind, doch entbehren sie nicht eines gewissen Unterhaltungswerts. Fragen Sie doch unseren geschätzten Kollegen Marcel nach dessen Erfahrungen mit EL SANTO CONTRA LAS MUJERES VAMPIROS.

H: Hören Sie! Mit ein paar Kumpels, einer Kiste Bier und den richtigen Rauchutensilien würde ich selbst Sie lustig finden...  

J: Soviel Hilfsmittel benötigte der Kollege gar nicht. Er genoß Chili-Schokolade zu EL SANTO CONTRA LAS MUJERES VAMPIROS und zückte 8 von 10 Punkten.

H: Kann er gerne tun. Ist ja nicht verboten. Aber wenn ich einen Horrorfilm schauen möchte, dann schaue ich DAS HAUS AN DER FRIEDHOFSMAUER und wenn ich was Albernes mit Maske will, DEADPOOL.

J: Dann lassen Sie es uns anders angehen. Sie erinnern sich noch an Moctezumas ALUCARDA?

H (Seine Augen beginnen plötzlich verträumt zu leuchten): Verdammt! Wie an mein erstes Mal!

J: Nicht nur ein gewitztes Anagramm, sondern tatsächlich eine der wildesten Schwarzen Messen im okkulten Horrorfilm der 70er, finden Sie nicht auch?

H: Stimmt. Ein saugeiler Film. Ich seh immer noch vor mir, wie Alucarda ihrer Gespielin aus dem Waisenhaus den Lappen reinhängt; vor den Augen des Leibhaftigen in Bocksgestalt! Whoa, das war fast wie bei Jack und Rose, bevor die Titanic unterging...

J (seufzt): Ach, Hyde. So oft stelle ich mir die Frage, warum ich ausgerechnet mit Ihnen über Filme diskutiere...

H: Tja. Freud und Leid der Schizophrenie. Man kann sich seinen Gesprächspartner zwar nicht aussuchen, hat aber zumindest immer einen... 

J: Wohl wahr. - Aber bereit für die Masterfrage?

H: What?

J: In welchem Land wurde ALUCARDA produziert?

H: Scheiße! Sagen Sie bitte nicht...

J: Doch. Mexiko. Das meinte ich mit mangelndem Tiefblick. Sie sehen nicht hinter die Wrestler-Maske. Dahinter verbirgen sich nämlich noch so einige funkelnde mexikanische Horrorfilm-Juwelen. Die - Sie werden staunen! - gänzlich ohne Santos und Lucha Libre ausgekommen sind. ALUCARDA hatten wir schon. Dann die fiebrigen Höllenritte eines Jodorowsky. Natürlich Guillermo del Toros in seiner mexikanischen Heimat entstandenen Debütfilm...

H: Guillermo del Toro schuldet uns immer noch At the Mountains of Madness!

J: ...CRONOS - äußerst originell. Und wo ich gerade von Originalität spreche. Wissen Sie eigentlich, wie der Schauspieler hieß, der den ersten Vampir mit spitzen Eckzähnen in einem Film darstellte?

H: Beleidigen Sie nicht meinen Horror-Intellekt mit Ihren Kinderfragen, Jekyll! Definitiv Max Schreck, Deutschland 1922 in NOSFERATU - EINE SYMHONIE DES GRAUENS.

J: Falsch. Das waren Rattenhauer. Die Schneide - , mein lieber Hyde und nicht die Eckzähne.

H: Himmel, Jekyll, was macht das bitte für einen Unterschied? Ob nun 1-1 oder 1-4 - Hauptsache Vampir.

J: Schön gereimt. Aber nicht korrekt. Ich gebe Ihnen noch zwei Versuche.

H: Bela Lugosi. DRACULA. USA, 1931.

J: Er hatte zwar Eckzähne, wohlwahr, aber nur seine naturgegebenen. Sie waren von gewöhnlicher Beschaffenheit und nicht spitz.

H: Ah, ich hab's! Im Jahre des Herrn 1958! Sir...Christopher...Lee! Die Legende! Im emblematischen DRACULA der Hammer Studios! Und erzählen Sie mir jetzt bloß nicht, dass das keine spitzen Eckzähne waren!

J: Das waren spitze Eckzähne... aber so sehr ich den unvergessenen Prince of Darkness auch schätze, er trug in dem von Ihnen genannten Film zwar spitze Eckzähne, aber es waren nicht die ersten spitzen Eckzähne der Vampirfilmgeschichte.

H: Fuuuuck, Jekyll. Wollen Sie mich verscheißern? Max Schreck; der Max Schreck, der für seinen Nosferatu noch nicht einmal in die Maske musste und bei dem ich drauf wetten könnte, dass er -während wir hier reden- immer noch irgendwo putzmunter durch eine Gruft schleicht, hatte sie nicht. Bela Lugosi hatte sie nicht. Der Meister, - der Sire! - höchstpersönlich, Sir Christopher Frank Carandini Lee, soll sie auch nicht gehabt haben. Wer zum Teufel hatte sie bitteschön dann?

J: Germàn Robles.

H: Nochmal!

J (feierlich): Germàn Robles, geboren 1929 im schönen Asturien in Spanien. In Mexiko berühmt geworden als... EL VAMPIRO.

H: Hört sich verdächtig nach einem Wrestler-Pseudonym an. Und Sie sind sicher, dass er in seinen Filmen keine Maske trug?

J: Er trug spitze Eckzähne in seinen Filmen, Mr. Hyde. Genauer gesagt, die ersten spitzen Eckzähne der Vampirfilmgeschichte. Und zwar in dem Film EL VAMPIRO, Mexiko 1957. Wir erinnern uns, dass die Hammer Studios ihren HORROR OF DRACULA mit Christopher Lee erst ein Jahr danach drehten. Folglich trug Germàn Robles noch vor Christopher Lee die ersten spitzen Eckzähne der Vampirfilmgeschichte! Während diese Frage zugunsten Germàn Horacio Robles zweifelsfrei geklärt ist, wird in einer anderen unter Kennern noch heftig gestritten.

H: Und was ist das für eine Frage? Ob Horacio Robles ihn unter seinem Vampircape links... oder rechts trägt...

J: Das werden wir wohl erst herausfinden, wenn VAMPIRO endlich auf 2K remastered auf Blu ray erscheint.

H: Gott bewahre...

J: Nein, es geht hier um eine weitaus essentiellere Frage, mein lieber Hyde. Nicht wenige Experten, darunter auch meine Wenigkeit, sehen nicht den DRACULA der Hammer Studios als wahren Klassiker des Vampirfilms der 50er Jahre an, sondern... EL VAMPIRO. 

H (fährt entsetzt aus seinem Ohrensessel hoch, bekommt plötzlich einen hochroten Kopf. Seine Augen schleudern Blitze, als er empört ausruft): BLASPHEMIE...

Vampiro Bild 1
Vampiro Bild 2
Vampiro Bild 3
Vampiro Bild 4
Vampiro Bild 5
FAZIT:

Wir haben erfahren, dass man mexikanische Horrorfilme mit maskierten Wrestlern am besten mit gutem Gras oder noch besserer Chilli-Schokolade begeht. Wir haben gelernt, wer die ersten spitzen Eckzähne der Vampirfilmgeschichte getragen hat (und die Antwort war verdammt überraschend). Und plötzlich stellt Jekyll die gewagte These auf, dass nicht DRACULA mit Christopher Lee, sondern VAMPIRO mit Germàn Robles der große Vampirklassiker der 50er Jahre gewesen ist. Wird Hyde das auf sich und dem Prince of Darkness sitzen lassen? Kann ihn am Ende der eloquente und (film-)gelehrte Jekyll doch noch von Robles' wegweisenden Blutsauger-Qualitäten überzeugen? Ist dies hier die erste Fortsetzungsfilmkritik der Internetgeschichte oder gab es vorher in Mexiko schon eine? Bleibt dran! In einer Woche klären wir diese und noch andere Fragen. Bereitet euch aber vor allem auf unerbittliche Duelle vor. Gnadenlose Wortgefechte. Den Teeth Wars; Krieg der Eckzähne. Klickt uns wieder an, wenn es in einer Woche heißt: Jekyll vs. Hyde... VAMPIRO vs. DRACULA!

Ende des ersten Teils- FORTSETZUNG FOLGT...

WERTUNG: 7 von 10 spitzen Eckzähnen
TEXT © Christian Ade
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