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Dracula jagt Frankenstein

Dracula jagt Frankenstein

OT: Los Monstruos del terror
TRASH: SPANIEN/DEUTSCH, 1970
Regie: Hugo Fregonese, Eberhard Meichsner, Tulio Demicheli
Darsteller: Michael Rennie, Karin Dor, Patty Shepard, Paul Naschy

STORY:

Körperlose Außerirdische vom Planeten ähm... Ummo wollen unsere schöne Erde erobern, weil ihre eigene Welt im Sterben begriffen ist. Dazu nehmen sie Kontakt zum Mad Scientist Dr. Varnoff auf und senden ihn zwei hübsche, jedoch kürzlich verstorbene (!) Begleiterinnen. Dr. Varnoff entwickelt einen teuflischen Plan: er erweckt Frankensteins Monster, Mumie, Dracula und Werwolf zum Leben, um gemeinsam eine ganze Armee von mythischen Monstern zu schaffen. Was sich auf dem fernen Planeten Ummo nach einem geradezu zwingenden Plan voll verblüffender Simplizität und zielgerichteter Effizienz anhört, ist auf der Erde aber anscheinend eine Nummer zu hoch. Denn die Monster verlieben sich.

KRITIK:

ALL YOU NEED IS LOVE! 1969 - was muss das für ein Sommer der Liebe gewesen sein, wenn sogar außerirdische Monster der erotischen Kraft bauchnabelfreier Blousons erliegen! Ich lebe im verkehrten Zeitalter. Gegen diese vollkommen abgefahrene Geschichte, die Paul Naschy dem Vernehmen nach innerhalb einer Nacht unter Einfluss von 20 Liter Kaffee und vermutlich auch einiger verbotener Substanzen schrieb, sehen selbst hochbezahlte Werbefuzzis während ihrer Brainstorming-Phase wie humorlose Buchhalter kurz vor Feierabend aus.

Paul Naschy erzählt nicht eine oder zwei Geschichten, sondern ungefähr fünf, und alle gleichzeitig. Wahllos wird das Wirken der einzelnen Monster, ihrer Opfer, ihren Eltern, den Ermittlern und der Bösewichter mit den geborgten Körpern gezeigt, ohne dabei auch nur ansatzweise einem roten Faden zu folgen. Und wenn am Ende Frankensteins Monster den Werwolf gleich zweimal tötet, hat das natürlich keinerlei Bedeutung für den weiteren Verlauf der Story.

Wer einen solchen Wahnsinn in die Welt setzt, der hat für solch kleinkarierte Worthülsen wie Logik oder Verstand nur ein verächtliches, mitleidiges Lächeln übrig. Mit Spielverderbern wie der Frage, ob eine körperlose Spezies tatsächlich einen Planeten braucht und, falls ja, man nicht einfach unbemerkt und friedlich nebeneinander mit den Menschen leben könnte, schließlich nimmt man ohne Körper ja auch keinen Platz weg, hält Paul Naschy sich erst gar nicht auf.

Dafür aber mit der Frage, wie er die bezaubernde Karin Dor möglichst oft auf den elektrischen Stuhl quälen kann. Dr. Varnoffs geheimes Labor blinkt daher, was die Schaltkreise hergeben, Frau Dor kreischt, was die Stimmbänder hergeben, Dr. Varnoff lächelt, was die Gesichtsmuskeln hergeben, und eröffnet ihr danach jovial, dass das jetzt keine Bestrafung war.

Klar, war nur Spaß. Weiß auch Frau Dor.

Das Werkzeug des Grauens ist schließlich ein Kopfhörer! Okay, im Sommer 1969 haben die Klangexperimente mit einer vergewaltigten E-Gitarre auf einer Wiese eine ganze Generation geprägt, aber dieses jaulende Gefiepe hier hat mit Musik nichts mehr zu tun. ERBARMEN! Den Witzbolden von Dump-TV war das nicht genug, sie ließen bei ihrer Ausstrahlung "Old McDonald had a Farm" aus dem Kopfhörer dudeln. Hi ha hi ha ho!

Egal. Wer den exzessiven Einsatz halluzinogener Pilze scheut, hier gibt's nichts, was es nicht gibt. Da schauen irgendwelche Katzen beim Sex zu, der Kommissar ermittelt die ganze Zeit eigentlich gar nichts, Dracula merkt beim ersten Flugversuch, dass er keine Flügel hat, der Werwolf verhaut alle, nachdem er dreimal wiederbelebt wurde und eine abgefahrene Discoszene mit völlig weggetretenen Hippies gibt's auch noch. Uff. Drei Regisseure hat der Trip verschlissen. Fragen?

Dracula jagt Frankenstein Bild 1
Dracula jagt Frankenstein Bild 2
Dracula jagt Frankenstein Bild 3
Dracula jagt Frankenstein Bild 4
Dracula jagt Frankenstein Bild 5
Dracula jagt Frankenstein Bild 6
FAZIT:

Dracula jagt Frankenstein? Wenn's so einfach wäre! Völlig wahllos und sinnbefreit wird jedes nur denkbare Monster der Filmgeschichte wiederbelebt, um Welteroberungspläne körperloser Außerirdischer umzusetzen. Quietschbunter, völlig abgehobener Ultratrash, bei dem sich sämtliche gängigen Bewertungskriterien verabschieden. Nicht mal Ufos gibt es zu sehen, dafür reichte das Budget nicht mehr. Das ist vermutlich eher für eine Wagenladung bewusstseinsverändernder Kräuter draufgegangen. Aber hier ist ohnehin nichts mehr von dieser Welt.

WERTUNG: 8 von 10 Mummenschanze
TEXT © Marcel
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Dein Kommentar >>
toxic | 12.04.2011 21:38
Top! Ein Prosit auf die deutsche Synchro, die vermutlich nach Feierabend eines Spencer/Hill Films beim Jointausatmen gesprochen wurde.
Wirklich Ultratrash in Reinform und im besten aller benebelten Sinne
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