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Hamburger Lektionen

Hamburger Lektionen

DOKUMENTATION: D, 2005
Regie: Romuald Karmakar
Darsteller: Manfred Zapatka

STORY:

Ende der 90er Jahre wurde Mohammed Fazazi Iman der Al-Quds-Moschee in Hamburg. Im Januar 2000 hielt Fazazi im Gebetsraum der Moschee mehrere "Lektionen". In diesen Lektionen beantwortete er einige von den Anwesenden gestellte Fragen zu den unterschiedlichsten Lebensaspekten. Diese Treffen wurden von einer unbekannten Person aufgezeichnet und später in Buchhandlungen vertrieben. Nach den Anschlägen des 11. September wurde bekannt, dass Fazazi Kontakt zu drei der vier Attentäter gehabt hatte. Heute gilt Fazazi als wichtiger geistiger und religiöser Bezugspunkt der Hamburger Terrorzelle und verbüßt eine 30-jährige Gefängnisstrafe in seiner Heimat Marokko, da er auch mit den Anschlägen in Casablanca in Zusammenhang stehen soll. Diese Lektionen wurden für den Film ins Deutsche übersetzt.

KRITIK:

Dass der Stoff der "Hamburger Lektionen" ein heißes Pflaster ist, zeigt sich nicht zuletzt darin, dass der Film über ein Jahr lang keinen Verleih fand. Und auch die Kritiker reagierten mit gemischten Gefühlen. Das Webportal prisma-online beispielsweise bezeichnete Fazazi als Hintermann des 11. September und bemerkte: "Dass der Inhalt der Lektionen aus hetzerischer, salafistischer Salbaderei besteht, war eigentlich vorher schon klar. Warum also bis ins Detail langweilige Reden ohne jegliche Dramaturgie nachplappern und die Geduld des Zuschauers unnötig strapazieren?"

An anderen Stellen war zu lesen, dass die "Hamburger Lektionen" Einblick in das Weltbild eines Islamisten gewähren würden, oder so wie "die Welt" es ausdrückte: "Regisseur Karmakar macht das Denken der Islamisten sichtbar durch äußerste Bildaskese."

Doch nicht nur aufgrund seiner Thematik macht es einem der Film nicht leicht, auch die Umsetzung mag auf den einen oder anderen Zuseher befremdlich wirken. Das Hauptaugenmerk von Regisseur Karmkar liegt eindeutig auf dem Text. Dieser soll dem Zuseher so neutral wie möglich präsentiert werden. Ohne Kommentare, ohne Widerrede, es gibt keine Bilder die das gesagte unterstreichen würden, keine Musik. Es gibt nur den Schauspieler Manfred Zapatka der inmitten eines Studios sitzt und den Inhalt der Lektionen vorliest. Ohne Theatralik. Zapatka gestikuliert nicht wild, versucht gar nicht erst Fazazi oder einen der Fragesteller darzustellen, sondern liest einfach nur den Text.

Hin und wieder blickt er auf und fokussiert die Kamera, um das eben Gesagte zu unterstreichen. Zum besseren Verständnis wird der Text immer wieder unterbrochen um im arabischen Original genannte Begriffe zu erläutern.

Ein weiterer wichtiger Bestandteil der Lektionen sind natürlich die Reaktionen, der bei den Lektionen anwesenden, Zuhörer auf das Gesagte. Da man das natürlich nicht so leicht nachstellen konnte, entschloss man sich, den Zuseher über jegliche Hintergrundgeräusche und Reaktionen über einen eingeblendeten Text zu informieren. Da steht dann schon so etwas wie "Gelächter" oder man erfährt an welchen Stellen Fazazi schmunzelte. Auch Zwischenrufe werden eingeblendet.

Die Lektionen selbst (also der Text), beginnen ganz harmlos. Es wird erörtert unter welchen Bedingungen Frauen alleine mit dem Flugzeug reisen dürfen und ob es erlaubt ist mit einem gefälschten Reisepass eine Pilgerreise anzutreten. Doch spätestens wenn die Lektionen bei den so genannten Ungläubigen angelangt sind, wird einem schon etwas mulmig zumute.

Natürlich besteht die Gefahr, dass sich einige dem Islam kritisch Gesinnte durch die "Hamburger Lektionen" in ihren Vorurteilen bestätigt fühlen könnten. Man darf jedoch nicht vergessen, dass man es mit dem Text eines so genannten Hasspredigers zu tun hat und nicht von einigen Wenigen auf eine ganze Religionsgemeinschaft schließen.

Auf der anderen Seite darf man vor solchen Dingen, wie den "Hamburger Lektionen" auch nicht die Augen verschließen.

Hamburger Lektionen Bild 1
Hamburger Lektionen Bild 2
Hamburger Lektionen Bild 3
Hamburger Lektionen Bild 4
FAZIT:

Die "Hamburger Lektionen" machen es einem nicht leicht, nicht nur aufgrund der Thematik. Der Zuseher wird mit dem Inhalt des Textes allein gelassen, muss ihn selbst interpretieren, seine eigenen Schlüsse ziehen. Sicherlich keine leichte Kost, doch wer an einer ernsthaften Auseinandersetzung jenseits von populistischen Wahlkampfansagen und geheuchelter political correctness interessiert ist, wird an den "Hamburger Lektionen" kaum vorbeikommen.

WERTUNG: 7 von 10 schreienden Kindern im Hintergrund
TEXT © Gerti
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