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My Son the Fanatic

My Son the Fanatic

DRAMA: GB, 1997
Regie: Udayan Prasad
Darsteller: Om Puri, Rachel Griffiths, Akbar Kurtha, Stellan Skarsgård

STORY:

Beinahe sein ganzes Leben verbrachte der gebürtige Pakistaner Parvez in Großbritannien. Hier hat er sich eine bescheidene Existenz aufgebaut, mit Job, Frau, Kind und Freunden. Er hat sich mit der westlichen Art zu leben arrangiert und versucht sich in die Gesellschaft einzugliedern, auch wenn er es nur bis zum Taxifahrer gebracht hat. Sein Sohn Farid soll es mal besser haben und wird vom Vater auf die Universität geschickt. Zu spät bemerkt Parvez, dass sich sein Sohn aber schon längst für ein anderes Leben entschieden hat...

KRITIK:

Was bedeutet Glück? Erfolg? Wann hat man es geschafft? Seit 25 Jahren lebt Parvez nun schon in Großbritannien. Und nun hat er es endlich geschafft: Sein Sohn hat sich mit der Tochter des örtlichen Polizeichefs verlobt. Das müsste doch reichen um Parvez' gesellschaftliche Stellung zu erhöhen. Denkt er. Doch die Beziehung zerbricht. Und als Taxifahrer ist es sowieso für viele nur das Letzte.

Obwohl er nun schon über zwei Jahrzehnten in seiner neuen Heimat lebt, wird er nicht wirklich akzeptiert. Von einem Kunden wird er als "little man" beschimpft und bekommt sogar mal einen Fußtritt verpasst. Und während eines gemütlichen Abends in einer Bar wird er vom auftretenden Komödianten durch den Kakao gezogen, nur aufgrund seines Aussehens, das für viele auf eine fremde Herkunft schließen lässt. Selbst nach 25 Jahren ist Parvez noch ein Fremder in der neuen Heimat, dem in den unerwartetsten Momenten blanker Rassismus entgegen schlägt.

Unter seinen Freunden finden sich vor allem andere Emigranten. Und die Prostituierten. Auch sie sind, wie Parvez, gesellschaftliche Außenseiter, die Tag für Tag, Nacht für Nacht um ihr Überleben kämpfen müssen. Parvez vermittelt sie manchmal an seine Kunden. Unternimmt nächtliche Spritztouren mit ihnen und ihren Freiern.

Doch sein Leben ist ihm längst schon entglitten. Viel zu spät merkt er, dass etwas nicht stimmt. Stück für Stück muss er erkennen, dass sich sein Sohn in eine Richtung entwickelt hat, die dem Vater nicht gefällt. Die Ideale seines Vaters bedeuten dem Sohn nichts, im Gegenteil: "I won't bring up my children in this country", wirft der Sohn dem Vater an den Kopf. Farid, der sein ganzes Leben in Großbritannien verbracht hat, hier geboren wurde und dessen Englisch akzentfrei ist, beginnt zu beten, er umgibt sich zunehmend mit fundamentalistischen Islamisten.

MY SON THE FANATIC ist vor allem ein Film über Entfremdung. Über einen Vater, der nicht bemerkt hat, wie ihm sein Sohn fremd geworden ist. Weder Vater noch Sohn können normal darüber reden, sie verstehen sich schon lange nicht mehr. Die Wertvorstellungen des Vaters, sie werden vom Sohn bestenfalls belächelt. Farid will mehr vom Leben, als ein Hilfsarbeiter zu sein. Es ist vor allem die Angst, so zu enden wie sein Vater, die ihm antreibt. Die zweite Antriebskraft ist Wut, die Wut auf die Gesellschaft, Wut auf den moralischen Verfall.

Interessant ist vor allem die Erzählperspektive. So erfährt der Zuseher wenig über Farid, oder seine Motive, sondern der Film beleuchtet vor allem Parvez. Es ist, als würde die Geschichte aus der Sicht von Parvez erzählt werden. Der Film ist nicht nur ein Drama über familiäre Entfremdung und verschiedene Weltanschauungen und Sichten, sondern vor allem auch das Portrait eines Mannes, der erkennen muss, dass sein Leben, das er sich mühsam aufgebaut hat, mehr und mehr entgleitet. Auch wenn er es im Gegensatz zu seinem Sohn nicht ausspricht, so ist Parvez nicht wirklich glücklich mit seinem Leben. Er tut nur so. Tag für Tag fährt er mit dem Taxi, ist freundlich zu den Kunden, erzählt ihnen dies und das, und weiß doch genau, dass sich niemand wirklich für ihn interessiert. Außer Bettina vielleicht, eine der Frauen, der Parvez hin und wieder einen Freier besorgt.

MY SON THE FANATIC ist ein recht interessanter Film, für den man sich aber auch Zeit nehmen muss. Streckenweise ist die Sache etwas zäh und man muss schon den Willen aufbringen, sich mit der Thematik auch tatsächlich auseinandersetzen. Es ist sicherlich kein einfacher Film, aber hier wird dafür auch nicht mit dem Holzhammer gearbeitet. Ein weiteres Problem ist, das der Film mit keiner klassischen Identifikationsfigur aufwartet.

Schauspielerisch gibt es nichts auszusetzen. Vor allem Hauptdarsteller Om Puri überzeugt mit seiner nuancenreichen Darstellung auf ganzer Linie.

Auch wenn das Ergebnis, nicht nur formal, etwas zu brav geraden ist, vermag der Film vor allem gegen Ende zu packen, wenn die ganzen angestauten Konflikte endlich zum Vorschein kommen dürfen.

My Son the Fanatic Bild 1
My Son the Fanatic Bild 2
My Son the Fanatic Bild 3
My Son the Fanatic Bild 4
My Son the Fanatic Bild 5
FAZIT:

Feinfühliges Porträt eines Mannes, der erkennen muss, dass sein Sohn andere Wertvorstellungen entwickelt hat, als sie er sie besitzt und dessen eh schon rissige Welt nun vollkommen zusammenbrechen zu droht.
Basierend auf einer Kurzgeschichte von Hanif Kureishi.

WERTUNG: 7 von 10 Namensschildern am Flughafen
TEXT © Gerti
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