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Steven Seagal: Hard to Kill

Steven Seagal: Hard to Kill

ACTION: USA, 1990
Regie: Bruce Malmuth
Darsteller: Steven Seagal, Kelly LeBrock, William Sadler, Frederick Coffin, Bonnie Burroughs

STORY:

Steven Seagal ist Mason Storm. Und Mason Storm ist unbesiegbar. Deswegen überlebt er auch das brutale Attentat auf ihn und seine Familie.

Die Attentäter jedoch werden ihres Lebens nicht mehr froh, denn wen Mason Storm auf dem Kieker hat, der benutzt seine Handgelenke so schnell nicht mehr.

KRITIK:

Alles ist besser mit Ninjas. Doch nichts ist so gut wie Steven Seagal. Schon als Kind war ich ja ein riesiger Steven Seagal-Fan. Zum einen weil das Internet noch nicht so verbreitet war und ich auch ansonsten noch nicht so richtig mitbekam, dass Seagal eigentlich von Beginn seiner Karriere an bloß immer wieder eine Art überhöhte Version von sich spielte. Mir ging es bloß darum, dass da jemand war, der den Bösen was auf die Kauleiste gab und dabei weder einstecken musste, noch verlieren konnte. Eigentlich genau der gleiche Grund, warum ich auch heute noch Steven Seagal-Filme schaue – wie vermutlich alle anderen auch. Dazu kommt heutzutage jedoch noch der Umstand, dass seine Filme unglaublich trashig sind und in der Verbindung aus Seagals Persönlichkeit, der Unbesiegbarkeit seiner Figuren, gebrochener Handgelenke und vielen komischen Eskapaden ein Actionpudding entsteht, der einfach nur köstlich ist.

Dazu kommt noch, dass man bei einem Seagal-Film einfach von vorneherein weiß, was man erwarten kann und was man bekommt. Mit Seagals zweitem Film HARD TO KILL nimmt die Seagal-Formel, nach der gefühlt 99% seiner Filme aufgebaut sind, auch so richtig Form an. Das Konzept aus NICO wird konsequent weitergeführt und –entwickelt. Hier nennt sich Seagal nun Mason Storm – ein Mann von einem Namen. Das war’s dann aber auch schon mit den Unterschieden zu NICO. Storm ist ein Cop, aber nicht irgendein Cop. Nein – der härteste von Allen. Gefürchtet von Allen. Vielleicht sogar von sich selbst.

Der wenig dezente Seagal’sche Größenwahn wird besonders in einer Szene, direkt zu Beginn, deutlich. Während eines Überfalls auf einen Tante Emma Laden schaut Mason Seagal regungslos zu wie der Ladenbesitzer abgeknallt wird. Bloß um kurz darauf – ich denke, das ist jetzt nicht wirklich ein Spoiler – die Typen, die den Laden überfallen haben, zu Kleinholz zu zerlegen. Der letzte der noch steht, hat ein Messer in der Hand und in gewohnt arroganter Art entledigt sich Steven Storm seiner Waffe und geht sogar auf die Knie, während er seinen Gegner zu einem Angriff auffordert. Um ihm kurz darauf genüsslich den Fuß zu brechen. Herrlich wie hier wieder konsequent der Philosophie von Aikido – Konflikte vermeiden oder gewaltfrei aufzulösen – vor die Füße gepinkelt wird. Natürlich wäre es ziemlich langweilig in einem Actionfilm zu versuchen, Konflikte friedfertig zu lösen. Wer will schon sehen, wie Seagal die Typen bequatscht die Waffe wegzulegen. Klappt ja eh selten sowas. Was das Publikum – inklusive mir – sehen will, ist wie Seagal die Typen verprügelt. Das lustige und interessante ist dabei jedoch ist die absolut zynische Brutalität mit der er vorgeht – niemand bekommt eine zweite Chance, denn sie haben sich mit einem Mann angelegt, der rot sieht.

Aber, nicht falsch auffassen, ich will mich gar nicht beschweren. Im Endeffekt ist es doch genau das, was nicht nur einen Seagal Film, sondern auch das großartige Actionkino der späten 80er/frühen 90er ausmacht. Inklusive lockerem Spruch vorm Knochenbruch – hrhr. Überhaupt sind die Actionszenen auch weitestgehend sehr gut inszeniert. Irgendwie eine Mischung aus den leicht trashigen Cannon-Knallereien und gezielt auf die Unbesiegbarkeit der Hauptfigur ausgelegter Keilerei – so wird Seagal zum Beispiel aus nächster Nähe mit einer Schrotflinte angeschossen, kann aber noch mühelos zwei Gegner erledigen, bevor er seinen Verletzungen erliegt und ins Koma fällt. Dabei gelingt bei weitem nicht jede Einstellung – und so passiert es auch mal, dass ein Scherge mit Schrotflinte mehrere Sekunden lang regungslos wartet, bis Seagal ihm das Handgelenk bricht. Auch A-Team’sche Referenzen sind zu bewundern, wenn es darum geht per Jeep den bösen Henchmen zu entkommen.

Die Geschichte ist dabei nicht unbedingt etwas Neues – und das war sie auch 1990 schon nicht. Allerdings ist sie ausreichend um die zahlreichen Actionsequenzen halbwegs sinnvoll zu verbinden. Dabei gab sich Autor Steven McKay sogar redlich Mühe, die eine oder andere emotionale Szene für Seagals Figur Mason Storm einzubauen, um zu verhindern, dass er gänzlich wie eine seelenlose Kampfmaschine wirkt. Untergraben wird diese Intention allerdings dadurch, dass all diese Versuche arg oberflächlich bleiben. So trauert Storm ganze zwei Minuten um seine ermordete Frau, bevor er Kelly LeBrock besteigt – wobei ich ihm das nicht verübeln kann, immerhin war LeBrock, neben Gillian Anderson, der feuchte Traum meiner frühen Jahre.

Dazu kommt, dass sein Sohn sieben Jahre lang glaubte sein Vater wäre tot und in dieser Zeit ein beinflussbares Alter durchgemacht hat. Es dauert jedoch keine 30 Sekunden bis er akzeptiert hat, dass sein Vater doch nicht tot ist und dass der eine neue Freundin hat, ist auch kein Problem – gut, ist ja Kelly LeBrock. Die als Stiefmutter zu haben führt wohl lediglich zur Ausbildung eines leichten Ödipus-Komplexes.

Natürlich ist keiner der bösen Schergen die sich Mason Storm in den Weg stellen auch nur ansatzweise ein Problem für ihn. Selbst frisch aus einem siebenjährigen Koma aufgewacht, schafft er es nur mit einem Mop bewaffnet seinen Verfolgern zu entkommen. Die Braut in KILL BILL musste wenigstens 13 Stunden lang ihren großen Zeh bewegen. Aber, ich will fair sein. Nachdem sich Storm seinen ekligen angeklebten Bart „abrasiert“ hat, beginnt eine hammerharte Trainingssequenz, die lediglich dadurch unterminiert wird, dass Seagal schon zu seinen besten Zeiten nicht wirklich fit war und er in den Szenen die seinen Fortschritt zeigen sollen, mindestens genauso rumhechelt, wie in denen davor. Außerdem hatten Norris und Van Damme stets einen durchtrainierten Körper vorzuzeigen. Seagal hingegen war sich für sowas schon damals zu fein. Dadurch entsteht wieder einmal eine unfreiwillige Komik, die seinesgleichen sucht.

Naja, kommen wir zurück zum Kanonenfutter, denn wie bereits erwähnt, dienen die Bösewichter lediglich dazu, von Seagals Figur zerlegt zu werden. Selbst größere Gegner sind kein Problem für ihn – gut, darauf ist Aikido ja angelegt. Was ich jedoch meine ist, dass selbst der fieseste Oberscherge kein Gegner ist, sondern lediglich länger verprügelt wird, ohne auch nur einen Treffer landen zu können. Spannung kommt dadurch selbstredend keine auf, aber Spaß durchaus.

Auf schauspielerischer Seite haben wir es auch mal wieder mit einer Art Novum zu tun. Denn normalerweise sind es ja die Statisten und Nebendarsteller, die ihre Ausbildung nicht immer mit Sternchen abgeschlossen haben. In einem Seagal-Film ist es allerdings häufig so, dass der Hauptdarsteller die größte Null der ganzen Truppe ist. HARD TO KILL bildet da keine Ausnahme. Mit festgetackerter Miene prügelt er sich regungslos durch die Landschaft und wenn er es in einer der emotionaleren Szenen schafft doch einmal einen Gesichtsmuskel zu bewegen, dann kann man seinen Augen kaum glauben und spult sicherheitshalber noch einmal zurück. Nicht zurückspult man allerdings seine Sexszenen, die möchte man nämlich lieber direkt vergessen. Faszinierend, aber Seagal sieht aus wie ein perverser Triebtäter. Ohne Scheiß.

Kelly LeBrock – die die titelgebende L.I.S.A. in L.I.S.A. – DER HELLE WAHNSINN spielte – macht ihre Sache sehr ordentlich und sieht dabei noch sehr gut aus. Die restlichen Darsteller bewegen sich alle auf solidem B-Film-Niveau, größere Ausfälle gibt es keine zu vermelden.

In diesem Sinne: „Magst du ein Kätzchen?“

P.S.: Wer dachte, mit Eric Falk ohne Hosen aufm Pott schon alles gesehen zu haben, der hat noch nicht Segal mit angeklebtem Bart und Baby-Katze aufm Kissen im Koma liegen sehen. Ein Bild für die Ewigkeit. Ich sag’s gleich, dafür gibt’s zwei Extrapunkte auf der berühmten FILMTIPPS.at-Skala.

Steven Seagal: Hard to Kill Bild 1
Steven Seagal: Hard to Kill Bild 2
Steven Seagal: Hard to Kill Bild 3
Steven Seagal: Hard to Kill Bild 4
FAZIT:

Mit HARD TO KILL, Segals zweitem Film, war das Seagal-Schema denn bereits bei seiner Vollendung angelangt und der Grundstein für so gut wie alle weiteren Filme gelegt. Größere Überraschungen gab‘s aber auch hier schon keine. Doch darum geht es bei einem Seagal-Film nicht. Genauso wenig wie um gute Schauspielkunst, gute Dialoge, große Emotionen oder Spannung. Es geht lediglich bloß darum, dass Seagal seine Gegner zu Kleinholz verarbeitet und um die große Frage wie er es anstellt – Trademark-Handgelenksbruch, Kehlkopf zertrümmert oder doch erschossen? Die großen Fragen des Lebens. Die Action ist auf solidem Niveau, Seagal in der Form seines Lebens – was allerdings nicht viel heißt – und die unfreiwillige Komik feiert harte Feten.

Alles in allem ist HARD TO KILL durchaus noch für Freunde gepflegter 80er/90er Actionware aus dem B-Segment zu empfehlen. Den größten Spaß werden jedoch Seagal-Fans haben. Wer sich noch nicht als Anhänger des großen Meisters sieht, aber durchaus Interesse hat, dem sei HARD TO KILL ans Herz gelegt.

WERTUNG: 9 von 10 unästethischen Trainingssequenzen.
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Harald | 30.03.2015 10:40
Hehe, sehr amüsante Besprechung, die das Phänomen Steven Seagal
ziemlich gut auf den Punkt bringt.
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