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Heiße Girls, coole Drinks und scharfe Schüsse

Ein FILMTIPPS-Special auf der Suche nach der Geheimformel für den Eurospy

Hatten Sie schon mal das untrügliche Gefühl -  zum Beispiel nach dem ersten Akt, als der Superagent in sein Hotelzimmer kommt und ihn eine verführerische Dame in der Badewanne erwartet - dass Sie das alles schon mal gesehen haben? Nicht nur ein Mal, sondern ein paar Mal zu viel?

Und dennoch müssen Sie unbedingt wissen, ob 006 alias Ian Cumming und seine hübsche Assistentin Lucy Longlegs dem höhnisch lachenden Mr. Lick Goldass und seinem brutalen Helfershelfer Gay Rubber die Atombombe entreißen und die Welt retten können. Die offensichtlich notwendigen, endlosen Schlägereien schrecken Sie dabei nicht ab, denn Sie wissen ohnehin, wie diese ausgehen.

Trotz mieser Rückprojektionen, offensichtlicher Stuntdoubles und Zeitrafferaufnahmen hegen Sie keinerlei Zweifel, dass FBI-Mann Big Dick selbstverständlich die halsbrecherische Verfolgungsjagd an der Costa Brava höchstpersönlich meistert. Und Sie beschleicht nicht der leiseste Verdacht, dass Dr. Sardonians diabolisch genialer Hyperdystronator, der mittels ultraprophonischer Gammastrahlen jeden beliebigen Punkt auf der Erde in Sekundenbruchteilen atomatisieren kann, nur eine Plastikskulptur mit blinkender, roter 20-Watt-Glühlampe sein könnte. Dafür bewundern Sie seine genial durchdachte Operation FEUERBALL, mit der er den CIA, Secret Service und KGB gegeneinander ausspielen will - obwohl vermutlich alleine die Vorbereitungen hierzu jeden Geheimdienst auf der Welt auf den Plan rufen würde.

Sie sind jedesmal überrascht, dass die rassige Candy Cunt in Wahrheit eine Verräterin ist, obwohl das bei den ersten acht Sichtungen auch nicht anders war. Stattdessen nehmen Sie mit einem wissenden Grinsen zur Kenntnis, dass selbst frauenfeindlichste Anmachsprüche die anwesenden Damen in willige Sexsklaven verwandeln. Und dass der ständige Genuss hochprozentiger Alkoholika und drei Schachteln filterloser Chesterfield täglich nicht nur ausgesprochen kommunikativ ist, sondern vor allem den athletischen Körper fit hält.

Sie kennen das alles? Sie sind nicht allein. Schmeißen Sie sich in den besten Smoking, öffnen Sie den obersten Hemdknopf und gönnen Sie sich einen Wodka-Martini. Und in Nullkommasieben sind Sie ein Eurospy.

OPERATION KLEINER BRUDER: Der Weg zum Eurospy

Wir befinden uns im Jahr 1964. Alle Leinwände sind von James Bond besetzt. Alle? Nein, ein paar unbeugsame Produzenten aus ganz Europa halten dagegen und lassen die freie Welt von eigenen Agenten retten. Und das aus guter Tradition. Denn auch wenn die Flut von Eurospies alleine dem bahnbrechenden Erfolg von GOLDFINGER geschuldet ist, war dies nicht der erste Bond und schon gar nicht der erste europäische Agentenfilm.

In den tiefsten Winkeln Ihrer Erinnerung entstauben Sie Fritz Langs SPIONE hervor. Der entstand bereits 1928. Und stumm. Bei Fritz Lang klingelt es bei Ihnen noch einmal und in Ihren Hirnwinden manifestiert sich die Vision eines Superverbrechers: DR. MABUSE. Der Prototyp aller Goldfingers, Blofelds und Strombergs dieser Welt erblickte sogar schon 1922 das Licht der Leinwand. Konsequenterweise kehrte er auch 1964 für den Eurospy zurück.

Und dann ist da der Altmeister des Thrillers - Alfred Hitchcock jagte 1935 die Geheimorganisation 39 STUFEN durch ganz Großbritannien. Das ist zugleich die Blaupause für Cary Grant als vermeintlicher Agent in DER UNSICHTBARE DRITTE. Mit seiner Vorliebe für elegante Anzüge, Cocktails und schöne Frauen ist Grant unverkennbar (zumindest) ein optisches Vorbild für Sean Connery. Und die Actionsequenzen - etwa der berühmte Angriff auf einem Kornfeld - wurden zudem in zahlreichen Bondfilmen und Bondklonen kopiert und variiert.

Andere Wegbereiter für 007 waren selbstverständlich Eddie Constantins Auftritte als Lemmy Caution (1953 - 1965) und der erste Einsatz der französischen Agentenlegende OSS 117 (1956). Dennoch, seine Formel findet der Eurospy erst in den 60er Jahren. Egal ob in Großbritannien, Italien, Spanien, Frankreich oder der Bundesrepublik - alle Filmemacher bedienen sich seitdem bei der Blaupause 007.

Solange die Formel eingehalten wird, sind Agenten Gelddruckmaschinen. Was hält Sie also davon ab, gleiches zu tun?

DER MANN MIT DEN 1000 MASKEN: Der Tarnnummer-Taschenrechner

Kein Geheimagent ohne Tarnnummer. Sie haben keine? Verzweifeln Sie nicht. Hier ist die ultimative Anleitung.

Schritt 1: Sie wählen eine beliebige, dreistellige Zahl. Um diese geheimnummerntauglich wirken zu lassen, bevorzugen Sie eine Doppelnull zu Beginn. Die verbleibende Auswahl wird jedoch dadurch stark eingegrenzt. Die 7 nutzen Sie zudem nicht. Sonst weiß jeder, dass Sie Geheimagent sind. Allerdings sind auch die Nummern 001, 002, 003, 006, 008 und 009 bereits für diverse Eurospies vergeben. Teilweise doppelt.

Schritt 2: Wenn Schritt 1 ohne Erfolg blieb, wählen Sie eine 7 und fügen nun möglichst symmetrisch andere Ziffern oder Buchstaben hinzu. Etwa 707, 777, 070, 077, 117, 2.007, X77, X17, Super 7 oder gar Upper 7. Problem - auch hinter diesen Tarnnummern verbergen sich bereits italienische, französische oder spanische Agenten.

Schritt 3: Seien Sie mutig. Verzichten Sie auf eine Tarnnummer und legen Sie sich dafür ein Pseudonym zu. Variieren Sie nach Belieben Fleming, Connery und Bond. Vielleicht fügen Sie einfach noch einen akademischen Titel hinzu. Oder ändern Sie einen Buchstaben. So kommen Sie zu Joe Fleming, Bob Fleming, Dr. Connery oder James Tont. Sie ahnen es jedoch vermutlich schon, auch dies sind Beispiele für bereits vergebene Pseudonyme.

Schritt 4: Wenn alle bisherigen Schritte ohne Erfolg blieben, müssen Sie leider Ihre Fantasie anstrengen. Nennen Sie sich zum Beispiel Mike Morris. Oder einfach Kelly. Egal ob nun als Vor- oder Nachnamen. Oder Jerry Cotton. Oder Joe Walker. Hierfür könnten Sie sogar ein Pseudonym erfinden. Kommissar X. Das hört sich doch gut an, oder? Aber nutzen Sie diese Vorschläge nicht. Sie können sich den Grund denken.

HEISSES SPIEL FÜR HARTE MÄNNER: Unser Mann vom Secret Service

Sie haben die Tarnnummer, jetzt engagieren Sie den dazu passenden Mann. Gutes Aussehen, Muskeln und Brustbehaarung sind selbstverständlich. Und einen Anzug sollte er auch tragen.

Sean Connery brauchen Sie jedoch erst gar nicht fragen. Der hat schon auf seine 007-Nummer keine Lust mehr. Nehmen Sie einen der US-Stars aus der zweiten Reihe, die ihr Glück in Europa suchen. Roger Brown, Ken Clark, Ray Danton, Lang Jeffries oder George Nader haben bereits einschlägige Erfahrungen. Von denen haben Sie noch nie etwas gehört? Macht nichts. Die wissen vermutlich auch nicht mehr, wie oft sie den Superagenten bereits gemimt haben.

Sie suchen ein neues Gesicht? Gucken Sie sich um und nehmen Sie einen gut gebauten Dresssman: Giorgio Ardisson oder Luciano Stella. Verpassen Sie ihm ein englisches Pseudonym. Aus Giorgio wird natürlich George. Aus Luciano Stella, ach egal, Tony Kendall. Auch wenn Lucky Steel lustiger gewesen wäre. Hauptsache, er passt in den Anzug.

UNSER MANN IN RIO: Beste Bars und luxuriöse Unterkünfte in aller Welt

D-Mark, Lire, Franc oder Peseten. Es ist mehr oder minder egal, mit welcher Währung Sie Ihren Eurospy finanzieren. Ohne möglichst exotische Schauplätze kommen Sie nicht aus. Die Welt der Extravaganz spielt schließlich nicht an der Currywurstbude um die Ecke.

Sondern in den feinsten Hotels von Lissabon, Istanbul, Paris, London, Hamburg und Rom. Oder an den schönsten Stränden der Riviera, Algarve und der Cote d'Azur. Richtig exotisch wird es in Brasilien, Ägypten, Thailand, Sri Lanka oder Hong Kong. Ab und an verirrt sich ein Eurospy auch mal nach Österreich oder Dänemark. Doch das sind eher die Ausnahmen.

Schicken Sie Ihren Agenten also um die Welt. AGENT 505 - TODESFALLE BEIRUT, UNSER MANN IN ISTANBUL, HEISSE SPUR KAIRO LONDON, PULVERFASS BAHIA, FÜNF VOR ZWÖLF IN CARACAS. Das knallt auf den Kinoplakaten schließlich deutlich lauter als AGENT SUPERSIEBEN RÄUMT IN WANNE-EICKEL AUF.

Aufnahmen an exotischen Plätzen sind natürlich nicht billig und mit unwägbaren Schwierigkeiten verbunden. Dafür können Sie aber gegen ein kleines Bestechungsgeld vermutlich Dinge drehen, die Ihnen zu Hause keiner erlauben würde. Statisten, denen das Trommelfell bei einer Explosion platzt, können Ihnen dann egal sein. Wenn Sie das Risiko jedoch scheuen oder jede Pesete zweimal umdrehen müssen, bleiben Sie in Europa. Wichtig ist schließlich nur, dass der Eindruck entsteht, Sie wären vor Ort.

Als Ost- oder Westküste der USA kann etwa die dalmatinische Küste Jugoslawiens dienen. So skurril die Idee ist, dass sozialistische Architektur als amerikanische durchgehen soll, so charmant ist im Rückblick das Ergebnis heute. Und während in spanischen Dörfern für gewöhnlich italienische Western gedreht wurden, lassen sich diese mit ein paar Wandteppichen auch zu exotischen Märkten im Nahen Osten umfunktionieren.

Am einfachsten bleiben Sie einfach im Studio. In Cinecittà oder Pinewood finden Sie alles, was Sie brauchen. Und das kostengünstig und schnell.

HEISSE KATZEN: Ob blond, ob braun, 006 liebt alle Frauen

Ihr Superagent mag noch so stark und männlich sein, die Geheimnummer noch so geheim und die Locations noch so exklusiv - so richtig austoben kann sich Ihr Eurospy nur mit einer attraktiven Dame an seiner Seite.

Machen Sie sich nichts aus den zahlreichen schönen Starlets, die sich bereits auf Ihrer Besetzungscouch bequem gemacht haben. Das sind für Sie nur Statisten, bestenfalls für Nebenrollen zum Warmwerden geeignet. Mein Rat: Verpflichten Sie ein ehemaliges Bondgirl oder gleich Miss Moneypenny. Noch besser: Sie schreiben der Dame einen passenden Spruch ins Buch. Etwa "Gegen dich ist 007 'ne kleine Nummer." Damit haben Sie die Lacher auf Ihrer Seite. Und sei es nur die von Bond selbst.

Bondgirls haben in der Regel jedoch ihren Marktwert. Wenn die geforderten Gagen zu hoch ist, greifen Sie auf bewährte Alternativen zurück.

Insbesondere Margaret Lee dürfte ihre Rolle schon kennen, bevor Sie ihr das Drehbuch senden. Vielleicht verwechselt sie Ihr Angebot auch mit einem der vielen anderen, die ihr vermutlich gerade wieder ins Haus geflattert sind. Wer soll da den Überblick behalten? Besonders als hübsches wasserstoffblonden Dummchen seit 00-SEXY: MISSIONE BIONDA PLATINO. Das muss man nicht übersetzen, das ist Ihre Rolle. 

Wenn Sie nicht auf Blondinen stehen, verpflichten Sie Rosalba Neri. Damit bleibt den Männern die Luft weg - einschließlich Ihres Superagenten. Denn Rosalba ist nicht nur eine Rassefrau, wie man(n) sie nicht alle Tage sieht, sie spielt immer die verführerische Verräterin. Mit einer Ausnahme. Aber die dürfen Sie selbst herausfinden.

Und natürlich wird Ihr Superagent auch die Verräterin flachlegen, bevor er sie enttarnt.

ZARTE HAUT IN SCHWARZER SEIDE: Weibliche Spione

Zugegeben, der Eurospy hat eine deutliche Männerschlagseite. Aber hier und da finden sich auch starke Frauenrollen. Daniela Bianchi, Elke Sommer und Sylvia Koscina spielen Berufskillerinnen mit sichtlich Spaß an der Freud. Sylvia Koscina lässt dabei sogar eine deutlich sadistische Ader durchblicken.

Gleiches gilt für Gloria Paul (2 TROTTEL GEGEN GOLDFINGER), die sich dazu noch in Lack und Leder kleidet. Monica Vitti spielt im Fetischcomic MODESTY BLAISE dagegen eher mit diesem Klischee. Und Jess Franco, der seine Fetische auf der Leinwand ohnehin auslebte, schickte Janine Reynaud und Rosanna Yari gleich zweimal als todschicke Agenten ROTE LIPPEN ins Rennen. Niemand weiß, was sie eigentlich ermitteln. Aber darum geht es bei Franco ja auch nicht.

Es spricht also nichts dagegen, wenn Sie zur Abwechslung auch mal eine starke Frau als Heldin zeigen wollen. Gründen Sie doch gleich eine ganze Frauenarmee. Aber egal wie stark ihre Heldin ist: sie ist stolz auf ihre weiblichen Waffen und zeigt diese offenherzig. Und im Idealfall hat der wenige Stoff noch psychedelische Muster, damit den Männern in jedem Fall die Sinne geraubt werden. Um jeden Gewöhnungseffekt zu vermeiden, wechselt sie zudem mit jeder Szene die Garderobe.

Für die Haute Cauture sollten Sie also ein paar Franc in der Hinterhand haben.

SCHÜSSE AUS DEM GEIGENKASTEN: Der Soundtrack zum Kiss Kiss Bang Bang

Ihr künftiger Kassenknüller ist im Kasten und fertig geschnitten. Jetzt fehlt noch ein treibender Soundtrack. Kein Problem, wenn Sie türkischer Produzent sind und von Copyright so viel halten wie von Schweinshaxe. Nehmen Sie Ihre persönlichen Bond Greatest Hits oder mixen einfach das Feuerball-, Batman- und Hatari-Thema nach Belieben in ihren Film. Das Ergebnis wird grandios sein.

Alle anderen schauen etwas neidisch auf den Bosporus - und lassen sich etwa von Piero Umiliani oder von Francesco de Masi einen Soundtrack verpassen. Je mehr er dabei ein Bondgefühl vermittelt, desto besser. Im Fall von SCHARFE SCHÜSSE AUF JAMAIKA ist dann ein Unterschied zum originalen Bondthema kaum noch auszumachen. Ziel erreicht.

Unbedingt dazu gehört auch ein schmissiger Titelsong, der sich beim Zuhörer gnadenlos in die Ohrwände windet und ihm befiehlt, schnurstracks die Single zu kaufen. Wenn Sie nicht wissen, was darunter zu verstehen ist, hören Sie LADY CHAPLIN zwei- oder dreimal. Und dann versuchen Sie, nicht mehr daran zu denken.

Sie können natürlich auch Edda dell'Orso ein paar Lalalas oder Wah-wahs summen lassen. Ennio Morricone oder Bruno Nicolai machen Ihnen daraus einen komplett durchrelaxten Soundtrack. Mehr Coolness geht nicht. Auch nicht bei Bond.

MAN STIRBT NUR EINMAL: Agenten im Wandel der Zeit

Sie haben sich streng an die Formel gehalten, aber ihr Film läuft trotzdem nur schleppend an? Wenn Sie wirklich alles richtig gemacht haben, haben Sie vermutlich doch keinen Riecher für den Puls der Zeit. Was 1964 und 1965 noch bierernst sein durfte, muss ab 1966 mit Ironie oder gleich als Parodie präsentiert werden.

Lassen Sie also die ohnehin absurden Abenteuer Ihres Agenten noch absurder erscheinen. Übertreiben Sie einfach schamlos. Geben Sie Ihrem Film das entscheidene Quentchen too much. Schicken Sie ihn in den Weltraum. Oder kreuzen Sie es mit Comicverfilmungen. Das erweitert nicht nur das Zielpublikum, sondern auch die Grenzen Ihrer Fantasie.

Wenn auch das nicht mehr funktioniert, werfen Sie ein Blick auf das Tagesdatum. Leben Sie im falschen Jahrzehnt? Bereits 1970 sind die Eurospies dieser Erde von der Leinwand verschwunden. 1969 entstand mit IM GEHEIMDIENST IHRER MAJESTÄT der letzte Bondfilm vom alten Schlag. Der erste Bond der 70er Jahre - DIAMANTENFIEBER - hatte dagegen eine deutlich andere, wesentlich lässigere und selbstironische Sprache. Dieser Wandel wurde mit der Verpflichtung von Roger Moore in den Folgefilmen noch verstärkt. Die Bondfilme parodierten sich selbst.

HÖLLENJAGD AUF HEISSE WARE: Der Eurospy auf VHS und DVD

Wer heutzutage Eurospies sehen will, hat es schwer. Seitdem sie von der Leinwand verschwunden sind, verdrücken sie sich irgendwo im Nachtprogramm kleiner Privatsender oder auf seltenen VHS-Kassetten, die zu exorbitanten Preisen über die Theke gehen.

DVDs sind Mangelware, viele davon sind zudem Bootlegs oder lieblose Massenware preiswerter Labels und entsprechen nicht den heutigen Qualitätsansprüchen. Oft wird dabei nur eine alte VHS oder MAZ digitalisiert. Hochwertige Veröffentlichung von einem frisch abgetasteten Negativ oder zumindest einer ordentlichen Kinorolle sind dagegen selten - und nur für eine kleine Fangemeinde hergestellt. Das schlägt sich im Preis nieder.

Dies hat natürlich seine Gründe. Bis heute hat der Eurospy den Makel, nur eine Kopie eines erfolgreichen Originals zu sein. Eine Eigenständigkeit gesteht man dem Genre erst gar nicht zu. Und wenn sich dann doch mal ein Agent 3S3 im Fernsehen verirrt, geht der Daumen der Programmzeitschrift meist runter - manchmal zu Recht, aber manchmal eben auch nicht.

In südlicheren Ländern sieht man das übrigens etwas entspannter. In Frankreich sind die alten OSS117-Filme nicht nur komplett auf DVD erhältlich, man hat die Figur sogar sehr erfolgreich wiederbelebt. CAIRO, NEST OF SPIES und LOST IN RIO sind schlicht großartige Filme, deren besonderer Charme jedoch am teutonischen Humor gescheitert ist.

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FAZIT:

In den 60er Jahren entstand im Zuge des Erfolgs von James Bond eine europaweite Agentenfilmwelle. Sie bedienten ein bestimmtes Erfolgsmuster und hatten nur einen Zweck: Möglichst viel vom Erfolg ihres Vorbilds mitnehmen.

Das Ergebnis war natürlich nicht selten eine langweilige Bondvariation, der außer wahlloser Autoverfolgungsjagden und schablonenhafter Kloppereien vor exotischer Kulisse nichts einfiel. Doch in dieser Parallelwelt gibt es auch Perlen, nach denen sich zu suchen lohnt.

Sie werden Agenten finden, die wesentlich abgebrühter, zynischer, sexistischer, lässiger oder selbstironischer sind, als Sean Connery es je sein durfte.

Sie werden Frauen sehen, für die Sie Ihr letztes (oder besser jedes) Hemd ausziehen würden.

Sie werden mit absurden Welteroberungsplänen konfrontiert, die Sie Ihren Kindern nicht mal als Käpt'n Blaubär erzählen würden.

Sie werden mit technischen Gimmicks vertraut gemacht, die erst noch erfunden werden müssen.

Sie werden Frisuren und Kleider bewundern können, bei denen Sie sich fragen, auf welchem Trip Sie gerade sind.

Und manchmal werden Sie einfach nur richtig gut unterhalten.

WERTUNG: 10 von 10 blauen Bohnen, blonden Miezen und Bloody Marys
TEXT © Marcel
Dein Kommentar >>
Gregor | 26.05.2013 20:20
Sehr cool!
>> antworten
Erich H. | 22.05.2013 08:58
Mission erfüllt, Agent Marc-OHO7 vom TOF (Team of Filmtipps)
Johannes | 22.05.2013 13:19
*hehe* TOF: Wilde Rächer, scharfe Stecher!
>> antworten
Chris | 21.05.2013 17:30
Chapeau, Herr Kollege! : )
>> antworten
Johannes | 21.05.2013 08:25
Top! Du hattest mich schon mit dem Intro... :)
Marcel | 21.05.2013 10:13
Big Dick? ;-)
Johannes | 21.05.2013 13:10
Ist zwar mein Spitzname, aber womit du mich wirklich gekriegt hast, war Candy Cunt. ;)

>> antworten
Harald | 20.05.2013 22:08
Großartig!
>> antworten


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