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Judgment Night

Judgment Night

MANHUNT / ACTIONRANDALE: USA, 1993
Regie: Stephen Hopkins
Darsteller: Emilio Estevez, Cuba Gooding Jr., Denis Leary, Stephen Dorff

STORY:

Eine Abkürzung bringt vier Buddies in einem sauteuren Luxus-Wohnwagen nicht zum großen Boxsportevent, sondern in jenes Stadtviertel, wo die Mülltonnen brennen und Drogendealer auf offener Straße von noch fieseren Drogendealern hingerichtet werden. Als sie einen Mord beobachten und ihr Wohnwagen anschließend in Flammen aufgeht, heißt es für die vier Kumpels: Rennen! Denn der über Leichen gehende Straßengangster Fallon und seine harten Jungs sind hinter ihnen her…

KRITIK:

Nach dem zwoten PREDATOR ist JUDGMENT NIGHT schon die zweite Menschenjagd, die Regisseur Stephen Hopkins aus der Wildnis in den Dschungel einer Großstadt verlegt.

Verläuft die erste Halbzeit zwar nicht unspannend, aber vorhersehbar, legt das Ganze in der zweiten Hälfte einen Zahn zu. Insbesondere wenn die einzige Fluchtmöglichkeit über einen schmalen Grat in luftiger Höhe oder in die Tiefen der Kanalisation führt, sorgt die Action für ein paar Adrenalinschübe.

Allerdings reicht dies nicht ganz zum Status eines Actionrandale-Geheimtipps, den der Film mancherorts genießt. Warum? Nun, es fängt schon mit den im Klappentext ausgelobten "gefährlichen Straßen und Gassen von Fallons Viertel" an. Unbestritten verlieren in der JUDGMENT NIGHT nicht wenige ihr Leben, aber im Vergleich mit den brasilianischen Slums von TROPA DE ELITE wirken die Elendsviertel in Hopkins´ Film wie das reiche Ende von Beverly Hills. Da hätte unser berüchtigter Stadtteil Oberreut (Wer den Tod nicht scheut…) eindeutig die bessere Location abgegeben. Und ich weiß worüber ich schreibe: Vor Jahren ging ich dort auf die Berufsschule und habe nur knapp überlebt. Nachdem ich JUDGMENT NIGHT gesehen habe, dachte ich zuerst, da hätte jemand unseren Schulweg verfilmt…

Spaß beiseite: JUDGMENT NIGHT ist kein schlechter Film, aber viel mehr als eine routiniert abgefilmte, mainstreamorientierte Manhunt ohne gröbere Ausfälligkeiten ist er auch nicht. Zumal sich auch Jäger und Gejagte als nicht besonders erinnerungswürdig erweisen. Fallon ist zwar ein psychotischer, nachtragender Drecksack mit Blut an den Händen, aber dennoch nur ein kleines Licht in der hehren Phalanx der Actionrandalierer und Menschenjäger anderer Filme. Denkt da nur an THE CROWs "Nacht des Teufels"-Erfinder Top Dollar und seine augäpfelsammelnde Hexenschwester. Oder an die drei durchgeknallten Vietnam-Veteranen aus OPEN SEASON. Carpenters psychotische Jugendbanden aus DAS ENDE oder diesen krallenbewehrten Kriegsverbrecher aus dem Kosovo in DAS TÖDLICHE WESPENNEST. Nicht zu vergessen den altehrwürdigen GRAF ZAROFF. All above scheißen definitiv größere Haufen als Fallon.

Aber auch die mit Emilio Estevez, Cuba Gooding Jr., Stephen Dorff und vor allem Jeremy Piven gut besetzte Riege der Gejagten sticht nicht heraus, sondern besteht streng genommen aus dünn gezeichneten, nicht besonders sympathischen Klischeefiguren. Wir haben den draufgängerischen Schwarzen, den Angsthasen, den über sich hinauswachsenden Familienvater und einen, den die Todeangst fast in den Moralbankrott treibt. Wir zittern nicht wirklich um sie.

Doch wie gesagt: Hopkins ist natürlich Routinier genug, um einen passablen Action-/Manhuntstreifen zu inszenieren. Unter dem Strich stehen somit sechs solide Punkte für die JUDGMENT NIGHT. Zwei obendrauf gibt es für die Soundtrack-CD des Films, die viele musikalische Leckerlis der härteren Gangart bietet und ihren kleinen Kultstatus zu Recht besitzt. Auf der Tonspur haben nämlich diverse Metal- und Rap-Größen der Neunziger gemeinsame Sache gemacht. Es gibt feine Crossover-Stücke von Helmet mit House of Pain, Slayer mit Ice-T und als Highlight das Kleinholz machende Titelstück, welches Biohazard und Onyx komponiert und interpretiert haben.

Judgment Night Bild 1
Judgment Night Bild 2
Judgment Night Bild 3
Judgment Night Bild 4
FAZIT:

Eigentlich wollten vier Kumpels nur einen Boxkampf schauen, aber nun werden sie von Straßengangstern durchs nächtliche Ghetto gejagt… - Routiniert wie solide abgefilmte Menschenjagd, die nicht in der Wildnis, sondern in der Großstadt spielt. Dünne Charaktere und viele Klischees stören, doch die Action ist passabel. Absolut bemerkenswert ist die Filmmusik, für die einige Metal- und Rap-Größen der 90er zusammenmusiziert und einige feine Crossover-Stücke eingespielt haben. Daher ist die Soundtrack-CD ein Muss, der Film selbst ein Kann.

WERTUNG: 6 von 10 Familienfotos im Geldbeutel
TEXT © Christian Ade
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Dein Kommentar >>
Nic | 21.09.2010 17:43
ist eigentlich ein unterhaltsamer film, aber ohne besonderen wert. würde ich trotzdem jedem action-schas von heute vorziehen ;)
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