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Steven Seagal: Nico

Steven Seagal: Nico

OT: Above the Law
ACTION: USA/HK, 1988
Regie: Andrew Davis
Darsteller: Steven Seagal, Pam Grier, Henry Silva, Ron Dean, Daniel Faraldo

STORY:

Steven Seagal... äh, tschuldigung. Nico, meine ich, ist der härteste Cop von allen. Aikido-Meister. Und Vietnamveteran. Special Forces und son Zeug. Als er auf einen Komplott der CIA stößt, wollen seine Vorgesetzten, dass er die Sache auf sich beruhen lässt.

Doch Nico ermittelt auf eigene Faust. Mit seiner Faust.

KRITIK:

Wer kennt sie nicht, die berühmten Chuck Norris-Fakten? Seit einigen Jahren ein immerwährendes Internetphänomen, aus denen sogar der Meister höchstpersönlich seine Lieblingszitate ausgewählt hat. „There is no theory of evolution, just a list of creatures Chuck Norris has allowed to live.“ zum Beispiel. Eh kein Wunder, ist ja auch Hardcore-Christ, der gute Mann. Klassiker wären auch „Chuck Norris does not sleep. He waits.“ oder  “Outer space exists because it's afraid to be on the same planet with Chuck Norris.” Alles sehr lustige Sprüche die dabei auf der großen Wahrheit beruhen, dass Chuck Norris allmächtig ist. Und wer was anderes behauptet, bekommt direkt erstmal schön ‘nen Roundhouse Kick in die Kauleiste verpasst.

Nun gut, jetzt geht’s hier aber nicht vorrangig um Chuck Norris – manch einer wird vermutlich noch einmal verwirrt geschaut haben, ob das nicht doch eine Besprechung zu INVASION USA ist. Aber, keine Sorge, den hat Harald schon abgefertigt. Hier und jetzt geht’s tatsächlich um NICO und Steven Seagal. Worauf ich mit meinen einleitenden Worten hinauswollte ist, dass man durchaus auch Steven Seagal-Fakten bringen könnte. Ich hätte da auch schon ein paar: „Steven Seagal kämpft nicht, Steven Seagal gewinnt.“ Wobei, in Bezug auf seine späteren Filme könnte das auch heißen „Steven Seagal kämpft nicht, Steven Seagal lässt kämpfen.“ – der gute Mann lässt sich ja inzwischen schon doubeln, wenn er nur mal kräftig kacken muss. Was gäb’s denn da noch? „Steven Seagal hat keine Gegner, Steven Seagal hat Opfer.“ Und der wohl am treffendste Spruch: „Steven Seagal hat kein Ego, Steven Seagal IST Ego!“.

Kein Actionstar hat es bisher geschafft, sich von Beginn seiner Karriere an so konsequent als unzerstörbare Kampfmaschine zu inszenieren wie Steven Seagal. Selbst als TERMINATOR war Schwarzenegger verwundbar und konnte besiegt werden. Die Chuck Norris Fakten sind das Ergebnis einer schier unglaublichen Zahl an Filmen, in denen Norris ordentlich Prügel austeilte, aber – und das ist hier das Wichtige – durchaus auch einstecken musste. Und damit meine ich nicht bloß den Kampf gegen Bruce Lee im Finale von DIE TODESKRALLE SCHLÄGT WIEDER ZU.

Seagal jedoch scheint sein 7. Dan in Aikido nie genug gewesen zu sein, weswegen er stets darum bemüht war, die von ihm „gespielten“ Figuren als unaufhaltsam und allen anderen überlegen zu präsentieren. Und dieses Image, das seine Figuren in jedem Film präsentieren, münzte Seagal auch schon immer auf sich selbst und erschuf damit sich selbst als Kunstfigur und unaufhaltsame Kampfmaschine. Deutlich wird das bereits in seinem ersten Kinofilm NICO – also dem Werk, dem diese Besprechung gewidmet ist.

Es ist unglaublich interessant zu sehen, dass bereits mit diesem Film das Muster festgelegt wird, dem später so gut wie alle weiteren Seagal-Filme folgen sollten. Ob das eine, auf dem moderaten Erfolg von NICO basierende, Entwicklung war oder von Anfang an so festgelegt, vermag ich nicht zu sagen. Dennoch dient dieses Debutwerk wunderbar als Blaupause für spätere Filme und selten war die Devise „Kennste einen, kennste alle“ so treffend wie bei der Filmographie von Meister Seagull.

Wie kurz zuvor erwähnt, ist Steven Seagal Träger des 7. Dans in Aikido, einer betont friedliebenden Kampfkunst, deren vorrangige Philosophie es ist, unmittelbare Gefahren zu neutralisieren und dem Gegner direkt danach die Möglichkeit zur Aufgabe und eines friedlichen Miteinanders zu geben. Sollten diese Versuche jedoch schieflaufen, dann werden halt die schweren Kaliber ausgepackt. Seagal spart sich in NICO den lahmen Umweg über Gnade und Vergebung und den ganzen Schwurbel und langt gleich ordentlich zu. Und was soll ich sagen – wer will in einem Actionfilm schon Gnade für den Gegner sehen. Wie die titelgebende Hauptfigur Nico sich hier durch Gegnerhorden prügelt ist die reine Freude. Doch auch mit der Waffe in der Hand wird ordentlich ausgeteilt und ohne mit der Wimper zu zucken werden Leute abgeknallt, als wären es Bierdosen im Trailerpark.

Rein auf die Philosophie hinter Aikido bezogen, mag das äußerst fragwürdig sein – Stevie musste ja im Laufe seiner Karriere schon einiges an Kritik diesbezüglich an sich abprallen lassen als wären es Geschosse mit Mannstoppwirkung. NICO ist jedoch ein Actionfilm und ohne Action wär’s nur ein Film, der durch seine Geschichte nicht unbedingt zu überzeugen wüsste. Die sehr fließenden Aikido-Techniken sind zudem eine nette Abwechslung zum Karate und Kickboxen der anderen Actionstars mit Kampfkunst-Kenntnissen und sind daher sehr nett anzusehen.

Ein großes Problem ergibt sich jedoch daraus, dass Nico – ergo auch Seagal – per se unbesiegbar ist. Nichts kann ihm etwas anhaben. Er wird mit einer Waffe bedroht? Scheißegal! Auf die Fresse und weiter! Er wird von mehreren Gegnern angegriffen? Scheißegal! Auf die Fresse und weiter! Er wird von einem 300 Kilo schwereren Gegner attackiert? Scheißegal! Auf die Fresse und weiter! So regelt Nico das und weil das so ist, hat die gesamte Verbrecherwelt Angst vor ihm – hier noch nicht sofort, etwas das sich in späteren Filmen ändern sollte – und einen ebenbürtigen Gegner gibt es gar nicht erst. Bennett in PHANTOM KOMMANDO? Der Sandmann in MIT STÄHLERNER FAUST? Pfff, wenn Schwarzenegger und Van Damme solche Waschlappen sind, selber schuld. Für einen Steven Seagal gibt es keinen Gegner und so kommt natürlich nicht eine Sekunde Spannung auf. Nicht „ob“ er seine Gegner besiegt, sondern bloß „wie“ und „wann“ ist die Frage die sich während NICO stellt.

Ob die fehlende Spannung nun jedoch ein Minuspunkt ist, hängt stark davon ab, wie man an den Film herangeht. Wer einen Actionfilm mit Handlung nach den üblichen dramaturgischen Konventionen erwartet, wird sicherlich enttäuscht. Wer sehen will, wie ein paar Kerle ordentlich was auf die Mütze bekommen, der hat auch so seinen Spaß.

Spaß bietet NICO auch auf Grund einiger dramaturgischer wie inszenatorischer Schwächen. Zum einen ist die Geschichte hinter NICO zwar gar nicht so schlecht, im Endeffekt aber doch bloße Action-Standardware – interessanterweise jedoch weicht das alles aber noch von späteren Seagal-Filmen ab, denn das auslösende Ereignis ist nicht, dass jemand den er kennt umgelegt wird. Zum anderen ist der gesamte Film streng genommen nichts weiter als die Zusammenfassung eines einzigen großen Spaziergangs von Nico. Unterbrochen lediglich von Schläger- und Schießereien. Fast wie Golfspielen.

Besonders abstrus wirkt dabei, dass Nico so gut wie nie sitzt oder kniet oder hockt oder was auch immer. Fast die gesamte Laufzeit über ist er entweder am rumstehen, rumtigern oder rumlaufen. Ob Seagal ein Problem mit Sitzen an sich hatte oder lediglich der Meinung war, dass es lässiger wäre, er würde stehen – ein einziges Mysterium, genau wie der Mann selbst.

Auch wenn er zu damaligen Zeiten noch nicht wirkte wie Presswurst, so sah er schon damals wahlweise so aus, als würde er pausenlos grimmige Asiaten imitieren oder hätte eine Gesichtslähmung – nicht umsonst wurde er bereits in zahlreichen Filmen als Closeup-Double von Kristen Stewart eingesetzt (für den Fall, dass sie doch mal aus Versehen anders guckt).

Seagals Kollegen machen ihre Sache schon deutlich differenzierter und mit Pam Grier war immerhin schon mal eine erfahrene B-Film-Legende mit an Bord, die ihre einfache Rolle auch routiniert runterspult. Henry Silva ist als Folterknecht Kurt Zagon überzeugend und fast schon unheimlich. Ganz großes Kino ist ansonsten gewiss von niemandem zu erwarten, aber immerhin spielen alle und versuchen ihre Rollen so gut das eben geht auszufüllen – wenn schon das Drehbuch nicht wirklich viel Substanz hergibt.

In diesem Sinne: „You guys think you're above the law... well you ain't above mine!”

Steven Seagal: Nico Bild 1
Steven Seagal: Nico Bild 2
Steven Seagal: Nico Bild 3
Steven Seagal: Nico Bild 4
FAZIT:

Das mag sich jetzt alles gar nicht mal so gut anhören. Aber lasst euch davon nicht täuschen, NICO ist definitiv einer von Seagals besseren, gar besten Filmen. Natürlich ist er – vor allem mit Blick auf die Aikido-Philosophie – fragwürdig und extrem brutal. Die Handlung ergibt kaum Sinn, Steven Seagal kann nicht spielen und Spannung kommt kaum auf, da es niemanden gibt, der sich mit ihm, beziehungsweise seiner Figur, messen kann. Doch gerade das macht einen Steven Seagal-Film doch aus, macht ihn so besonders und im Gegensatz zu anderen, weitaus schlechteren Filmen seiner Karriere hat NICO eine lässige Atmosphäre und ist gerade auf Grund seiner zynischen Brutalität fast schon so etwas wie PHANTOM KOMMANDO mit Aikido. Kompromissloser 80er Actionschwurbel von der besten und schlimmsten Sorte zugleich, der ohne Seagal einfach nicht funktionieren könnte. Ein dufter Sonntagsspaziergang inklusive gebrochener Knochen und Schießereien. Wer darauf Lust hat, dem sei der Film hiermit empfohlen. Wem das zu wenig ist, der kann ja immer noch TRANSFORMERS gucken.

P.S.: In dieser Kritik kommt 25 mal Seagals Name vor – gut, jetzt 26 mal. Weniger wäre eine Beleidigung des Meisters.

WERTUNG: 8 von 10 aufgemischten Junkies.
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