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Steven Seagal: Mercenary for Justice

Steven Seagal: Mercenary for Justice

ACTION: ABW, ZAF, USA, 2006
Regie: Don E. FauntLeRoy
Darsteller: Steven Seagal, Jacqueline Lord, Roger Guenveur Smith, Luke Goss, Michael K. Williams

STORY:

Steven Seagal ist ein Ex-Soldat - der Beste der Besten, natürlich - und verdingt sich inzwischen als Söldner. Um die Frau und den Sohn eines gefallenen Kameraden zu retten, lässt er sich vom korrupten CIA-Agenten Dresham anwerben, um den Sohn eines Drogenbarons aus dem Knast zu holen. Gleichzeitig geht er einen weiteren Handel mit einem anderen korrupten CIA-Agenten ein und überfällt eine Bank. Aber er hat weder vor den Kriminellen zu befreien, noch das Geld aus dem Banküberfall abzuliefern. Es entspinnt sich ein gefährliches Spiel voller Intrigen und gebrochener Handgelenke...

KRITIK:

MERCENARY FOR JUSTICE ist bereits der dritte Film den Steven Seagal direkt für den Heimkinomarkt gedreht hat, dessen Regisseur aber ein renommierter Kameramann mit langjähriger Erfahrung und einigen großen Projekten in der Vita ist. Der erste war THE PATRIOT, der dementsprechend sehr gut aussieht, aber leider nicht viel Aikido und stattdessen Wildblütensud zu bieten hat. 2005 folgte dann TODAY YOU DIE, der von Don E. Fauntleroy inszeniert wurde. Dieser hatte zuvor schon als Kameramann am – für Seagal DTV-Verhältnisse – ziemlich guten INTO THE SUN gearbeitet. Und anno 2006 dann für MERCENARY FOR JUSTICE wieder auf dem Regiestuhl Platz genommen.

Direkt fällt auf, dass MERCENARY FOR JUSTICE genau wie schon THE PATRIOT verdammt gut aussieht. Fauntleroy weiß wie man eine Kamera benutzt, wie man die richtigen Bilder einfängt und was zu tun ist, damit selbst ein relativ billiger DTV-Actionreißer mit Steven Seagal in der Hauptrolle nach einem halbwegs anständigem Film aussieht. In der Eingangssequenz – die sich visuell stark vom Rest des Films abhebt – wird sogleich alles aufgefahren, was an Produktionswerten zur Verfügung stand. Panzer, Massen an Stuntleuten, ein realistisch anmutender Kriegsschauplatz, Kriegsflüchtlinge und jede Menge Geballer. Das alles dürfte in Afrika zwar nicht allzu viel gekostet haben, ist aber doch beachtlich.

Dabei orientierte sich Fauntleroy vor allem an Ridley Scotts Kriegsactioner BLACK HAWK DOWN und in gewisser Weise auch an der Eingangssequenz von DER SOLDAT JAMES RYAN. Durchaus beabsichtigt, wie Fauntlroy im Making of erzählt. Um die Optik möglichst genau zu treffen, musste sich sein Team mit ihm bis zu 20 mal beide Filme ansehen. Funktioniert hat das auf jeden Fall, die Eingangssequenz steht den beiden Vorbildern visuell kaum nach. Allerdings vermag sie nicht zu packen, den Zuschauer zu fesseln, wie es einst der Fall war, als an Omaha Beach die Klappen der Landungsboote fielen und Tom Hanks, mit heftigem Tinitus, am blutigen Strand den Schrecken um sich herum in Zeitlupe wahrnahm.

Das liegt natürlich daran, dass wir es hier unverwechselbar mit einem Seagal-DTV-Actioner zu tun haben, der seine Hauptfiguren mit Bildunterschriften, Freeze-Frames und Voice Overn vorstellt, die zwar besser rüberkommen als die Texttafeln in OUT FOR A KILL, dafür aber auch weniger über die Hobbys der Figuren verraten. Noch weniger erfährt man darüber, um was es eigentlich geht. Und vielleicht war ich einfach nur nicht aufmerksam genug, aber nach ca. 10 Minuten musste ich erstmal auf Pause drücken und in VERNs Seagalogy nachschlagen, um herauszufinden wer da jetzt auf die Franzosen schießt und was die Afrikaner damit zu tun haben und wen Seagal über den Haufen ballert.

Dabei sieht er auch ziemlich lässig aus, aber während der Kriegssequenz zu Beginn des Films macht Seagal auch nicht mehr und nicht weniger als mit seinem Gewehr um die Ecke zu schießen – obwohl er eigentlich laut dem CIA-Strippenzieher unersetzlich für das Team ist. Was komisch ist, weil alle anderen auch um die Ecke schießen. Im Gegensatz zu einigen anderen wird Seagal aber nicht getroffen – haltet Ausschau nach dem dümmsten Nachrichten-Kameramann aller Zeiten – wer sich so blöd in den Weg stellt, hat vermutlich Selbstmordgedanken. Und vielleicht hatte er die ja auch. Mein persönliches Highlight ist jedoch der Hund des französischen Botschafters der komplett tiefenentspannt und ohne mit der Wimper zu zucken zuschaut, wie sein Herrchen und die ganze Familie entführt wird. Schlechter Wachhund – eigentlich ja auch ein Jagdhund, meint meine Freundin. Klar, dass der nichts bewacht.

Der Hund mag ein treuloser Köter sein – von wegen "Der Hund ist dir im Sturme treu, der Mensch nicht mal im Winde" –, aber auf Seagal ist Verlass. Denn er kümmert sich um die verwitwete Frau seines besten Kumpels und deren Sohn. Wer jetzt schon Angst hat, eine weitere merkwürdige Seagal-Sexszene zu Gesicht zu bekommen, der darf aufatmen. Denn ausnahmsweise heißt kümmern mal wirklich kümmern und nicht "kümmern" in Verbindung mit einem dreckigen Lachen. Denn hier beginnt die Handlung wieder so richtig schön kompliziert zu werden, wie sich das für einen Seagal-Film aus DTV-Zeiten gehört.

Um das Ganze mal auf den Punkt zu bringen war Seagal in Afrika im Einsatz mit seinem besten Kameraden, der dort erschossen wird. Was dazu führt, dass Seagal sich um dessen Familie kümmert, was dazu führt, dass CIA-Mann John Dresham die beiden entführen lässt. So hat er ein Druckmittel um Seagal dazu zu kriegen bei seiner nächsten Aktion mitzumachen. Denn er braucht ihn unbedingt – wieder einmal ist nicht ganz klar warum, aber Dresham hat wohl einfach gerne den „höchst dekoriertesten Soldaten des ersten Golfkriegs“ an Bord – um den Sohn eines griechischen Drogenbarons aus dem Gefängnis zu holen, der in die USA überführt werden soll. Seagal macht bei der Aktion mit, hat aber eigene Pläne und gaukelt sowohl den afrikanischen Behörden als auch dem zweiten bösen CIA-Mann Anthony Chape vor, eine Bank ausrauben zu wollen, während der restliche Söldnertrupp sich um die Befreiung kümmert. Die geht allerdings schief, denn der Sohn des Drogenbarons wurde schon in die USA verfrachtet. Währenddessen gaukelt Seagal den Behörden nun vor doch ins Gefängnis einzubrechen, überfällt aber stattdessen doch die Bank.

Ihr merkt schon, das ist mal wieder ein Drehbuch für die Götter. Zunächst einmal wird relativ schnell deutlich, dass Seagal nicht so wirklich ein Gerechtigkeitssöldner ist, sondern eher ein "bezahlter Söldner" – wie er es im Film ausgedrückt. Dass man seine Söldner bezahlen sollte, dürfte sich eigentlich von selbst verstehen, sonst können die ganz schnell unangenehm werden. Auf die Aktion mit dem Gefängnisausbruch lässt er sich zwar ein, um die Frau und das Kind seines gefallenen Kameraden zu retten, aber um ehrlich zu sein ist die Aktion nichts anderes als das, was er sonst so tut. Diesmal nur halt ohne Bezahlung. Und mit dem Einbruch in die Bank verfolgt er letztlich doch eigene Interessen. Dass er die Bösen letztlich zur Rechenschaft zieht, obwohl sie bisher seine Rechnungen bezahlt haben, macht ihn dann aber doch zu etwas Besserem als einem "bezahlten Söldner".

Die Action in MERCENARY FOR JUSTICE ist, für DTV-Verhältnisse, nicht von schlechten Eltern. Zwar sind die meisten Actionszenen mal wieder Schießereien inklusive zugehöriger Explosionen – vor allem in der Eingangssequenz –, sehen aber gut aus. Außerdem darf Seagal endlich mal wieder ein paar HandgelenksbrücheTM verteilen und ein Bösewicht fliegt sogar durch eine Scheibe. Ohne Frage ist das Highlight hierbei eine ausgiebige Prügelei auf einer Restauranttoilette. irgendwie scheint Seagal eine Vorliebe für Toiletten entwickelt zu haben, seit er diese Direct to Video-Filme macht – ich nehme mal an, weil viele davon einfach scheiße sind, hrhr. In OUT FOR A KILL kommt er gerade aus der Restauranttoilette und zerlegt dann ein paar Auftragsmörder. In THE FOREIGNER strullt er gemütlich vor sich hin, bevor er einen ganzen Bahnhof in die Luft sprengt.

Und jetzt, in MERCENARY FOR JUSTICE geht Seagal in einem Restaurant auf die Toilette, wo er von einem Auftragsmörder angegriffen wird – ganz schön heimtückisch, jemanden aufm Pott killen zu wollen, aber das kennen wir ja schon aus MAD FOXES - FEUER AUF RÄDER – und im Anschluss den ganzen Raum zerstört. Ohne Explosion, nur mit seinen Fäusten. Der Kampf ist verdammt lässig inszeniert und erinnert an alte, glorreiche Zeiten. Seagal dominiert den Kampf von Anfang bis Ende, schmeißt den Kerl gegen die Urinale, gegen die Wand und drückt seinen Kopf sogar ins Klo und zieht ab – Seagal hätte in der Schule den brutalsten "Bully" abgegeben. Zum Schluss deckt er ihn noch mit heftigen, brutalen Schlägen ein, wie man sie lange nicht mehr gesehen hat. Natürlich ist Seagals Handarbeit nicht mehr so intensiv und schnell wie sie mal war, und er schlägt das ein oder andere Mal sehr offensichtlich vorbei, aber die Szene ist trotzdem verdammt gut geraten. Nicht zu vergessen, dass der Auftragsmörder-Typ Seagal als "Puparsch" beschimpft - kein Wunder, dass Seagal so ungehalten reagiert.

Die Co-Stars liefern durch die Bank eine ordentliche bis solide Arbeit ab. Auch im direkten Vorgängerfilm THE FOREIGNER - BLACK DAWN wurden Schauspieler engagiert, die ihr Handwerk verstehen, es geht also langsam Berg auf, was das angeht. Jacqueline Lord ist, vom Aussehen her, nicht meine Baustelle und kommt auch nicht so sympathisch rüber wie Tamara Davis (THE FOREIGNER - BLACK DAWN), passt aber sehr gut in ihre Rolle und spielt auch gut. Bis zu diesem Jahr (2016) war MERCENARY FOR JUSTICE ihr einziger Ausflug in den Bereich des Films, ansonsten war sie nur in TV-Serien zu sehen und hatte ihr längstes Engagement in I HATE MY TEENAGE DAUGHTER. Roger Guenveur Smith ist bei weitem kein Unbekannter, hat durchaus Talent, spielt aber leider arg lustlos. Ansonsten verhalten sich alle relativ unauffällig, was gar nicht verkehrt ist.

In diesem Sinne: "Du verdammter Puparsch!"

Steven Seagal: Mercenary for Justice Bild 1
Steven Seagal: Mercenary for Justice Bild 2
Steven Seagal: Mercenary for Justice Bild 3
Steven Seagal: Mercenary for Justice Bild 4
Steven Seagal: Mercenary for Justice Bild 5
Steven Seagal: Mercenary for Justice Bild 6
Steven Seagal: Mercenary for Justice Bild 7
FAZIT:

MERCENARY FOR JUSTICE gehört ohne Zweifel zu den besseren Filmen aus Seagals DTV-Ära und macht auch durchweg Spaß. Don E. Fauntleroy versteht sein Handwerk und beweist, dass er vor allem von Kameraführung Ahnung hat, so dass dieser Film, wie auch schon der ebenfalls von Fauntleroy inszenierte TODAY YOU DIE, tausendmal besser aussieht als alle Osteuropa-Produktionen Seagals zusammen. Rein optisch sieht MERCENARY FOR JUSTICE daher eher aus wie Kino, denn DTV. Die Handlung ist natürlich mal wieder ziemliche Grütze, orientiert sich aber wenigstens halbwegs an den Geschichten aus Seagals Frühwerken.

Auch wenn die meiste Action aus Schießereien und Explosionen besteht, bietet Seagal – und ausnahmsweise nicht seine Stuntmänner – doch einige Aikido-Action. Die sieht zwar nicht mehr so wild und brutal aus wie früher – Seagal wird leider nicht nur immer fetter, sondern auch träger –, aber für zerberstende Fensterscheiben und ein paar gebrochene Handgelenke reicht das noch lange.

Alles in allem, gehobenes Seagal-(DTV)-Mittelmaß.

WERTUNG: 5 von 10 zerdepperten Urinalen.
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