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Steven Seagal: Out of Reach

Steven Seagal: Out of Reach

OT: Out of Reach
ACTION: PL/USA, 2004
Regie: Leong Po-Chih
Darsteller: Steven Seagal, Ida Nowakowska, Agnieszka Wagner, Matt Schulze

STORY:

Steven Seagal ist ein ehemaliger Geheimagent, der sich in die Wildnis zurückgezogen hat und eine Brieffreundschaft mit dem polnischen Waisenmädchen Irena unterhält. Als ihn eines Tages ein Brief erreicht, dass Irenia ihm nicht mehr schreiben kann, wird er misstrauisch.

Und tatsächlich - Irena wurde an fiese Menschenhändler verkauft. Seagal macht sich gleich auf den Weg nach Polen um ein paar Handgelenke zu brechen.

KRITIK:

Nachdem Steven Seagal im Laufe seiner Karriere bereits korrupte CIA-Agenten (NICO), korrupte Politiker (HARD TO KILL), Viren (THE PATRIOT), verrückte Bombenleger (TICKER), Mafiosi (OUT FOR A KILL) und sogar einen Bären (AUF BRENNENDEM EIS) verprügelt, verstümmelt und erlegt hat, stellt sich ihm in OUT OF REACH das erste Mal eine neuer Schlag Verbrecher in den Weg – Menschenhändler. Wenn man mal so drüber nachdenkt ist es eigentlich ungewöhnlich, dass sich Seagal in keinem der bisherigen Filme mit Menschenhändlern rumgeschlagen hat - und bis OUT OF REACH waren das immerhin schon 18 Filme, inklusive seiner kurzen Ausflüge ins Nebenrollengewerbe. Dabei ist dieses Thema doch geradezu prädestiniert für einen Steven Seagal-Film. Wem würde man denn bitte lieber ein paar ordentliche Handgelenksbrüche™ und andere schmerzhafte Körperverrenkungen, Schläge in die Eier und Flüge durch Glasscheiben wünschen, als widerlichen Typen die kleine Mädchen als Sexsklaven an eklige, reiche Männer verkaufen? Eben.

Damit ist die Grundlage geschaffen für einen spannenden, knüppelharten Actionfilm – eine Mischung aus NICO und DEADLY REVENGE - DAS BROOKLYN MASSAKER. Ein paar miese Schweine entführen ein Mädchen, das Seagal sehr am Herzen liegt und der nutzt seine Geheimdienstvergangenheit um sie aufzuspüren und mit seinen Fäusten ein Blutbad anzurichten.

In den frühen 90ern hätte das vielleicht noch so funktioniert, aber nicht nach 2000, mittendrin in Seagals früher DTV-Ära. Wie schon in der letzten Besprechung zu BELLY OF THE BEAST angesprochen, zeichnen sich Seagals Filme aus dieser Zeit vor allem durch ihre überkonstruierten, komplexen und selten stimmigen Handlungsgerüste aus. So auch bei OUT OF REACH. Die Kernhandlung – Kinderhändler entführen Seagals Briefreundin und machen ihn damit wütend – wird mit unzähligen Logikbrüchen, weit hergeholten Begebenheiten, Zufällen und allerlei Schwachfug ordentlich verwässert.

Und dennoch ist OUT OF REACH kein schlechter Film geworden – gut, es ist kein schlechter SEAGAL-Film geworden. Nicht im Sinne von Action oder Tempo, aber er zählt durchaus zu seinen verrücktesten, abgedrehtesten. Bis hierhin musste noch in keinem Drehbuch die Handlung so dermaßen zurechtgebogen werden um auch nur ansatzweise die Ereignisse in Gang bringen zu können und dabei werden noch allerlei Sonderbarkeiten aufgefahren. Das fängt schon mal damit an, dass Irena Seagals Figur William Lansing – auf der DVD wird er Billy Ray genannt, was den Schluss nahelegt, dass der Film die Leute bei Paramount einen feuchten Dreck gekehrt hat – als Mitarbeiter einer Hilfsorganisation kennt, die mit dem Waisenhaus zusammengearbeitet hat. In Echt haben sie sich nie getroffen, denn im Finale des Films erkennt Irena Seagal nicht, und er war bisher auch noch in dem Waisenhaus. Wie denn auch, denn er arbeitet überhaupt nicht für diese Organisation. Was im Endeffekt bedeutet, dass Seagal ein 13-jähriges Mädchen, das in einem polnischen Waisenhaus lebt, in eine Brieffreundschaft mit ihm getrickst hat. Etwas verrucht das Ganze. Doch keine Sorge, Seagal hegt natürlich nur die besten Absichten und so schenkt er ihr Indianer-Schmuck und bringt ihr Textverschlüsselungs-Systeme bei – wobei ich der Meinung bin, dass das auf die Art nicht funktionieren kann.

Während es durchaus Sinn ergibt, warum sich Seagal auf die weite Reise nach Polen begibt um Irena zu finden – dazu gleich mehr –, wird die Logik wieder extrem löchrig, wenn es darum geht Irena zu folgen und sie zu finden. Sie hinterlässt ihm immer wieder Nachrichten, damit er sie finden kann. Allerdings ist es jedes Mal schon weit hergeholt, dass er überhaupt den Ort findet an dem sie die Botschaften hinterlassen hat. So wird auch einfach nicht erklärt, wie er überhaupt die Lagerhalle finden konnte, in der die Mädchen gefilmt, fotografiert und katalogisiert wurden. Und sowieso – die Lagerhalle. Wozu braucht die Menschenhändlerbande überhaupt einen derart gigantischen Industriekomplex? Zum besseren Verständnis, wir reden hier von den Ausmaßen eines Zeppelinhangars und darüber hinaus. Drinnen gibt es allerlei Gänge, Industriefahrzüge und vor allem viel Platz. Wäre es nicht einfacher die Mädchen in irgendeinem etwas abgelegenen Haus vorzubereiten, anstatt so ein riesiges Gelände zu verwalten, zu bezahlen und die Mädchen jedes Mal dorthin zu bringen? Mal ganz abgesehen davon, dass sie danach wieder woanders hingebracht werden. Gut, an einen nicht minder gigantomanischen Ort – nämlich das Haus von Oberfiesling Faisal und das würde ich schon als Schloss bezeichnen.

Aber gut, ich schweife ab. Seagal folgt also der Spur von Irena und dabei legt er die polnische Polizei rein, bekommt sie sogar so weit, dass sie ihn zu verschiedenen Tatorten rufen und – obwohl er offiziell nur irgendein Hinterwäldler aus Kanada ist – hilft er ihnen bei der Restaurierung von zerstörten Filmaufnahmen der Mädchen. CSI lässt grüßen. Dabei gibt er ziemliches Techno-Gemurmel von sich, das genauso wenig Sinn zu ergeben scheint, wie sein wahlloses Herumhämmern auf der Computertastatur. Dazu kommt noch, dass er sich ungefragt an einen Polizeicomputer setzt und das abgefragte Passwort einfach eintippt. Wow, scheinbar lernt man bei der CSA – also, entweder ist das die Confederate States Army oder die Casting Society of America, beides ergibt wenig Sinn – alle Passwörter für alle Computersysteme aller Polizeieinheiten weltweit auswendig. Gar nicht übel für die Südstaaten-Armee. Man fragt sich direkt, warum die den Bürgerkrieg verloren haben.

So, genug davon, denn manches ergibt im eigenen Universum des Films durchaus Sinn – und damit kommen wir zurück zu dem oben angesprochenen Punkt, warum Seagal nach Polen reist. Nun, er war ja nicht immer ein Waldschrat, sondern vorher bei irgendeinem geheimen Geheimdienst und dürfte daher von Natur aus neugierig sein. Die Leiterin des Waisenhauses ist eine blutige Anfängerin, die die Mädchen nur vertickt, weil sie etwas Kohle nebenbei verdienen will. Als Irena ihr einen letzten Brief gibt, handelt sie auf eigene Faust. Denn vermutlich hat Irena in den Brief geschrieben, dass irgendetwas nicht stimmt und komische Männer sie mitnehmen um sie zum Model zu machen. Anstatt jetzt aber den Brief einfach gar nicht abzuschicken, oder einen Brief zu fälschen und einen Vorwand zu benutzen, warum Irena in nächster Zeit nicht schreiben wird, setzt die Direktorin einfach ein Schreiben auf in dem sie erklärt, dass Irena nicht mehr schreiben wird. Wenn so ein Brief aus heiterem Himmel kommt, ist das natürlich verdächtig. Aber dafür wird die gute Dame ja auch kalt gemacht – nach einer herrlich schlechten und logikfreien Rede von Faisal. Aber wir haben es ja auch mit einem Typen zu tun, der später ein 13-jähriges Mädchen unter Drogen setzt. Vermutlich weil er Angst vor ihr hat oder so.

Komischerweise hat er keine Angst vor Seagal, denn es sieht so aus, als würde er alles daransetzen ihn zu treffen und letztlich auch zu töten. Warum er dann allerdings alles so kompliziert macht und Irena ihre Spuren legen lässt und Seagal immer wieder ins Leere laufen lässt, bleibt mir ein Rätsel – den einzigen Sinn den das ergibt, ist den die Geschichte auf Spielfilmlänge zu bringen. Andererseits scheint er auch Gefallen an Irena gefunden zu haben – nicht auf eine sexuelle Art, in dieser Richtung gibt es keinerlei Andeutungen. Er scheint eher ihre Anwesenheit zu genießen und zögert vielleicht aus diesem Grund alles raus – allerdings hat das auch nichts mit Freundschaft zu tun, dafür behandelt er sie zu schlecht. Er ist und bleibt letztendlich ein dummes, selbstverliebtes Arschloch, das kleine Mädchen als Sexsklaven verkauft – und hat den Tod durch Steven Seagals Klinge mehr als verdient.

Es ist übrigens ein netter Umstand, dass das Drehbuch nie explizit erwähnt, dass die Mädchen als Sexsklaven für reiche Kerle gedacht sind. Stattdessen ergibt sich das aus dem was passiert, so wird schnell klar, dass die Mädchen keinen Modelvertrag bei Dolce & Gabana bekommen und wenn ein paar Kerle von überall aus der Welt über geheime Telefonverbindungen bieten, dann bestätigt sich auch, dass sie nicht einfach als Aupair ins Ausland vermittelt werden – in Zeiten des Internets verhökert Faisal die Mädchen übrigens auf umständliche und irgendwie auch wenig Sinn ergebende Weise.

Seagal selbst wirkt in OUT OF REACH verdammt müde und lustlos – also, noch müder und lustloser als in seinen bisherigen DTV-Produktionen. Teilweise macht er gar einen leicht verwirrten Eindruck, vor allem in den Waldszenen zu Beginn des Films – also, in den Einstellungen, in denen er nicht gedoubelt wird. Apropos gedoubelt, während Seagal im vorangegangenen Film BELLY OF THE BEAST verdammt viel selbst im Bild war, vermutlich weil ihm die Dreharbeiten gefallen haben, so hatten sein Stuntdouble und Stand-In bei dieser Produktion wieder alle Hände voll zu tun. Das fängt mit bereits erwähnter Wald-Sequenz an und zieht sich durch den gesamten Film. Kurz vor dem Finale in Faisals Villa findet eine große Schießerei in einem Bordell statt und Seagal macht einen Purzelbaum und erschießt daraufhin ein paar Bösewichter. Das ist nun keine besonders beeindruckende Aktion, um ehrlich zu sein, aber selbst dafür lässt sich Seagal doubeln – und das von einem Meister, der einen 7. Dan in Aikido trägt. Im Finale selbst lässt sich Seagal gleich in einer kompletten Szene doubeln, von Anfang bis Ende. Dabei sind seine Double meist auch mit bloßem Auge zu erkennen und es ist nicht mal nötig die Pause-Taste zu drücken.

Das Aikido, dass wir hier zu sehen bekommen ist indes nicht besonders eindrucksvoll. Seagal hat schon schlechteres abgeliefert, und die erste große Kampszene – in der Seagal sogar ein, zwei Tricks selbst zu zeigen scheint – ist auch noch okay. Aber ansonsten wirken viele Techniken schluderig und lasch, und das gilt ebenso für die Kämpfe, die Seagals Double bestreitet. Harte Gesichtsschläge und sonstige brutale Techniken gibt es leider keine. Dafür kommt es verdammt lässig, als Seagal einen Bösewicht aus dem Fenster hängt um so an Informationen zu kommen. Der will allerdings nicht reden und muss daher mit den Konsequenzen leben – allerdings nicht lange, hrhr. Die Kampfchoreographien sind es allerdings nicht, die in OUT OF REACH überzeugen – aber die Zeiten in denen man von Seagals Kampfkunstfertigkeiten noch überrascht und begeistert wurde sind eh seit langem vorbei – eine Leistung wie in NICO oder DEADLY REVENGE dürfte es von ihm nicht mehr geben.

Von Regisseur Po-Chih Leong kenne ich sonst nichts weiter, aber er hat in den 80ern offenbar ein australisches Komödien-Mystery-Drama namens PING PONG gedreht – wie man sich mit sowas für DTV-Action qualifiziert ist mir auch ein Rätsel. Zwei Jahre nach OUT OF REACH hat er dann noch einen weiteren DTV-Actioner mit Wesley Snipes in der Hauptrolle gedreht – THE DETONATOR - BRENNENDER STAHL. Sieht eigentlich ganz nett aus. Könnte er durchaus sein, denn Leong ist kein unfähiger Regisseur und er gibt sich redlich Mühe aus dem depperten Drehbuch und mit einem unwilligen Seagal in der Hauptrolle einen ordentlichen Actionfilm zu machen, was ihm teilweise gelingt, doch dazu gleich mehr im Fazit. Ich finde es wichtig anzumerken, dass die eine oder andere Einstellung durchaus gut aussieht und er das Budget hier und da sinnvoll eingesetzt hat.

In diesem Sinne: „Du bist nicht besser als eine Hure und du weißt ja, was mit denen geschieht?“ – „Was?“ – „Na, Huren werden gefickt, ist doch klar!“ – Seagal muss es ja wissen…

Steven Seagal: Out of Reach Bild 1
Steven Seagal: Out of Reach Bild 2
Steven Seagal: Out of Reach Bild 3
Steven Seagal: Out of Reach Bild 4
Steven Seagal: Out of Reach Bild 5
Steven Seagal: Out of Reach Bild 6
FAZIT:

OUT OF REACH ist bei weitem nicht Seagals bester Film aus seiner DTV-Ära und schon gar nicht ist er irgendwo in der Nähe seiner Frühwerke einzuordnen. Aber, eins muss man ihm lassen, er weiß über die vollen 83 Minuten zu unterhalten. Nicht aufgrund der Action, die einen Seagal-Film normalerweise zu einem großen Teil auszeichnet, dafür ist das Ganze hier zu lahm. Vielmehr unterhält OUT OF REACH durch seine völlig bekloppte Geschichte und das wirre und unzusammenhängende Drehbuch, das so auf einer sehr trashigen Ebene funktioniert. Dazu gesellen sich noch die ein oder anderen Seagalismen – so operiert er einfach mal mit dem Buttermesser eine Kugel aus Kasias Schulter – um das „Was zum Geier“-Erlebnis abzurunden.

Ich möchte jetzt keine große Empfehlung aussprechen, aber Seagal-Komplettisten könnte Schlimmeres passieren und für einen recht unterhaltsamen Freitag-Abend – oder wann immer ihr eure Seagal-Filme zu schauen pflegt – reicht es allemal. Wer OUT OF REACH gesehen hat, kennt sicherlich einen der skurrilsten Seagal-Streifen – und das, obwohl er hier nicht mal mit einem Bären ringt.

WERTUNG: 6 von 10 actionreichen Bordellbesuchen.
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